Irrsinn

Irrsinn an der Grenze: Warum schwäbischer Müll in Österreich landet – und umgekehrt

Ravensburg / Lesedauer: 3 min

Biomüll aus dem Kreis wird in Vorarlberg verwertet – der dortige bald in Amtzell
Veröffentlicht:30.11.2022, 15:00

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So manchem im Kreistag stinkt’s. Als vor einigen Jahren eine EU-weite Ausschreibung dafür sorgte, dass der hiesige Biomüll nach Lustenau in Vorarlberg gebracht wird, gab es schon etliche kritische Stimmen. Nun wurden auch im Nachbarland die Aufträge für die Biomüllverwertung neu vergeben: Eine Anlage in Amtzell hat den Zuschlag bekommen.

Der schwäbische Abfall wird also nach Österreich gefahren und der aus Vorarlberg kommt in den Landkreis Ravensburg. Das Hin- und Herkarren des Mülls politisch zu verhindern, ist kaum möglich. Ein Vorschlag trifft aber zumindest bei einer der beteiligten Firmen auf offene Ohren.

Kreisräte sind unzufrieden

„Die jetzt entstandene Situation mutet wie ein Stück aus dem Tollhaus an“, mahnte Kreisrat und SPD-Fraktionschef Rudolf Bindig in der jüngsten Sitzung des Ravensburger Kreistags : „Mit erheblichem finanziellem Aufwand an Transportkosten und vor allem unnötigem Energieverbrauch und unnötigen Verkehren wird der Biomüll wechselseitig zwischen unserem Landkreis und dem Land Vorarlberg hin und her transportiert.“ Diese Situation verlange, dass man sich mit allen Beteiligten zusammensetzt und überlegt, wie auf der Basis der geschlossenen Verträge eine Neuregelung getroffen werden kann.

Haser: Es ist derselbe Müll

Mit dieser Forderung ist Bindig nicht allein. Aus den Kreistagsfraktionen gab es großen Zuspruch. „Es ist derselbe Müll, dasselbe Einsammel-Prozedere und die Erfassung ist gleich“, sagte Raimund Haser (CDU). Vergaberechtlich sei eine Art Tausch der offiziellen Aufträge wohl kaum möglich. Aber, so Hasers Frage an die Kreisverwaltung: „Kann man nicht den Auftrag so lassen und gleichzeitig darauf hinwirken, dass die Unternehmen untereinander eine pragmatische Lösung finden?“

Was Landrat Harald Siervers charmant findet

Als „charmante Lösung“ bezeichnete Landrat Harald Sievers „eine Art gegenseitige Subunternehmerschaft“ der Firmen aus Lustenau in Vorarlberg und Amtzell. Sprich: Die Vergaben werden nicht angetastet, die Unternehmen vereinbaren aber, das sich jede Firma in ihrer Gegend um den Biomüll kümmert. Die Betriebe könnten durch den Wegfall der Fahrwege Kosten und Emissionen vermeiden. Kreiskämmerer Franz Baur versprach, mit den Vorarlbergern dahingehend in Gespräche zu gehen.

Das sagt der Auftraggeber aus Österreich

Das Pendant zum Landkreis Ravensburg, dass die Biomüll-Entsorgung nach Amtzell vergeben hat, ist der Vorarlberger Gemeindeverband. Hier hält man sich bedeckt, was nachträgliche Veränderungen angeht. „Die Auftraggeber, wir ebenso wie der Landkreis Ravensburg, müssen sich an das Ausschreibungsergebnis halten“, betont Sprecher Simon Groß.

Von der „Schwäbischen Zeitung“ auf eine mögliche gegenseitige Subunternehmerschaft angesprochen, sagt Groß: „Den Auftragnehmern bleibt es unbenommen, Verhandlungen über Subunternehmerschaften zu führen.“

Vorarlberger Unternehmen sagt nichts zu den Vorschlägen

Einer der Auftragnehmer ist die Firma Loacker. Am Standort Lustenau verwertet sie den Biomüll aus dem Landkreis Ravensburg. Zum Thema gegenseitige Subunternehmerschaft lässt Loacker über eine Kommunikationsagentur ausrichten, dass man sich zu dem Thema nicht äußern will.

Das sind die Betreiber der Anlage in Amtzell

So viel zu den Österreichern. Wie sieht es auf schwäbischer Seite aus? „AWB Amtzeller Werk für Biogas GmBH“ heißt der Betrieb, der bald den Biomüll aus Vorarlberg verwertet. Gesellschafter sind unter anderem das Lindauer Abfallunternehmen Stark und die Firma Zwisler aus Tettnang.

Tobias Zwisler erklärt auf Anfrage der „Schwäbischen Zeitung“: „Aus den Betreiber- und Entsorgungsverträgen heraus ergibt sich eine gewisse Verschwiegenheit. Deshalb kann ich zu den Details nicht viel sagen.“

Hiesige Anlagenbetreiber sind gesprächsbereit

Aber, angesprochen auf den Vorschlag der gegenseitigen Subunternehmerschaft, zeigt sich Zwisler offen: „Wir sind grundsätzlich bereit, über alle Vorschläge zu reden.“ Und dafür haben alle Beteiligten noch etwas Zeit. Die beschlossene Vergabe sieht vor, dass der Vorarlberger Biomüll erst ab 2024 in die Amtzeller Biogasanlage gebracht wird.