Mobilfunktechnik

Mobilfunktechnik 5G: Lager sind gespalten

Ravensburg / Lesedauer: 3 min

Neue Technik kommt auch nach Ravensburg – Bürger haben gesundheitliche Bedenken
Veröffentlicht:19.09.2018, 18:26
Aktualisiert:22.10.2019, 16:00

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„Der Agenda-Arbeitskreis Mobilfunk warnt vor den Risiken durch die geplante Mobilfunktechnik 5G“, so lautete die Einladung zu einer Informationsveranstaltung am Dienstagabend, zu der sich neben den Arbeitskreismitgliedern etwa ein Dutzend Interessierte im großen Sitzungssaal des Rathauses eingefunden hatten. Auch Ravensburgs Baubürgermeister Dirk Bastin und Helmut Hertle, technischer Geschäftsführer der TWS (Technische Werke Schussental), standen der kleinen Runde für Fragen zur Verfügung. Es waren vor allem drängende Fragen nach den gesundheitlichen Auswirkungen der Technik, wie sich herausstellte.

Natürlich sind weder die Raffinessen der neuen Mobilfunktechnik 5G und schon gar nicht die Bedenken der kleinen Bürgerschar in 90 Minuten erschöpfend zu diskutieren. Und doch hat Wolfgang Blüher , der Sprecher des Agenda-Arbeitskreises, den Anspruch, den Abend kurz zu halten. Wohl, weil Blüher bereits im Vorfeld klar geworden sein muss, dass dieses Thema in Ravensburg zunächst für Unruhe sorgen wird. „Wie übrigens auch in Tübingen oder München,“ bestätigt Bastin ähnliche Diskussionen andernorts. Die Stadt Ravensburg habe jedoch „keineswegs durch einen Beschluss zu 5G Fakten geschaffen“, beruhigt er, sondern sich vielmehr als Verwaltung lediglich dem Regierungsbeschluss zu fügen: „Und den Beschluss der Bundesregierung für 5G gibt es bereits“, konstatiert Bastin die Gesetzeslage.

Sprich: 5G wird kommen. Gute oder schlechte Strahlung, schädlich oder nicht – das stehe nicht zur Diskussion. „Wir können aber entscheiden, ob wir als Modellstadt oder als Nachzügler in diese Technik einsteigen“, macht Bastin den Handlungsspielraum deutlich. Die technischen Fakten zur neuen Mobilfunk-Generation 5G erörtert Wolfgang Blüher in einem knappen Vortrag, der von Strahlenkeulen und Senderichtungen, von Antennenelementen und irgendwann auch von „diesem Unfug“ handelt, der laut Wissenschaftlern „Millionen von Menschen einem gigantischen Experiment mit unklaren Auswirkungen auf die Gesundheit aussetzt“. Schweizer Ärzte etwa warnten davor, dass diese kurzwellige Strahlung Hautkrebs begünstigen könne.

Die Liste möglicher Risiken, die Blüher vorstellt, ist lang. Und die Schelte auch in Richtung TWS nicht unerheblich. Man werbe mit dem „grünen Weg“ und dem Slogan „Das Richtige tun“, legt Blüher den Internetauftritt der TWS vor. Damals habe man „die Breitbandversorgung nicht auf dem Schirm gehabt“, kontert Hertle kleinlaut und verweist auf den Auftrag der Gesellschafter. „Und es ist besser, wir haben den Finger drauf als irgendein Dritter“, verteidigt Hertle die geplante Anbringung von 5G-fähigen Antennenelementen in den städtischen Laternenpfählen.

Dass nach der Informationsveranstaltung, in einer Art freiem Austausch auch die wenigen Bürger sich als Skeptiker und nicht als Befürworter entpuppen, sprengt beinahe den Rahmen. In der Landwirtschaft dürfe man keine krebserregenden Substanzen mehr einsetzen, weshalb also könne nicht auch im Mobilfunksektor zurückgefahren werden, fragt ein Aktivist aus Überlingen. Eine von mehreren elektrosensiblen Zuhörerinnen wünscht sich „einen Schutzraum, eine strahlungsarme Fläche zur Bebauung“, in den sie sich zurückziehen könne. Die angedachten „Omen“-Flächen (Orte mit empfindlicher Nutzung wie Schulen, Kindergärten, Kliniken) seien viel zu klein, monierte jemand, und ein anderer Zuhörer befürchtet, man werde ein „Riesengeschäft auf Kosten der Gesundheit der Bevölkerung“ machen wollen.

„Wir werden die Fehlentwicklung nicht aufhalten aber möglicherweise umlenken können“ – damit beschließt ein durchweg besonnener Bühler den Informationsabend. Und er ruft dazu auf, sich bemerkbar zu machen: „Schreiben Sie Leserbriefe. Tun Sie Ihre Meinung in der Bürgerfragestunde kund. Sprechen Sie mit dem Nachbarn“. Dann gelingt vielleicht, was offenbar im amerikanischen Palm Beach gelungen ist. Der Küstenort in Florida sei im digitalisierten Amerika die 5G-Ausnahme. Möglicherweise, weil dort Bill Gates und Donald Trump leben – wie Bühler vermutet.