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Klosterarkaden Weißenau

Nächster Bauträger in Ravensburg meldet Insolvenz an

Ravensburg / Lesedauer: 3 min

Dem Investor der Klosterarkaden Weißenau droht die Zahlungsunfähigkeit. Es geht um offene Rechnungen und ausstehende Arbeiten.
Veröffentlicht:29.11.2023, 10:36

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Es war eines der spannendsten Projekte der Ravensburger Baugeschichte: der knifflige Umbau des denkmalgeschützten Gebäude-Ensembles von Klosterarkaden, Bleicherei und Kornhaus in 47 moderne Wohneinheiten.

Auf dem 11.000 Quadratmeter großen Areal in der Weißenauer Abteistraße mussten historische Details wie Gussstützen und Ziegenkappendecken erhalten bleiben, um den Charakter der mehr als 200 Jahre alten Gebäude zu wahren. Die teure Sanierung hat jedoch ein Nachspiel. Joachim Dietrich, Chef der Monument Klosterarkaden Weißenau GmbH & Co. KG und Besitzer der Gebäude, hat Insolvenz angemeldet.

Das Verfahren vor dem Ravensburger Amtsgericht trägt das Aktenzeichen 20 IN 296/23. Eröffnet wurde das Verfahren, wie es offiziell heißt, wegen „drohender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung“. Eine Tabelle mit Forderungen wurde zur Einsicht aller Beteiligten auf der Geschäftsstelle des Amtsgerichts niedergelegt. Am 4. Dezember, 9 Uhr, findet im Sitzungssaal 001 die erste Gläubigerversammlung statt.

Hohe Baukosten und Pech

Wie konnte es so weit kommen? Dietrich nennt eine Vielzahl an Gründen, die zur „drohenden Zahlungsunfähigkeit“ geführt haben. „Einerseits sind die Baukosten seit dem Baubeginn 2016 in die Höhe geschossen“, so der Bauherr, „andererseits hatten wir Pech. Ein Heizungs- und Sanitärunternehmer musste während der Bauphase Insolvenz anmelden. Es gab einen Wasserschaden. Bei den Heizungen musste nachgearbeitet werden. Das kostete alles viel Geld.“

Dietrich hatte das Geld zunächst über sein Unternehmen Monument Klosterarkarden nachgeschossen. Als die Beträge größer wurden, beteiligte er die Eigentümer der Wohnungen. „Sie waren nicht begeistert, aber sie hatten natürlich das Interesse, dass alles fertiggestellt wird“, so Dietrich.

Die Klosterarkaden in Weißenau wurden zu schmucken Wohnungen umgebaut.
Die Klosterarkaden in Weißenau wurden zu schmucken Wohnungen umgebaut. (Foto: Ruth Auchter-Stellmann )

Um die angespannte Situation zu beruhigen und die Sanierung nicht zu gefährden, wurde im Jahr 2020 der Friedrichshafener Rechtsanwalt Claudio Hirscher als Treuhänder eingesetzt. „Wir haben über unsere Kanzlei viele Buchungen abgewickelt“, sagt Hirscher. Das sei mit zunehmender Dauer schwieriger geworden, weil eine finanzierende Bank die Kreditlinie nicht verlängerte. „Die Zahlungen mussten in Eigenregie geleistet werden“, so Hirscher. Die Eigentümergemeinschaft traf sich fortan jede Woche, um jede Zahlung abzustimmen.

Schwebendes Verfahren

Rechtlich gehört die Monument Klosterarkaden Weißenau GmbH & Co. KG zur Firma „Logo Gesellschaft für Haus und Grundbesitz mbH“ mit Sitz in Augsburg, die ebenfalls von Dietrich geführt wird. Die Logo ist Komplementärin, also persönlich haftende Gesellschafterin der Klosterarkarden. Diese haftet allerdings nur mit ihrer Einlage.

Die Geldthematik fällt in die Zuständigkeit des Ravensburger Rechtsanwalts Matthäus Rösch, der vom Amtsgericht als Insolvenzverwalter eingesetzt wurde. „Es ist meine Aufgabe, das noch vorhandene Vermögen der Gesellschaft bestmöglich zu verwerten sowie Forderungen der Gläubiger aufzunehmen und zu prüfen“, so Rösch. „Mehr kann ich nicht sagen, weil es sich um ein schwebendes Verfahren handelt.“

Unbezahlte Rechnungen

Einen ersten Überblick über die Forderungen gibt’s bei der Gläubigerversammlung. Die Thematik ist komplex. Es geht um unbezahlte Rechnungen, Rücklagen von Eigentümern, ausstehende Arbeiten im Kellerbereich, die Finanzierung der Dachbegrünung und den Sonnenschutz.

„Am Ende fehlten insgesamt vielleicht 100.000 Euro“, sagt Dietrich. Diesen Betrag wollten manche Eigentümer nicht „on top“ aufbringen. Außerdem gab es Streit um die Gewährleistung. „Ich konnte und wollte die Gewährleistung nicht allein mit der Monument Klosterarkaden GmbH übernehmen“, sagt Dietrich. Die offenen Fragen dürften Anwälte noch länger beschäftigen. Immerhin: Das Projekt ist bis auf wenige Nacharbeiten abgeschlossen.