Kriminalinspektion

Verbrechen: Jeder Täter hinterlässt Spuren

Kreis Ravensburg / Lesedauer: 3 min

Experten der Ravensburger Kriminalpolizei leisten am Tatort Feinarbeit
Veröffentlicht:31.01.2011, 11:40
Aktualisiert:25.10.2019, 21:00

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Jürgen Malcher und seine Kollegen kommen immer dann, wenn bereits etwas passiert ist. Und wenn der Leiter der Kriminalinspektion vier bei der Kripo Ravensburg oder seine Kollegen gerufen werden, dann ist zuvor meist etwas Schlimmes passiert: Mord, Totschlag, Vergewaltigungen, Brände, Einbrüche.

Dann kommen die Kriminalbeamten der Ravensburger Spurensicherung in ihren weißen Schutzanzügen, um die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen zu finden. So wie man es aus dem „Tatort“ kennt. „Das ist aber das Einzige, was im Fernsehen so ist wie in der Wirklichkeit“, sagt Kriminalhauptkommissar Jürgen Malcher.

Zehn Beamte umfasst die zentrale Kriminaltechnik der Polizeidirektion Ravensburg. Hier lassen Tatverdächtige auch digital ihre Fingerabdrücke, die dann gleich direkt per Datenleitung ans Bundeskriminalamt überspielt und dort gespeichert werden. Allerdings hinterlassen Täter heutzutage nicht immer Fingerabdrücke. Doch Spuren immer. Mikrospuren vor allem.

Und die können heute den Täter einwandfrei überführen, wenn sie von den Beamten der Spurensicherung gefunden werden. „Unsere Aufgabe ist es, diese Hautschuppen oder Haare zu sichern und zu verpacken. Dann schicken wir sie ans Kriminaltechnische Institut beim Landeskriminalamt in Stuttgart“, erklärt Malcher. Bei einem Mord ist das Ergebnis schon in zwei bis drei Tagen da.

Auch unsichtbare Spuren lassen sich heute sichtbar machen. „Die meisten Täter wissen nicht, dass sie immer Spuren verursachen.“ Abdrücke von Schuhprofilen zum Beispiel. Dies ist laut Malcher häufig bei Einbrüchen wichtig, um herauszufinden, ob es eine Serie des gleichen Täters ist. „Es gibt genügend Spuren, die Kunst ist es nur, sie zu finden.“

Bei einem Tötungsdelikt zum Beispiel wird der von der Polizei abgesperrte Tatort erst einmal mit einer Videokamera gefilmt, dann werden von den Details Fotos geschossen. Die Beamten der Spurensicherung lassen sich von den Ermittlern der Sonderkommission die ersten Vermutungen der Tat beschreiben, um ein Bild von dem zu bekommen, was dort passiert sein könnte. „Wir müssen bei der Spurensuche wissen, um was es geht. Das komplette Thema“, betont der Kriminalhauptkommissar. Lebensituation interpretieren

Dann gehen die Spurensicherer so vor: „Man friert quasi eine Lebenssituation ein und beschreibt sie. Die Spuren helfen uns, sie zu interpretieren. Wir geben uns viel Mühe, das Tatgeschehen noch einmal zu rekonstruieren, bis es ein Bild gibt.“

Auch nach einem Brand sind die Kriminaltechniker der Polizeidirektion Ravensburg im Einsatz. Hier gehen die Spurensicherer den Weg rückwärts, den das Feuer offensichtlich genommen hat. „Wir suchen immer den Bereich, wo es zuerst gebrannt haben könnte. Anhand der Brandzehrung grenzen wir die Brandausbruchstelle ein, meist der Tiefpunkt des sogenannten Brandtrichters, und schließen nach und nach die dort möglichen Brandursachen aus oder bestätigen eine davon“, erklärt Malcher.

Bei einem Großbrand sind die Kriminaltechniker oftmals Tage beschäftigt, in der abgebrannten Halle erst einmal „aufzuräumen“, um den Verlauf des Feuers rekonstruieren zu können. „Erst, wenn alle technischen Gründe ausgeschlossen sind, gehen wir von Brandstiftung aus“, so Malcher weiter. Brandstifter haben meist eines gemeinsam: „Die passen am Tatort in der Regel nicht so gut auf und hinterlassen meistens Spuren. Und das Feuer vernichtet nie alle Spuren.“ Der Rest: siehe oben.