Straftat

Polizei verzeichnet mehr Straftaten

Ravensburg / Lesedauer: 3 min

Zunahme bei Rauschgiftkriminalität im Kreis Ravensburg
Veröffentlicht:31.03.2014, 19:35
Aktualisiert:24.10.2019, 15:00

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Weniger Straßenkriminalität im Kreis Ravensburg , weniger Täter unter 21 Jahren, eine verbesserte Aufklärungsquote bei den Straftaten – das sind die positiven Nachrichten, die Martin Schatz, kommissarischer Leiter des Polizeipräsidiums Konstanz, am Montag bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2013 zu berichten hatte. Bei der Bilanz gab es allerdings auch Wermutstropfen: Es wird deutlich häufiger in Wohnungen eingebrochen als 2012 (plus 64 Fälle), bei der Rauschgiftkriminalität liegt der Kreis Ravensburg deutlich über dem Landesdurchschnitt (plus 95) und es wurden insgesamt mehr Straftaten begangen (plus 496).

„Im Kreis Ravensburg ist eine höhere Kriminalitätsbelastung festzustellen als im Bodenseekreis und im Kreis Konstanz“, sagte Schatz bei der Vorstellung der Zahlen des Polizeipräsidiums Konstanz, das für vier Landkreise zuständig ist. Uwe Stürmer , Leiter der Kriminalpolizei Friedrichshafen und zuvor Chef der Polizeidirektion in Ravensburg, macht für den Anstieg „Seriendelikte und eine langfristig gesehene Zunahme der Gewaltkriminalität“ verantwortlich. Vergleiche man die Zahlen zwischen 2003 und 2013, stelle man in Ravensburg insgesamt eine Zunahme um 15 Prozent fest. In Weingarten gab es im gleichen Zeitraum allerdings einen Rückgang um 25 Prozent. Für 2013 gilt: In Ravensburg ist die Zahl der Straftaten um 165 Fälle auf 4347 gestiegen (Vorjahr: 4182). Ein ganz anderes Bild ergibt sich in Weingarten: Hier waren es 41 Straftaten weniger als im Vorjahr (1338).

Im gesamten Kreis Ravensburg sind im vergangenen Jahr 13607 Straftaten begangen worden, das sind 496 mehr als im Vorjahr (13111). Die Gewaltkriminalität – beispielsweise schwere und gefährliche Körperverletzung oder Vergewaltigung – hält sich mit 477 Fällen hingegen auf Vorjahresniveau (476).

Es kommt öfter zur Eskalation

Als Problem bezeichneten Stürmer und Schatz die zunehmenden gewalttätigen Angriffe auf Polizisten. „Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen Alkohol und Gewaltbereitschaft“, erklärte Stürmer. Gemeinsam mit immer weiter schrumpfender Respektlosigkeit und fehlender Anerkennung von Amtsautorität sei das eine Entwicklung, „die wir mit großer Sorge beobachten“. Denn: Besonders wenn Polizisten auf alkoholisierte Gruppen treffen, komme es immer öfter zu Eskalation. Aber auch rabiate Discobesucher oder betrunkene und ausfällige Autofahrer seien ein Problem.

Erfreulich ist die Entwicklung im Bereich der Straßenkriminalität (Körperverletzungen, Diebstahl, Sachbeschädigungen), die im gesamten Präsidiumsbereich abgenommen hat, in Ravensburg jedoch signifikant von 2580 auf 2282 Fälle (minus 298).

Weniger Grund zur Freude gibt es bei der Rauschgiftkriminalität. Hier verzeichnet das Polizeipräsidium Konstanz für alle vier Landkreise einen Anstieg um 223 Delikte auf 2418 Straftaten (plus 10,2 Prozent). Besonders im Kreis Ravensburg und im Bodenseekreis war der Anstieg deutlich höher als im Landesdurchschnitt. „Das ist vor allem auf verstärkte Kontrollen und Ermittlungen zurückzuführen“, erklärte Schatz. Den Großteil machen dabei Verstöße mit Cannabisprodukten aus. „Besonders der Cannabiskonsum wird bagatellisiert“, sagte Stürmer und kritisierte, dass diese Drogen als „harmlos“ wahrgenommen würden.

Martin Schatz warnte besonders vor den sogenannten Designerdrogen, die als „Badesalz“ oder „Kräutermischung“ übers Internet gekauft werden können. „Man weiß nie, was da drin ist und kann die Wirkung nicht einschätzen.“ Die synthetische Droge Crystal Meth spiele hingegen „bei uns keine Rolle“, sagte Schatz.

Die größte Sorge der Polizei derzeit sind vielmehr die Wohnungseinbrüche. „Wir erleben eine Renaissance bei den Wohnungseinbrüchen. Ohne diesen Anstieg wäre unsere Statistik klasse“, sagte Schatz. 209-mal wurde im Kreis Ravensburg im vergangenen Jahr in Wohnungen eingebrochen. Das sind 64 Fälle mehr als 2012. „Besonders die professionellen und überregionalen Tätergruppen aus Südosteuropa bereiten uns Kopfzerbrechen“, sagte Stürmer. Eine Bande aus Ungarn, die landesweit und im Kreis Ravensburg für eine Einbruchsserie verantwortlich war, hat die Polizei aber inzwischen geschnappt.