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Kürzere Wege

Verein bietet Frauen in Not Beratung in vier weiteren Kommunen an

Ravensburg / Lesedauer: 3 min

Auch im Landkreis Ravensburg befinden sich Frauen und Kinder in Not - und zwar mehr als man denkt. Wohin sich Betroffene wenden können.
Veröffentlicht:30.01.2024, 07:00

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Künftig müssen Frauen und Kinder, die psychische oder körperliche Gewalt erleben, nicht mehr bis nach Ravensburg oder Wangen fahren, um sich beraten zu lassen. Der Verein „Frauen und Kinder in Not“ baut aktuell vier neue Außenstellen auf: in Aulendorf, Bad Waldsee, Leutkirch und Isny.

Zwar nicht jeden Tag, aber immerhin alle zwei Wochen soll eine Beraterin des Vereins jeweils an einem Tag in den vier Kommunen vor Ort sein. Möglich ist das nur über Spenden.

Wege zu lang

„Wir haben festgestellt, die Wege sind zu lang. Wir sind flächenmäßig einer der größten Landkreise in Baden-Württemberg“, sagt Ingrid Zuber, die als Beraterin in Ravensburg tätig ist.

Unser Ziel ist es, mehr Frauen die Möglichkeit zu geben, sich an uns zu wenden.

Ingrid Zuber

Bislang bietet der Verein persönliche Beratungen in Ravensburg und seit 2019 in Wangen.

Auch telefonisch ist der Verein für Betroffene da. Das eigne sich aber nicht immer. „Im persönlichen Kontakt kommt man viel besser ins Gespräch“, erklärt Zuber. „Vielleicht ist es auch nicht jeder Frau möglich zu telefonieren, weil sie unter Kontrolle steht.“ Oder es bestehe das Risiko, dass sie abgehört werde. Auch für Frauen, die nicht fließend Deutsch sprechen (rund ein Drittel), sei der persönliche Kontakt einfacher.

Die zusätzlichen Sprechstunden in allen vier Kommunen sollen ab Februar stattfinden. An welchen Tagen und wo genau teilt der Verein demnächst auf der Webseite mit. Die Terminvergabe läuft weiterhin über die Stellen in Ravensburg und Wangen.

Dunkelziffer weit höher vermutet

„Wir haben eine neue Kollegin in Ravensburg. Nur so können wir die Außensprechstunden überhaupt stemmen“, sagt Zuber. Insgesamt seien es 6,3 Vollzeitstellen im Kreis. Finanziert würden die Außensprechstunden rein über Spenden.

Der Verein reagiert mit dem zusätzlichen Angebot nicht auf einen steigenden Bedarf im ländlichen Raum, wie Zuber mitteilt. Die Erfahrung habe aber gezeigt: Sobald ein Hilfsnetzwerk ausgebaut wird oder durch eine Kampagne Betroffene gestärkt werden, nimmt die Zahl der Hilfesuchenden zu. „Letztendlich sind das aber nur Vermutungen“, sagt Zuber.

Konkrete Zahlen dazu, wie viele Frauen tatsächlich Gewalt erleben, gibt es nicht. Erst wenn sie sich Hilfe suchen, tauchen sie anonym in der Statistik auf. Experten schätzen daher, dass die Dunkelziffer weit höher ist.

Verein arbeitet eng mit der Polizei zusammen

Der Verein „Frauen und Kinder in Not“ registrierte im vergangenen Jahr im Landkreis Ravensburg 299 Frauen, die erstmals Kontakt mit den Beraterinnen aufnahmen (2022: 335 Frauen, 2021: 291). Fast alle meldeten Erfahrungen mit Gewalt (95 Prozent). Das kann sowohl psychische, körperliche, aber auch strukturelle Gewalt sein, zum Beispiel, dass eine Frau kein Geld zur Verfügung bekommt, zur Arbeit gezwungen wird oder von anderen Menschen abgeschirmt wird, wie Zuber erklärt.

Der Großteil der Frauen gab an, Gewalt in den eigenen vier Wänden zu erleben (74 Prozent), also häusliche Gewalt meist durch den Partner oder Ex-Partner. Ein weiterer Teil meldete sexualisierte Gewalt (20 Prozent), wie sexuelle Nötigung, Belästigung oder Vergewaltigung. Weitere Themen sind Stalking, persönliche Krise oder Trennung.

In all diesen Fällen ist der Verein „Frauen und Kinder in Not“ Hauptansprechpartner im Kreis. Caritas und Diakonie zum Beispiel vermitteln Frauen an die Beratungsstelle weiter. Aber auch nach einem Polizeieinsatz, bei dem die Beamten vermuten, dass es sich um häusliche Gewalt handelt, bietet der Verein der Betroffenen Unterstützung an - in Notfällen auch eine Unterbringung im Frauenhaus, das der Verein betriebt.


Beratungstermine können telefonisch ausgemacht werden, in Ravensburg unter 0751 23323, in Wangen unter 07522 9099598.


Hinweis: Wir haben den ersten Absatz des Textes geändert. In einer älteren Version lautete dieser, „künftig müssen Frauen und Kinder, deren Lebenssituation belastend ist, nicht mehr bis nach Ravensburg oder Wangen fahren, um sich beraten zu lassen“.