Sprachkenntnis

Frauen unterstützen berufliche Entwicklung ihrer Zöglinge

Ravensburg / Lesedauer: 3 min

Mentorinnen-Programm für Migrantinnen startet in dritte Runde - Sieben „Tandems“ aus der Region sind mit dabei
Veröffentlicht:09.04.2019, 16:16
Aktualisiert:22.10.2019, 11:00

Von:
Artikel teilen:

Vor vier Jahren kam sie nach Deutschland. Ohne Sprachkenntnisse, denn eigentlich wollte die junge Frau aus Rumänien nur kurz ihren Freund besuchen. Heute ist sie mit ihm verheiratet, spricht sehr gut Deutsch und arbeitet als Erzieherin im Katholischen Kindergarten Josef Gabler in Weingarten. „Ohne Brigitte hätte ich das nie geschafft“, sagt Denisa-Elena Negru und meint damit ihre Mentorin Brigitte Ruske. Beide nehmen am Mentorinnen-Programm für Migrantinnen im Rahmen des Landesprogramms Kontaktstellen Frau und Beruf Baden-Württemberg teil.

Die Kontaktstellen beraten seit 25 Jahren Frauen mit Migrationsgeschichte und unterstützen sie dabei, sich in der Arbeitswelt zu orientieren, ihren beruflichen Weg zu planen, Aus- und Weiterbildung zu finden und eigene Netzwerke aufzubauen. Über die Kontaktstelle Frau und Beruf Ravensburg-Bodensee-Oberschwaben lernten sich Denisa-Elena Negru und Brigitte Ruske kennen und wurden ein Tandem – Negru als Mentee, Ruske als Mentorin.

„Beim Mentoring unterstützt die Mentorin die berufliche Entwicklung und Karriere ihrer Mentee“, erklärt Martina Schmidt , Leiterin der regionalen Kontaktstelle Frau und Beruf, das Konzept. „Kernstück ist die Eins-zu-eins-Beziehung zwischen der Mentorin und Mentee, dem so genannten Tandem.“ Im Jahr 2018 haben insgesamt 73 Tandems landesweit an dem Programm teilgenommen. Laut einer Evaluation hat die Hälfte der Mentees inzwischen einen Arbeitsplatz gefunden – Denisa-Elena Negru ist eine von ihnen.

„Denisa ist hochqualifiziert und sehr zielstrebig“, betont ihre Mentorin Brigitte Ruske. „In Rumänien hat sie einen Master in Psychologie gemacht, musste in Deutschland aber wieder von vorne anfangen: Deutsch lernen, ein Anerkennungspraktikum machen, Bewerbungen schreiben und mehr.“ Die Mentorin half ihrer Mentee dabei. Sie sprach mit ihr Deutsch, stellte den Kontakt zum Kindergarten her, las ihren Praktikumsbericht durch und gab ihr wertvolle Hinweise für ihre Bewerbung. Und auch jetzt engagiert sie sich noch dafür, dass der Masterabschluss von Denisa-Elena Negru in Deutschland anerkannt wird.

„Brigitte hatte so viel Zeit für mich und hat mir immer geholfen“, sagt Negru dankbar. „Auch vom Kindergarten habe ich viel Unterstützung bekommen.“ Kein Wunder also, dass sie dort sehr gerne arbeitet und bestens in den deutschen Arbeitsmarkt integriert ist.

Das Mentorinnen-Programm für Migrantinnen ist inzwischen in die dritte Runde gestartet. Am 30. März war die zentrale Auftaktveranstaltung mit der Wirtschafts- und Arbeitsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut in Stuttgart. Die Kontaktstelle Frau und Beruf Ravensburg-Bodensee-Oberschwaben ist auch dieses Mal wieder mit sieben betreuten Tandems dabei. „Wie schon bei den ersten beiden Durchgängen haben wir wieder die Höchstzahl an Tandems in ganz Baden-Württemberg“, freut sich Martina Schmidt. „Alle Mentees sind hochqualifiziert. In dieser Runde sind zum Beispiel eine Ingenieurin für Umweltschutz, eine Grundschullehrerin, eine Rechtsanwältin und eine promovierte Mikrobiologin dabei.“ Als Mentorin engagieren sich unter anderem Professor Simone Besemer von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, Monika Bercea vom BFZ in Ravensburg und Monica Bravo Granström von der Akademie für wissenschaftliche Weiterbildung der PH Weingarten. Alle Mentorinnen und Mentees zusammen werden am 9. Mai einen „Career Walk“ bei der KarriereMesse Ravensburg machen und dort lokale Arbeitgeber kennenlernen.

Und bei der nächsten Mentorinnen-Runde in einem Jahr wird auch Denisa-Elena Negru wieder dabei sein – dann aber als Mentorin.