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Unterricht mal anders

Wenn Jazz-Musiker und Rapper unterrichten

Ravensburg / Lesedauer: 3 min

So schnell werden die Ravensburger Schüler ihren Musikunterricht sicher nicht vergessen. Statt Lehrer stehen Jazz-Musiker und Rapper vor der Tafel.
Veröffentlicht:29.11.2023, 09:00

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Lautes Gewusel im Musikzimmer. Schüler, die ungeduldig auf ihren Stühlen sitzen. Ein Lehrer, der versucht, alle in den Griff zu bekommen. Eigentlich ein typischer Schultag. Doch plötzlich wird der Lärm im Spohn-Gymnasium Ravensburg durch etwas melodisches unterbrochen.

Gespannt blicken die Schüler nach vorn in Richtung Tafel. Dort, wo sonst ihr Lehrer steht, beginnen vier junge Männer rhythmisch auf ihren Instrumenten zu spielen. Es sind die Mitglieder der aus Ungarn stammenden Band „Jazzbois“, die auch im Ravensburger Kantine Club aufgetreten sind. Für die Schüler ein ganz besonderer Unterricht, der den Musik- und Englischunterricht miteinander vereint und Teil eines Workshops ist.

Initiiert wurde die Aktion vom Verein Jazztime Ravensburg unter dem Motto „Future Dialogues“. Gerade jüngere Menschen sollen wieder mehr für Musik begeistert werden, so Thomas Fuchs vom Jazztime-Aktiv-Team.

„Durch den direkten Kontakt zu den Musikern, haben die Schüler eine ganz andere Verbindung zur Musik“, sagt Musiklehrer Martin Wiedemann. „Jazz ist sehr komplex und muss erst einmal verstanden werden.“ Genau dazu soll der Unterricht gemeinsam mit der Band auch dienen. Mit einfachen Beispielen versuchen die Musiker, den Schülern zu erklären, wie jeder von ihnen Teil der Musik werden kann.

Eine musikalische Improvisation

Die an die Wand projizierten Noten unterstützen bei der Erklärung. „Damit ihr leichter improvisieren könnt, lernt als Erstes den Text eines Liedes“, sagt Keyboarder Bencze Molnár, „wenn ihr den könnt, habt ihr schon fast alles, was ihr braucht.“ Bereits im Vorfeld haben die Schüler das Lied „Autumn Leaves“ einstudiert. Auf ein Zeichen von Saxofonist Dom Beats ertönen alle Instrumente. Jeder Schüler versucht, um den Text eine Melodie zu formen, die sich aber weiterhin am Original orientiert.

Und tatsächlich finden sich nach wenigen Anläufen die typischen Jazzrhythmen in den Klängen der Schüler wieder. Ein Junge improvisiert auf seiner E-Gitarre mit vollem Einsatz und erntet Applaus. Auch seine Mitschülerin, die auf der Klarinette mit einstimmt, bekommt Jubel. Zusammen mit Geigen, Trompeten, Keyboards und Posaunen musizieren die Jugendlichen gemeinsam mit den Jazzbois um die Wette.

„Ein Jazzkonzert der besonderen Art“, sagt Bassist Viktor Sági. Noch nie hat die Band zuvor Schülern die Grundlagen des Jazz in Form von Unterricht beigebracht. „Für uns ist das auch etwas ganz Neues. Seid also nicht so streng mit uns“, sagt Dom Beats und lacht.

Auch Rappen muss gelernt sein

Während die Jazzbois mit den Schülern erfolgreich auf den Instrumenten improvisieren, findet zeitgleich im Welfen-Gymnasium ein weiterer Workshop statt. Dort präsentiert der in Hamburg lebende Hip-Hopper und Rapper Sharaktah sein Können. Wie die Jazzbois trat auch er im Ravensburger Kantine Club auf. Gemeinsam mit den Schülern werden kurzerhand Texte geschrieben und Melodien komponiert. Und bis zum Ende des Workshops steht ein fast perfekter Song über das Verpassen des Busses und die alltäglichen Fehlschläge.

„Auch hier hat sich der Workshop eindeutig gelohnt“, sagt Thomas Fuchs von Jazztime, „das haben die Schüler wirklich klasse gemacht.“ Auch Sharaktah ist begeistert: „Ich selbst hätte mich damals gar nicht getraut, vor meinen Mitschülern zu singen.“ Und weiter: „Die Jungs und Mädchen können echt stolz auf sich sein.“

Nach zwei Stunden enden die Workshops. Die Instrumente werden eingepackt, die Musiker verabschiedet und die Schüler kehren zurück in den gewohnten Schulalltag. „Jetzt haben wir erst einmal Mathe“, sagt ein Mädchen und verdreht dabei ihre Augen. „Aber vielleicht können wir die Zahlen heute auch einfach mal rappen.“