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Plötzliches Aus

OSK kündigt Vertrag mit Ravensburger Sportklinik

Ravensburg / Lesedauer: 6 min

Vor knapp zwei Jahren wurde der Kooperationsvertrag als Win-Win-Situation für OSK und Sportklinik noch gefeiert. Doch jetzt droht das abrupte Ende.
Veröffentlicht:08.12.2023, 19:00

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Völlig überraschend hat die Oberschwabenklinik (OSK) den Kooperationsvertrag mit der Sportklinik Ravensburg zum 31. März 2024 gekündigt. Die leitenden Ärzte der orthopädischen Spezialklinik, Geschäftsführer Martin Volz und Thomas Mattes, fühlen sich vor den Kopf gestoßen, war die Zusammenarbeit vor zwei Jahren am Standort Wangen doch noch von allen Seiten gefeiert worden.

Als „katastrophal“ beschreiben die Chirurgen in einem Gespräch mit Schwäbische.de die Kommunikation mit dem neuen Geschäftsführer Franz Huber und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Harald Sievers.

OSK: Am Ende hilft nur die Privatisierung

OSK: Am Ende hilft nur die Privatisierung

Der vor zwei Jahren gefeierte Kooperationsvertrag zwischen Sportklinik und OSK wurde plötzlich gekündigt. Ein merkwürdiges Geschäftsgebaren, kommentiert Annette Vincenz.

Seit April 2022 operieren die Ärzte der Ravensburger Spezialklinik OSK-Patienten am Wangener Krankenhaus an Hüften, Knien, Schultern und Ellbogen. Allerdings nicht als Belegärzte, sondern in Teilanstellungen. Volz war an der OSK zugleich als Chefarzt (50 Prozent in Teilzeit) angestellt worden - neben dem orthopädischen Chefarzt Günther Waßmer von der OSK Wangen. Andere Mediziner der Sportklinik waren als Oberärzte zu 20 Prozent in Teilzeit bei der OSK beschäftigt.

Die Operateure brachten dabei ihre Teams (OP-Schwestern und Anästhesisten) mit und stellten dafür auch Rechnungen, die auf einer im Kooperationsvertrag festgelegten Aufteilung der Fallpauschalen beruhten. Die Zusammenarbeit war auch Bestandteil der Neustrukturierung, infolge derer die frühere Endoprothetik-Abteilung aus Bad Waldsee nach Wangen verlegt wurde.

Ähnlicher Vertrag besteht mit Biberach

Das Konstrukt war dabei laut Sportklinik nicht einzigartig: Die als Experten für Endoprothetik geltenden Ravensburger Mediziner operieren aktuell auch an der Sana-Klinik in Biberach und früher an den Krankenhäusern Weingarten und später Tettnang des Medizincampus Bodensee. Letztere Zusammenarbeit sei jedoch zugunsten Wangens aufgegeben worden, so Volz und Mattes. Beide betonen mit ihrem Berater Jochen Lang, dass die Vertragsbedingungen - Angestelltenverhältnis auf der einen Seite und Abrechnung auf der anderen Seite - juristisch einwandfrei seien.

Die Verträge für die Zusammenarbeit hatte noch der frühere Geschäftsführer Oliver Adolph ausgehandelt, der das Unternehmen aber nach internen Querelen verlassen musste. „Die beiden Partner“, hieß es 2022 in einer euphorischen Pressemitteilung, „wollen künftig ihre Kompetenzen bündeln und gemeinsam mit den Ärzteteams der OSK und der Sportklinik ein Gelenkzentrum von überregionaler Strahlkraft entwickeln.“ Und weiter: „Sowohl die Oberschwabenklinik als auch die Sportklinik versprechen sich durch die Kooperation eine deutliche Verbesserung der Versorgung der Patienten.“

Überrascht vom Sinneswandel

Aus Sicht von Volz und Mattes sei diese Vision auch Wirklichkeit worden. Beide meinen, das Personal der OSK in Wangen habe von der Effizienz und Geschwindigkeit ihrer Arbeit profitiert und einiges lernen können. Und auch wirtschaftlich müsste die OSK von der Zusammenarbeit profitiert haben, glauben sie. Daher seien sie vom plötzlichen Sinneswandel nach dem Geschäftsführerwechsel überrascht worden.

Wir möchten die Patienten versorgen und nicht alle zwei, drei oder vier Jahre neue Strukturen vorfinden,

spricht Mattes die häufigen Geschäftsführerwechsel in der Oberschwabenklinik an.

 Seit 2020 waren dort insgesamt vier Geschäftsführer von sich aus gegangen oder gegangen worden: Sebastian Wolf, Petra Hohmann, Michael Schuler und Oliver Adolph, bevor im Oktober 2022 Franz Huber als Interimsgeschäftsführer eingesetzt worden war, um die aufgeheizte Stimmung im Klinikverbund des Landkreises abzukühlen, die Strukturreform zu vollenden und die wirtschaftliche Situation wieder zu verbessern.

