Rutenfest

Steigende Preise dämpften die Feierstimmung beim Rutenfest

Ravensburg / Lesedauer: 3 min

Eine Bilanz des Rutenfests in Zahlen – Bei den Kosten ist für manchen Besucher jetzt eine Grenze erreicht
Veröffentlicht:29.07.2022, 16:00

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Das Rutenfest 2022 ist Geschichte und wird beim Rutenvergraben am Samstag symbolisch zu Grabe getragen. Zeit also Bilanz zu ziehen mit einigen Zahlen – die letzte davon sollte jeder Rutenfest-Liebhaber kennen.

Temperaturen von über 30 Grad waren Ravensburg zum Rutenfest beschert: Das Sommerwetter spielte mit bei der Wiederaufnahme des Festes nach zweijähriger Pandemiepause. Das Programm „Hochsommer pur“ war lediglich durch kurze, wenn auch mitunter heftige Regenschauer unterbrochen.

42 000 Festabzeichen sind nach Angaben der Rutenfestkommission verkauft worden. Das grenzt an einen Ausverkauf: Insgesamt waren 43 500 Abzeichen, die in diesem Jahr den Blaserturm darstellten, produziert worden. Besonders war der Verkauf am Samstagabend zum Frohen Aufkat, wo allein 5000 Abzeichen den Besitzer wechselten.

80 000 Lose hat die Rutenfestkommission am sogenannten „Glückshafen“ verkauft. Die Glücksritter waren trotz des um 30 Cent angehobenen Preises scharf auf die Gewinne. Am Dienstagnachmittag war alles verlost, der „Glückshafen“ musste schließen.

1300 Feuerwerkschüsse hatte die Firma Pyrodesing Rohr mit Sitz in Dettingen an der Iller im Gepäck, die seit 1984 das Feuerwerk auf dem Rutenfest organisiert – in enger Zusammenarbeit mit Technischem Hilfswerk, Polizei und Ordnungsbehörde. Acht Mitarbeiter zauberten mit mehreren Tagen Vorlauf ein computerchoreographiertes, in großen Teilen blauweißes Lichterspektakel in den Ravensburger Nachthimmel.

11,50 Euro – der gestiegene Preis für die Maß Bier, aber auch höhere Kosten für Essen und Vergnügungspark waren für alle Besucher spürbar. Man befinde sich bei den Preisen an einer Schmerzgrenze, schätzt Peter Baur (Zigarren Baur), der auf der sogenannten Fressmeile Getränke und Zigaretten verkaufte. Weitere Steigerungen, so glaubt er, würden die Besucher nicht mehr mitmachen: „Das grenzt dann irgendwann an Abzocke.“

Die galoppierende Inflation und insbesondere die gestiegenen Energie- und Lebensmittelpreise machten auch vor dem Rutenfest nicht Halt. Ein Crêpesstandbetreiber sagte, er spüre durchaus eine gewisse Zurückhaltung bei höherpreisigen Produkten: Dem Crepe mit Nutella und Banane werde nun häufiger die etwas magerere Version mit Apfelmus oder Zimt und Zucker vorgezogen.

Bei vielen Festwirten läuft unterdessen noch die Auswertung. Die einen sehen die Absätze auf dem Niveau der vergangenen Rutenfeste, manche sprechen gar vom besten Jahr seit Langem. Die coronabedingte Durststrecke habe die Leute „hungrig“ gemacht und den Konsum angekurbelt, so Schausteller Julius Kritz vom „Musikexpress“. Die Wirte loben den friedlichem Verlauf. So auch Patrick Ham vom Ravensburger Schalmeien-Verein, der anmerkt: „Es gab wirklich keinerlei Probleme mit den Gästen, keine Verletzten, keine Prügeleien.“

Ein Tag genügt, um große Teile der Zelte und Buden, die zum Fest gehören, wieder verschwinden zu lassen. Inzwischen sind alle Abbauarbeiten abgeschlossen. „Fast eine Woche Aufbau sind in gut einem Tag wieder rückgängig gemacht“, sagt Ham vom Schalmeien -Verein. Die Helfer des Vereins stemmen alles im Ehrenamt. „Die Mitglieder nehmen dafür extra Urlaub“, so Ham. Von diesem Engagement lebe ein Großteil des Rutenfests.

355 mal Schlafen , das wissen eingefleischte Ravensburger genau, dann beginnt das nächste Rutenfest.