StartseiteRegionalOberschwabenRavensburgGrüne wollen Biosphärengebiet Oberschwaben vor nächster Wahl umsetzen

Fraktionschef bestätigt

Grüne wollen Biosphärengebiet Oberschwaben vor nächster Wahl umsetzen

Ravensburg / Lesedauer: 3 min

Vor der nächsten Landtagswahl sollen die Entscheidungen fallen: Der Chef der Grünen im Landtag, Andreas Schwarz, will die Diskussion vor der Wahl im Frühjahr 2026 abschließen.
Veröffentlicht:13.09.2023, 12:00

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Baden–Württemberg soll ein drittes Biosphärengebiet bekommen und es soll sich im Schwerpunkt um die Oberschwäbischen Moore drehen. So steht’s im Koalitionsvertrag der grün–schwarzen Landesregierung. Die Hälfte der Legislaturperiode ist inzwischen vorbei. Wie viel weiter ist das Vorhaben über diese Absichtserklärung hinaus gekommen? Die Wangener grüne Landtagsabeordnete Petra Krebs und ihr Fraktionschef Andreas Schwarz haben bei einem Redaktionsbesuch bei der „Schwäbischen Zeitung“ unter anderem auf die Kritik aus Land– und Forstwirtschaft an den Plänen gesprochen.

Wo steht der Prozess aktuell?

„Wir sind inzwischen unglaublich weit“, sagt Petra Krebs. „Es laufen ständig Gespräche mit allen wichtigen Playern.“ Diese Erörterungstermine seien wichtig, weil niemand das Biosphärengebiet „von oben“ verordnen wolle, so Krebs. Stattdessen gibt es ein Prozessteam, dass sich um die Dialoge kümmert.

Die sogenannte Potenzialkulisse für ein mögliches Biosphärengebiet Allgäu-Oberschwaben umfasst rund 155 000 Hektar Fläche. Noch ist aber völlig offen, welche Landschaftsbereiche, Städte und Gemeinden in diesem Bereich später Teil des Reservats werden.
Die sogenannte Potenzialkulisse für ein mögliches Biosphärengebiet Allgäu-Oberschwaben umfasst rund 155 000 Hektar Fläche. Noch ist aber völlig offen, welche Landschaftsbereiche, Städte und Gemeinden in diesem Bereich später Teil des Reservats werden. (Foto: Alexis Albrecht)

„Schneller als fünf Jahre geht so ein Prozess nicht“, sagt Krebs und ergänzt: „Da kann ich die Ungeduld der Bürger verstehen.“ Es müsse aber auch klar sein: „Wir können keinem Landwirt die Zusage geben, dass sich nie etwas ändern wird.“ Niemand könne garantieren, dass Gesetzeslagen immer gleich bleiben.

Was sagt der Fraktionschef?

Wie bewertet man das Vorhaben inzwischen aus Stuttgarter Sicht?„ Die Koalition steht dahinter. Das kommt“, sagt Andreas Schwarz. Der Grünen–Fraktionschef kommt aus dem Biosphärengebiet „Schwäbische Alb“ und bezeichnet es als Win–Win–Situation.

Mein Anspruch ist es schon, dass wir in dieser Legislaturperiode die Diskussionen abschließen und das Biosphärengebiet verbindlich festsetzen.

Andreas Schwarz

Er möchte Sorgen nehmen: „Auch auf der Alb gibts nicht nur Schäfereien, sondern reguläre Landwirtschaft.“ Sogar Kommunen außerhalb des heutigen Gebiets würden gerne zu dem Reservat auf der Alb gehören.

Wie lange dauert es noch?

Wann sich letztlich die Gemeinderäte der Kommunen entscheiden müssen, ob sie Teil des Biosphärengebiets werden wollen, können Schwarz und Krebs nicht sagen. „Ich weiß, dass es Kommunen gibt, die es wollen, sich aber noch nicht ganz aus der Deckung trauen“, erzählt die Abgeordnete des Wahlkreises Wangen. „Mein Anspruch ist es schon, dass wir in dieser Legislaturperiode die Diskussionen abschließen und das Biosphärengebiet verbindlich festsetzen“, so der Wille des Fraktionsvorsitzenden.

Wie geht es weiter?

„Im Moment schaut man sich die Zuschnitte an“, so Petra Krebs. „Es geht darum, wo Kern–, Pflege– und Entwicklungszonen liegen.“ Die Pflegezonen werden wohl überwiegend da sein, wo schon jetzt bestimmte Schutzbestimmungen liegen, kündigt Krebs an. Hintergrund ist: Um als Biosphärengebiet nach dem Bundesnaturschutzgesetz anerkannt zu werden, muss das Reservat mindestens 30 000 Hektar groß sein und sich in drei Bereiche gliedern.

In der mindestens drei Prozent umfassenden Kernzone muss die Natur sich selbst überlassen werden. Diese wird von einer Pflegezone ummantelt, die mindestens zehn Prozent der Gesamtfläche umfassen muss. Sie gilt als Puffer zwischen strengem Naturschutz und der dritten Zone, die sich Entwicklungszone nennt. Hier ist die Bewirtschaftung möglich, es sollen dabei Strategien zur regionalen, nachhaltigen Entwicklung im Blick sein. Ziel des Landes ist, für ein drittes Gebiet ebenfalls wie für die zwei bestehenden eine Unesco–Zertifizierung zu bekommen.