Urteil

Bonnie-und-Clyde-Prozess: Haft und Bewährung

Ravensburg / Lesedauer: 3 min

Täter wird zu einer Haftstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt – Mittäterin bekommt Bewährungsstrafe
Veröffentlicht:30.03.2015, 18:42
Aktualisiert:24.10.2019, 04:00

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Die 1. Große Strafkammer des Landgerichts Ravensburg sah es als erwiesen an, dass die beiden Angeklagten von Oktober bis Mitte Dezember 2012 insgesamt 35 Einbruchdiebstähle in den Kreisen Ravensburg, Biberach und Sigmaringen begangen haben (die SZ berichtete). Der einschlägig vorbestrafte Angeklagte wurde zu einer Haftstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt.

Damit ging die Kammer sogar noch über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus, die drei Jahre und acht Monate Haft gefordert hatte. Die Mitangeklagte wurde zu zwei Jahren auf vier Jahren Bewährung und zu 120 Stunden gemeinnütziger Arbeiten verurteilt. In 26 Fällen und in neun versuchten Fällen verursachten die beiden Angeklagten Schäden, die in die Tausende gehen. Objekte waren überwiegend gewerbliche Gebäude. Nach Auffassung des Gerichts wäre die Serie weitergegangen, hätte man die beiden nicht auf frischer Tat in Bad Waldsee ertappt.

Während des gesamten Prozesses und auch bei der Urteilsverkündung würdigten sich die beiden 24-jährigen Angeklagten keines Blickes. Waren sie während der Tatzeit noch ein Paar, so scheint die Beziehung mit der Aufdeckung der Taten zu Ende gegangen zu sein. Beide Verteidiger hatten auch bei ihren Plädoyers versucht, die Schuld für die Tatplanungen und -ausführungen nicht nur bei ihren eigenen Mandanten zu suchen.

Kriminelles Vorgehen

In seiner Urteilsbegründung attestierte der Vorsitzende Richter Jürgen Hutterer dem Angeklagten erhebliches kriminelles Vorgehen. Erschwerend bei der Urteilsbemessung war die Vergangenheit des Angeklagten. Er war schon 2008 und 2009 wegen Bandendiebstahl und Diebstahl in mehreren Fällen verurteilt worden. Mehrjährige Jugendstrafen hat er deswegen schon verbüßt. Zudem befand er sich während der Einbruchserie noch auf Bewährung. Hoch angerechnet wurde ihm sein umfassendes Geständnis.

Der Verteidiger des Angeklagten hatte das Gericht gebeten, die Strafe so zu bemessen, dass sie seinen Mandanten nicht aus dem Leben herausreißen würde. Von vornherein habe er durch Angaben mit dem Gericht kooperiert und zu einer kurzen Verfahrensdauer beigetragen. Er hatte eine Strafe von unter drei Jahren beantragt. Der Angeklagte wurde noch im Gerichtssaal vorläufig festgenommen.

Ausführlich beschäftigte sich Hutterer in seiner Urteilsbegründung mit der Rolle der Angeklagten. Die Kammer war überzeugt, dass sie ohne ihn diese Taten nie begangen hätte. Beide hätten über ihre Verhältnisse gelebt und das erbeutete Geld auch in Spielhallen getragen. Hutterer: „Wer begonnen hat, ist nicht mit letzter Sicherheit festzustellen.“

Die Vorgehensweise der beiden war immer dieselbe. Das Objekt wurde ausgespäht, sie fuhr das Auto und er verübte die Einbrüche. Das Urteil, zwei Jahre auf vier Jahre Bewährung und 120 Stunden gemeinnützige Arbeiten, verstand das Gericht als Warnung. Nur die besonderen Umstände, dass keinerlei Vorstrafen vorlägen, das Geständnis und die kurze Dauer der Einbruchserie hätten dazu geführt, dass die Angeklagte haarscharf an einer Gefängnisstrafe vorbeigeschrammt sei. „Verwechseln Sie nie wieder Mein mit Dein“, gab Hutterer der Angeklagten mit auf ihren Lebensweg. Die Angeklagte hatte in ihrem Schlusswort unter Tränen von einem Riesenfehler gesprochen und dass sie so etwas nie wieder tun werde.