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Fachverlag will von Ravensburg in die ganze Welt expandieren

Ravensburg / Lesedauer: 4 min

In Ravensburg hat sich ein Fachverlag angesiedelt, der bei deutschen Börsianern sehr bekannt ist. Nun will der CEO auch die englisch- und spanischsprachige Welt erobern.
Veröffentlicht:11.12.2023, 09:00

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Wer sein Geld an der Börse investiert oder sogar täglich dort handelt, muss sehr viel lesen. Grund: Gute oder schlechte Nachrichten beeinflussen die Aktienkurse wesentlich – Quartalsberichte der Konzerne oder neue Erfindungen und Trends, die ganze Branchen umkrempeln, ebenso wie weltpolitische Ereignisse oder die Zinspolitik der Zentralbanken.

„Aber kein berufstätiger Mensch kann alle Nachrichten aufnehmen, deswegen filtern wir sie in unseren Publikationen“ erklärt Simon Betschinger. Der 43-Jährige ist CEO der Traderfox GmbH, einem 2008 in Reutlingen gegründeten Fachverlag und Softwarehaus. Vor zwei Jahren hat der Weingartener einen zweiten Firmensitz im Verlagshaus von Schwäbisch Media an der Ravensburger Karlstraße eröffnet – und expandiert nun in die ganze Welt.

KI übersetzt Tageszeitung

Oder zumindest in die englisch- und spanischsprachige Welt. Künstliche Intelligenz (KI) macht’s möglich, dass die seit Mai wochentäglich erscheinende „Trader Zeitung“ für Anleger in diese Sprachen übersetzt wird. „Die automatischen Übersetzungen sind so gut, dass unsere beiden Übersetzerinnen nur noch drüberschauen müssen, um Fehler zu korrigieren“, freut sich Betschinger.

Das bleibt wahrscheinlich notwendig, denn die KI ist übereifrig und übersetzt dann schon mal die „Bayer“-Aktie in „Bavario“. Und auch die Überschriften enthalten manchmal noch kleine Fehler, weil sie ja nicht aus ganzen Sätzen bestehen, sondern verkürzt sind.

In der Fachzeitung werden von Montag bis Freitag interessante Aktien vorgestellt, die das Potenzial haben, hohe Gewinne abzuwerfen oder sich doch zumindest positiv zu entwickeln. Das analysieren die Experten von Traderfox anhand bestimmter Werte. Neben Unternehmensdaten ist auch die sogenannte Charttechnik von Bedeutung: Gewisse Merkmale oder Werte sprechen mit hoher Wahrscheinlichkeit eher für steigende oder sinkende Kurse.

Diese Eigenschaften werden softwaregestützt überwacht dank dem wichtigsten Produkt von Traderfox, dem „Tradingdesk“. In Echtzeit können Anleger mit dieser Software die Kurse von mehreren tausend Aktiengesellschaften weltweit verfolgen - in der Basisversion für registrierte Nutzer sogar kostenfrei. Weitere Funktionen für tiefgehendere Analysen müssen jedoch abonniert werden. Neben der Software und der Zeitung erscheinen bei Traderfox außerdem sechs Fachmagazine, die sich mit unterschiedlichen Geldanlagen an der Börse beschäftigen.

Das schönste Hobby der Welt

„Börse ist das schönste Hobby der Welt, nur weiß das kaum jemand“, sagt CEO Betschinger. Ein Hobby, dass der Betriebswirt nach seinem Studium in Konstanz zum Beruf gemacht hat. „Wir sind ein typisch schwäbisches Unternehmen und wachsen langsam.“ Nach 15 Jahren beschäftigt Traderfox mittlerweile etwa 40 Festangestellte und 25 freie Redakteure. In Ravensburg wird neben der Übersetzung hauptsächlich das Layout gemacht, die Redaktion arbeitet aus dem Homeoffice. „Wir haben großes Glück mit unserer Standortleiterin Jessica Igel“, sagt Betschinger. „Sie hat einfach ein Auge für schöne Präsentation.“

Da man an der Börse viel Geld gewinnen, aber eben auch verlieren kann, bietet Traderfox seit kurzem auch Webinare an, um Interessierte fortzubilden - und neue Kunden beziehungsweise Abonnenten für die Publikationen und die eigene Software zu gewinnen. Auch im Seminarprogramm gibt es kostenlose Schnupper-Inhalte - sehr spezielle Fachvorträge hingegen kosten Geld.

Wovon sich der Weingartener aber auf jeden Fall unterscheiden möchte, sind selbsternannte Börsengurus, die ihren Kunden für Coachingangebote mehrere tausend Euro, manchmal sogar fünfstellige Summen, abknöpfen und astronomisch hohe Renditen versprechen, wenn man ihre jeweilige Trading-Strategie erlernt und selbst anwendet. „Da kann man nur sagen: Besser Finger weg“, sagt der Betriebswirt.

Begeistert vom neuen Standort in Ravensburg

Nachdem er vor neun Jahren mit seiner Frau, die aus Wolpertswende stammt, nach Weingarten gezogen ist, sei es für ihn naheliegend gewesen, sich im Ravensburger Medienhaus anzusiedeln, nachdem die Räumlichkeiten in Reutlingen 2021 zu klein geworden waren. „Die Lage und das Gebäude sind einfach toll. Wir hoffen, dass wir hier noch weitere Mitarbeiter gewinnen können.“

Die Faszination für den Aktienhandel will der charismatische Unternehmer an andere weitergeben. Seine zwölfjährige Tochter bekommt zum Einstieg Anteile eines ETF auf den S&P500, der die 500 größten börsennotierten Unternehmen der USA abbildet, und drei Einzelaktien, die sie sich selber aussuchen darf. „Starbucks findet sie zum Beispiel toll“, sagt Betschinger, der sich selbst mittlerweile auch nicht mehr ärgert, wenn er dort - oder bei McDonald’s - in der Schlange steht. Schließlich gehört ihm über Aktien ein kleiner Teil der Unternehmen, sodass ihn der große Andrang freut.