Kommunikation sei inakzeptabel

Aus Sicht der Sportklinik-Betreiber stehe er dabei enorm unter Druck, weil die OSK bekanntlich in tiefroten Zahlen steckt. Nach Informationen von Schwäbische.de rechnen Kommunalpolitiker aus dem Kreis damit, dass das strukturelle Defizit der OSK in den nächsten Jahren noch deutlich größer wird als die astronomischen 27 Millionen Euro, die für das laufende Jahr im Raum stehen. Deshalb habe man in der Sportklinik auch Verständnis für einen Sparkurs. „Es ist aber völlig inakzeptabel, wie hier mit uns kommuniziert wird“, sagt Martin Volz auf Anfrage von Schwäbische.de.

Das kurze und knappe Kündigungsschreiben der OSK an die Sportklinik und deren „Orthopädische überörtliche Berufsausübungsgemeinschaft“ enthält keinerlei Begründung, warum die Zusammenarbeit aufgegeben werden soll. Dem Schreiben gingen im Oktober ein Vorgespräch, Telefonate und eine Aufsichtsratssitzung voraus, in der die Kündigung augenscheinlich abgesegnet worden ist.

Volz, Mattes und Berater Jochen Lang vermuten, der kommunale Klinikverbund sei mit der Verteilung der Finanzen unzufrieden. In einem Brief an den OSK-Aufsichtsratsvorsitzenden, Landrat Harald Sievers, beklagen sie, in Wangen gehe das Gerücht, die Sportklinik würde der OSK „negative Deckungsbeitrage“ bescheren. Sprich: sie finanziell über den Tisch ziehen und sich die Rosinen herauspicken, denn Endoprothetik ist eine der wenigen medizinischen Disziplinen, die von den gesetzlichen Krankenkassen auskömmlich finanziert wird.

Sportklinik ist zu Neuverhandlungen bereit

Gleichzeitig signalisieren die Geschäftsführer in ihrem Brief an Sievers, „die Vergütungsmodalitäten zu überprüfen und gegebenenfalls den tatsächlichen Verhältnissen anzupassen“, was den Rückschluss zulässt, dass die Verteilung der Fallpauschalen-Bestandteile bisher tatsächlich nicht unbedingt zugunsten der OSK geregelt war.

Man sei an einer „seriösen Partnerschaft mit einem langfristigen Zeithorizont“ interessiert. „Wenn allerdings die Haltbarkeit derartiger Vereinbarungen jedesmal bei einem Führungs- und Geschäftsführerwechsel ins Wanken gerät und sogar mit Zustimmung des Aufsichtsratsgremiums gekündigt werden darf, kann eine Kooperation nur schwerlich - wenn überhaupt - gelingen“, heißt es weiter in dem Brief an Landrat Sievers.

Landrat im Gespräch „relativ brüsk“

Zwischenzeitlich ist es auch zu einem Treffen von Huber, Volz und Sievers gekommen, das aber aus Sicht der Sportklinik-Betreiber enttäuschend verlaufen ist. „Sievers war relativ brüsk und hat Hubers Entscheidung verteidigt“, meint Volz.

Existenzbedrohend sei die Kündigung für die Sportklinik zwar nicht, wohl aber ärgerlich. Denn die Privatklinik hat beispielsweise keinen Vertrag mit der AOK und kann aktuell in den eigenen Räumlichkeiten im Spital nur Patienten anderer gesetzlicher Krankenkassen wie der Barmer oder der DAK beziehungsweise Privatpatienten operieren. Ein Großteil der gesetzlich Versicherten ist aber in der AOK, und für Mattes ist es ein „ethisches Dilemma“, diese Patienten künftig wegschicken zu müssen.

Um Marktanteile machen sich Volz und Mattes nach eigenen Aussagen hingegen keine Sorgen. Vor dem Kooperationsvertrag hätten sie mit ihren Mitarbeitern etwa 40 Prozent der endoprothetischen Operationen abgedeckt, die OSK hingegen nur 25 bis 30 Prozent.

OSK will laut Huber neuen Vertrag aushandeln

Im Dezember soll noch mal ein Gespräch mit der OSK stattfinden. Auf das verweist auch OSK-Geschäftsführer Huber, der die Fragen der „Schwäbischen Zeitung“ nach den Gründen für die Kündigung unbeantwortet lässt. Man habe diese den Verantwortlichen „vorab im persönlichen Gespräch dargelegt“. Die Zusammenarbeit sei von vorneherein zunächst auf zwei Jahre vereinbart gewesen, um dann den Stand der Kooperation zu überprüfen. „Dies geschieht derzeit. Die Daten liegen vor und sind von der OSK korrekt sowie zuverlässig erhoben“, so Huber.

Dabei müsse die Kündigung aber gar nicht das letzte Wort sein. Huber: „Seitens der OSK wollen wir die Zusammenarbeit mit einem neuen Vertrag fortführen. Dies haben wir der Sportklinik klar kommuniziert und auch begründet.“ Weitere Gesprächstermine seien bereits anberaumt. „Da wir uns in laufenden Vertragsverhandlungen befinden, können wir uns über Einzelheiten öffentlich derzeit nicht äußern.“