Coronavirus

Warum wir in dieser Form über das Coronavirus berichten

Ravensburg / Lesedauer: 3 min

Über die Berichterstattung gibt es dieser Tage in Deutschland viel Kritik. Auch von Panikmache ist die Rede - warum das aus unserer Sicht zu kurz gedacht ist.
Veröffentlicht:26.02.2020, 10:07
Aktualisiert:12.03.2020, 18:22

Von:
Artikel teilen:

Das Coronavirus infiziert nicht nur Atemwege. Es hat sich auch längst in der öffentlichen Debatte breitgemacht.

+++ Hintergründe und Informationen im Coronavirus-Dossier +++

Während in Italien Tausende ihre Häuser und Städte nicht verlassen dürfen, kommt die Diskussion über das Virus hierzulande zu einem neuen Höhepunkt: Ist das nicht alles übertrieben? Wieso sollen wir uns vor einer Krankheit fürchten, die für die allermeisten Menschen gerade einmal wie eine gewöhnliche Grippe verläuft? Und warum schenken die Medien der Krankheit so viel Aufmerksamkeit?

Zehntausende Menschen sterben in Europa jährlich an der Grippe. Das sind viele - und es könnten weniger sein, wenn sich zum Beispiel mehr Menschen impfen lassen würden.

Verglichen damit wirken die aktuellen Todesfallzahlen des Covid-19-Erregers gering: Elf Menschen sind aktuell in Italien dem Virus erlegen. In China, dem Ursprung des Erregers, sind von 80.000 Infizierten rund 2600 gestorben. Die meisten der Toten sind alte Menschen oder Menschen mit Vorerkrankungen.

Genau an diesem Punkt liegt der Schlüssel zum Verständnis des aktuellen Geschehens. Wenn weltweit Menschen isoliert werden, wenn in Europa vor Reisen nach Italien gewarnt wird und sich Rückkehrer aus der Region besonders umsichtig verhalten sollen - dann geschieht dies gerade auch zum Schutz all derjenigen, deren Immunsystem nicht so stabil ist, um dem Krankheitserreger gewachsen zu sein.

Ein außer Kontrolle geratenes Covid-19, eine Pandemie, würde sehr wahrscheinlich Tausende weiterer Opfer unter Alten und Kranken fordern. Wer sich jetzt hinstellt und sagt: "Mir ist diese Krankheit egal, sie kann mir nichts anhaben" - der nimmt in Kauf, dass diese Einstellung für andere fatale Folgen haben kann. Panik ist in solchen Situationen ein schlechter Berater - doch ein Verharmlosen der Entwicklung ist ebenso falsch.

Solidarität beginnt am Waschbecken

Letztlich sind die weltweiten Schutzmaßnahmen gegen das Virus auch Ausdruck einer gelebten Solidarität mit anderen Menschen - neben den wirtschaftlichen Gründen. Und diese Solidarität beginnt derzeit am Waschbecken - wenn man sich zum Beispiel gründlicher als sonst die Hände wäscht, in die Armbeuge statt in die Hand niest und mit einer freundlichen Erklärung aufs Händeschütteln verzichtet.

Die Aufgabe des Journalismus ist es, zu informieren. Und nur wer informiert ist, kann sich angesichts der neuen Gefahr richtig verhalten.

Das ist auch der Grund, warum wir auf Schwäbische.de mit großem Aufwand und prominent über diese Krankheit berichten. Die Aufgabe des Journalismus ist es, zu informieren. Und nur wer informiert ist, kann sich angesichts der neuen Gefahr richtig verhalten.

Wir wägen in diesen Tagen in der Redaktion genau ab, welche Inhalte wir über das Virus in welcher Form zur Verfügung stellen. Wenn bestimmte Entwicklungen die Sicherheitslage in unserer Region konkret betreffen und von einer akuten Gefahr für die Öffentlichkeit auszugehen ist, dann verbreiten wir diese Informationen kostenlos.

Hintergrundberichte, Reportagen und allgemein informative Texte werden weiterhin registrierten Nutzern oder Plus-Abonnenten zur Verfügung gestellt.