Unterzahl

Towerstars biegen in Unterzahl auf die Siegerstraße ein

Ravensburg / Lesedauer: 4 min

Towerstars biegen in Unterzahl auf die Siegerstraße ein
Veröffentlicht:30.09.2010, 17:20
Aktualisiert:26.10.2019, 00:00

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Die Ravensburg Towerstars haben gestern Abend in der 2. Eishockey-Bundesliga mit 2:0 (0:0, 1:0, 1:0) gegen die Fischtown Pinguins aus Bremerhaven gewonnen. In einer umkämpften Partie zeigten die Ravensburger vor allem eine defensiv stabile Vorstellung und überraschten mit viel Torgefahr bei eigener Unterzahl.

Von unserem Redakteur

Timm Herre

„Wie hoch wird’s heute?“ – man hörte es vor dem Anpfiff des zweiten Heimspiels der Towerstars in dieser Saison überall in der Eissporthalle: Die Erwartungen nach dem 11:1-Kantersieg gegen Crimmitschau waren hoch. Und die Ravensburger schienen die Wünsche des Publikums erfüllen zu wollen. Keine zehn Sekunden waren gespielt, da wirbelten Alex Leavitt und Peter Boon schon zur ersten Chance, aber Bremerhavens Keeper Marko Suvelo war zur Stelle. Im direkten Gegenzug musste auch sein Gegenüber Christian Rohde gleich einen Schlagschuss von Brad Self abwehren.

Nach den fulminanten Anfangssekunden schalteten die beiden Teams aber erst einmal in den Standby-Modus. Bremerhaven stand tief, Ravensburg wartete ab. Nach fünf Minuten wagten sich dann die Nordlichter etwas weiter nach vorne und hatten gleich zwei gute Gelegenheiten. Carsten Gosdeck und Alexander Janzen verfehlten aber das Tor. In der 13. Minute rettete Rohde mit dem rechten Bein gegen Marius Garten – die Gäste waren dem ersten Tor näher als die Towerstars.

Ihre beste Phase im Anfangsdrittel hatten die Ravensburger dann ausgerechnet in Unterzahl. In der 16. und 17. Minute saß Christopher Oravec draußen und dreimal fuhren seine Mannschaftskameraden brandgefährliche Konter. Frédérik Cabana hätte beim ersten Durchmarsch aber besser abgespielt, anstatt aus spitzem Winkel zu schießen. Und danach brachten auch Schmidle und Leavitt den Puck nicht im Netz unter. Mit 0:0 ging es in die Pause und irgendwie hatten die 2700 Zuschauer etwas mehr von ihrem Team erwartet.

Abwartend und geduldig

Auch im Mitteldrittel setzte sich die Tendenz fort: Die Towerstars blieben abwartend – man könnte auch sagen geduldig. In der Defensive standen sie stabil und ließen wenig zu. Nur in der 23. Minute wurde es einmal ganz brenzlig, als Carsten Gosdeck plötzlich am langen Pfosten das freie Tor vor sich hatte, den Puck aber nicht kontrollieren konnte. Zwei Minuten später hatten die Ravensburger Fans den Torschrei auf den Lippen. Brian Maloney nahm einen Diagonalpass prima auf, ließ Pinguins-Torwart Suvelo ins Leere laufen, beim Rückhandschuss brachte aber Bremerhavens Felix Thomas noch den Schläger dazwischen.

Das Toreschießen gehört eben nicht zu Maloneys vorrangigen Qualitäten. Dafür haut der bullige Außenstürmer aber dazwischen, wenn sich ein Gegner ein bisschen zu weit aus dem Fenster lehnt. Das machte der Kanadier dann auch nach 35 Minuten und wanderte prompt wegen übertriebener Härte für zwei Minuten in die Kühlbox.

Was normalerweise ein Bärendienst für das eigene Team ist, war für die Towerstars an diesem Tag genau das Richtige. Kaum in Unterzahl wurde es wieder gefährlich und diesmal klappte es auch. Frédérik Cabana fuhr über rechts ins Angriffsdrittel, sein wunderbarer Schlenzer aus dem Handgelenk schlug rechts von Suvelo ein – 1:0 für Ravensburg. Noch vor der zweiten Sirene hätte Alex Leavitt wiederum nach starker Vorarbeit von Ben Thomson das 2:0 nachlegen können.

Den wichtigen zweiten Treffer steuerte dann im Schlussdrittel Peter Boon bei – diesmal in Überzahl. Matt Kinch hatte aus der Hintertor-Position scharf gepasst und der Towerstars-Mittelstürmer die Scheibe aus kurzer Distanz hoch ins kurze Eck geschossen. Das Tor war in einem an Offensiv-Aktionen nicht reichen Spiel fast schon die Vorentscheidung. Danach überstanden die Ravensburger auch eine knappe Minute 5:3-Unterzahl und spielten den Vorsprung unspektakulär aber souverän herunter. Brian Maloney mit einem krachenden Schlagschuss und Peter Boon hätten den Sieg noch eindrucksvoller gestalten können, es blieb aber beim 2:0 – und dem ersten Shut-out in der laufenden Saison für Keeper Christian Rohde.

Unterzahl zuletzt wacklig

Towerstars-Trainer Peter Draisaitl sprach von einem wichtigen Sieg nach der 2:6-Niederlage gegen Freiburg am Freitag. Gegen die Badener hätte in einigen Aktionen die letzte Überzeugung gefehlt, „aber heute hat sich die Mannschaft über 60 Minuten reingehängt. Es ist sehr erfreulich, dass wir diese knappe Partie gewonnen haben“, so der Ravensburger Coach.

Warum man die gefährlichsten Szenen ausgerechnet in Unterzahl kreierte, konnte Draisaitl auch nicht beantworten: „Wir haben über die Unterzahl gesprochen, die war in den vergangenen Spielen etwas wacklig. Heute standen wir gut. Dass dann daraus auch der Führungstreffer entspringt. . . umso besser!“