StartseiteRegionalOberschwabenRavensburgPferdeschändung: Wer tut so etwas - und was sollte man selbst nicht tun?

Aktueller Fall schockiert

Pferdeschändung: Wer tut so etwas - und was sollte man selbst nicht tun?

Region / Lesedauer: 3 min

Es gibt Erkenntnisse, welche Menschen zu so einer Tat neigen. Der Pferdesportverband nennt Details, spricht aber auch eine eindringliche Warnung aus, falls man Täter erwischt.
Veröffentlicht:16.09.2023, 07:00

Artikel teilen:

Zum Fall des mutmaßlichen Pferdeschänders im Ravensburger Ortsteil Gornhofen hat sich nun der Pferdesportverband Baden–Württemberg zu Wort gemeldet. Er wirbt für mehr Achtsamkeit, warnt aber auch dringlich vor Selbstjustiz von Pferdebesitzern.

„Aufmerksamkeit — Wachsamkeit — Eigensicherung“ stand vor 25 Jahren auf den Plakaten des Verbands zur Warnung vor Pferdeschändern. Verantwortlich dafür war damals Martin Stellberger, der noch heute den Pressedienst betreut.

Er bestätigt die Aussage der Polizei, dass in der Region um Ravensburg seltener Fälle von Pferdeschändungen bekannt werden als andernorts. Aber er sagt auch: „Pferdeschändungen gibt es überall und ständig und wird es wohl auch immer geben.“

Die Motive der Täter sind komplex

Ein Grund dafür ist die komplexe Täterstruktur. Denn „den“ Pferdeschänder gibt es nicht. „Es ist ein weites Feld“, sagt Stellberger und verweist auf Studien, die sich mit den Täterprofilen beschäftigten.

Betroffene Pferdefreunde müssen sich hier bei aller Emotion zurückhalten, um sich nicht selbst strafbar zu machen.

Martin Stellberger

In einer Untersuchung heißt es: „40 Prozent der Taten waren sexuell motiviert, 14 Prozent gehen auf das Konto Zoophiler, 25 Prozent auf sogenannte ,Jäger mit Handschrift’ (Anm. d. Red.: Täter, die gut vorbereitet sind und nicht spontan agieren), 10 Prozent auf das Konto von Fetisch–Sammlern und 10 Prozent waren klassische Gewalttäter mit sadistischen Facetten.“

Als Motivation nennt die Studie bei den nicht sexuell motivierten Übergriffen unter anderem „Streben nach Macht und Stärke, Hass und Rache, Neid, Langeweile, Aufmerksamkeit, Verzweiflung. Psychische Störungen kommen als Ursache hinzu.“ Mehr als zwei Drittel der Tiere, die Opfer werden, seien Stuten.

Hofbetreiber können für Schutz sorgen

Der Pferdesportverband Baden–Württemberg beschäftigt sich regelmäßig mit diesen Übergriffen. Martin Stellberger: „Unser Ziel ist es, die Besitzer einerseits zu sensibilisieren für den Eigenschutz von Stall und Weide, wohl wissend, dass große Flächen nicht flächendeckend überwacht werden können.

Kameras in den Stallungen sind ein probates Mittel, aber eben auch nicht erschöpfend. Ställe muss man idealerweise so schützen, dass sie luftig bleiben und vor allem nachts nicht von jedermann betreten werden können.“

Daneben empfiehlt er Hofbetreibern, Fremde, die sich im Umfeld aufhalten, aktiv anzusprechen und Nachbarn, falls vorhanden, für die Thematik zu sensibilisieren.

Eine Videoüberwachung der Ställe sei sinnvoll, aber kein Allheilmittel. Siehe Gornhofen. Die Kameras verhinderten die Pferdeschändung nicht. Aber immerhin konnte durch die Aufnahmen ein 33–Jähriger, der im Umfeld des Hofes lebt, als mutmaßlicher Täter ausgemacht werden.

Warnung vor eigenem Vorgehen

Dass der Mann wieder auf freiem Fuß ist, ist für den Pressedienstsprecher „normal und juristisch eindeutig“. Auf der anderen Seite ist ihm klar, dass so eine Tat die Menschen „emotional aufwühlt“. Dabei sei aber höchste Vorsicht geboten.

Stellberger: „Wichtig für uns als Pferdesportverband ist die Warnung vor Selbstjustiz. Betroffene Pferdefreunde müssen sich hier bei aller Emotion zurückhalten, um sich nicht selbst strafbar zu machen. Auch ist es immer möglich, dass ertappte Täter bewaffnet sind und sich gegen ein Festhalten wehren, auch wenn das Festhalten rechtlich erlaubt ist, bis die Polizei kommt, es sei denn, man kann den Täter auch ohne Festhalten identifizieren.“