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Erfolgsgeschichte

Erst Flüchtling, dann Geschäftsmann - und jetzt Deutscher

Ravensburg / Lesedauer: 4 min

Vor acht Jahren floh Ali Almohamed mit seiner Familie aus Syrien nach Ravensburg. Sein Ziel: Unabhängig werden. Jetzt ist er eingebürgert. Eine Erfolgsgeschichte.
Veröffentlicht:28.11.2023, 17:00

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Vielen Ravensburgern ist er vom Wochenmarkt oder seinem Imbiss Fliegender Teppich bekannt: Ali Almohamed. 2015 floh der heute 45-Jährige mit seiner Frau Halima und den vier gemeinsamen Kindern aus Syrien nach Deutschland. Die jüngste Tochter war da gerade einmal ein Jahr alt. Siebenmal musste die Familie nach ihrer Ankunft in Deutschland umziehen. In Ravensburg schließlich fanden die Almohameds 2016 ihre neue Heimat. Beispielhaft integriert sind die sechs schon längst. Seit vergangenem Freitag sind sie nun auch offiziell Deutsche. Vor allem aber sind sie eines: Ravensburger.

Ziel war von Beginn an unabhängig zu werden

„Für uns ist es der beste Tag“, freut sich Ali Almohamed nach seiner Einbürgerung im Ravensburger Landratsamt. Für diesen hat er seit seiner Ankunft vor acht Jahren viel getan. „Ich wollte unabhängig werden. Selber meine Miete zahlen und für meine Familie sorgen.“ Von Beginn an hat Almohamed dieses Ziel verfolgt. Bei einer Rolladenfirma hat er gejobbt, Bodenmosaike gelegt und sogar als Taekwando-Lehrer hat der ehemalige Kampfsportler gearbeitet.

Auch seine Frau Halima wollte arbeiten, und so entstand die Idee, es mit einem eigenen Imbiss zu versuchen. 2018 beantragte Almohamed eine Lizenz für den Ravensburger Wochenmarkt und startete mit einem Imbisswagen. Das Treiben auf dem Marienplatz am Samstag gefällt beiden. „Wir freuen uns, die Leute zu treffen, unser Essen anzubieten, auszuprobieren und zu tauschen“, sagt Almohamed.

Eigener Imbiss inmitten des Corona-Lockdows eröffnet

2020, inmitten der Unsicherheiten aus Corona-Lockdowns, Öffnungsversuchen und ständig wechselnden Auflagen, eröffnete er sein Restaurant Fliegender Teppich. In den Räumlichkeiten der ehemaligen Bäckerei Honold in der Ravensburger Eisenbahnstraße bieten seine Frau und er seither Spezialitäten aus ihrer alten Heimat Syrien an. Falafel (Kichererbsenbällchen), Ouzi (gefüllte Blätterteigtaschen) oder Shawarma (Wraps mit Hühnchenfleisch) gibt es dort unter anderem.

Seit drei Jahren bieten Ali Almohamed (45) und seine Frau Halima (31) in den ehemaligen Räumlichkeiten der Bäckerei Honold Spezialitäten aus ihrer früheren Heimat Syrien an.
Seit drei Jahren bieten Ali Almohamed (45) und seine Frau Halima (31) in den ehemaligen Räumlichkeiten der Bäckerei Honold Spezialitäten aus ihrer früheren Heimat Syrien an. (Foto: Niklas Martin )

„Anfangs haben wir sehr viel Unterstützung erfahren. Die Ravensburger haben uns gut zugesprochen und sind zu uns gekommen.“ Zwischenzeitlich ist der Fliegende Teppich eine feste Größe in der Ravensburger Gastroszene, besonders am Mittag. Und so wurde aus dem ehemaligen Elektromechaniker für digitale Werbetafeln, der Almohamed in Syrien war, ein gefragter Gastronom.

Auch bei der Stadt Ravensburg ist man erfreut über die Almohameds

Auch bei der Stadt Ravensburg wurde Almohameds Engagement früh wahrgenommen. „Integration bedeutet Mitwirken an der Gesellschaft“, sagt Stefan Goller-Martin, Leiter des Amtes für Bildung, Soziales und Sport in Ravensburg. „Ali Almohamed hat diesen Rat von Beginn an beherzigt und aktiv gelebt.“

Flüchtling, Unternehmer und Feuerwehrmann

Kurz nach seiner Ankunft in Ravensburg meldete sich der vierfache Familienvater bei der freiwilligen Feuerwehr. Zunächst in Weißennau, dort waren er und seine Familie zu Beginn untergebracht. Mittlerweile ist Almohamed aktives Feuerwehrmitglied in der Abteilung Stadt. „Bei uns ist Ali Almohamed ein fester Bestandteil, ein wertgeschätzter Kollege und eine echte Bereicherung“, sagt Kai Willach, Kommandant der Ravensburger Feuerwehr.

Hintergrund

Einbürgerungen in Ravensburg

In diesem Jahr sind bereits 345 Personen in Ravensburg eingebürgert worden. Die meisten davon (207) aus Syrien. Im Schnitt der vergangenen zehn Jahre wurden jährlich 313 Personen eingebürgert. Für eine erfolgreiche Einbürgerung muss man laut dem Landratsamt Ravensburg folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • geklärte Identität und Staatsangehörigkeit
  • 8 Jahre rechtmäßiger und gewöhnlicher Aufenthalt
  • Bekenntnis zu freiheitlich demokratischen Grundordnung
  • gesichertes Bleiberecht
  • Unterhaltsfähigkeit
  • Straffreiheit
  • ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache
  • Kenntnisse der Rechts- und Gesellschaftsordnung und der Lebensverhältnisse in Deutschland

Besonders hervorheben möchte er Almohameds Kameradschaft. „Am liebsten würde er die ganze Feuerwehrmannschaft jedes Mal zu sich in den Fliegenden Teppich einladen. Wir müssen im Vorfeld deshalb regelmäßig vereinbaren, dass auch gezahlt wird“, so Willach.

Als Feuerwehrmann möchte Almohamed den Ravensburgern etwas zurückgeben

Gut erinnern könne er sich daran, wie Almohamed Nachhilfestunden genommen hat, um Feuerwehrfachbegriffe zu lernen, damit er möglichst schnell bei Einsätzen dabei sein konnte. Zwischenzeitlich ist er fast täglich mit den Kollegen der Feuerwehrzentrale im Einsatz. Dass er auf diese Weise den Ravensburgern etwas zurückgeben kann, macht den 45-Jährigen stolz und er verspricht: „Um drei oder fünf Uhr nachts, ganz egal, wir sind bereit, immer!“