StartseiteRegionalOberschwabenRavensburgEvent–Locations sind in Ravensburg wieder gefragt

Wandel bei der Gatro

Event–Locations sind in Ravensburg wieder gefragt

Ravensburg / Lesedauer: 5 min

Wer Hochzeit oder Geburtstag feiern will, kann in Ravensburg künftig mit zwei neuen Anbietern zusammenarbeiten. Aber auch in der Altstadt–Gastronomie tut sich was.
Veröffentlicht:18.08.2023, 19:00

Von:
Artikel teilen:

Während der Corona–Pandemie lag die Gastronomie und das Event–Geschäft brach — doch jetzt ist die Lust zu feiern offenbar wieder zurückgekehrt. Eine neue Location für große Gesellschaften eröffnet im September hinter dem Ravensburger Bahnhof. Mit dem „Haus am See“ am Flappach–Weiher wechselt eine weiterer Saal für große Feiern den Pächter. Aber auch in der Innenstadt–Gastronomie gibt es Neuerungen.

Ott gibt nach fast 10 Jahren das Haus am See ab

Christian Ott gibt das „Haus am See“ beim Flappachbad ab. 2014 hatte er es übernommen und dort Hochzeiten, Geburtstagpartys oder Firmenfeiern ausgerichtet. Vor vier Jahren pachtete der Koch und gebürtige Berger dann zudem das Restaurant in der Veitsburg, mittlerweile Atelier Tian genannt. Weil ihm der Betrieb beider Lokalitäten zu viel wurde, wollte Ott das Haus am See schon im April 2020 an einen Nachfolger abgeben. Doch der ist kurzfristig wegen der Corona–Pandemie abgesprungen.

Da sein Pachtvertrag fürs Haus am See bis Ende 2025 laufe, habe er die letzten drei Jahre weiter nach einem Nachfolger gesucht, sagt Ott auf Nachfrage der „Schwäbischen Zeitung“. Weil ihm das Personal fehlte, hat er die Location 2022 und 2023 nur noch vermietet — ohne Catering.

Drei Macher übernehmen die Location am Flappach

Nun ist er froh, dass er mit dem Ravensburger Unternehmen „Frisch auf den Tisch“ neue Pächter gefunden hat. Drei Männer haben die Firma 2020 für die Vermarktung regionaler Bio–Produkte gegründet: Koch Jörg Holzschuh, Technologieexperte Patrick Groner und der Vertriebler Johannes Schieren.

Sie haben am bisherigen Standort in der Zwergerstraße einen Lieferservice für Lebensmittel für Privat– und Firmenkunden aufgebaut und später auch noch ein Catering–Angebot entwickelt. Sie versorgen zum Beispiel die VR Bank Ravensburg–Weingarten mit Mittagessen für bis zu 50 Leute und kochen auf Bestellung am Wochenende schon für sieben bis acht Feiern.

Lieferdienst–Kunden gehen an Kooperationspartner über

Mit der Übernahme des „Haus am See“ ändern sie ihr Geschäftskonzept. Den eigens aufgebauten Onlineshop samt Lieferservice führt künftig die Firma Pfluger, die Demeter–Landwirtschaft auf dem Hofgut Moosisgreut in Bodnegg–Rotheidlen betreibt. Die hatte ohnehin schon eine enge Kooperation mit „Frisch auf den Tisch“ und einen eigenen Onlineshop. Der wächst jetzt aber.

Das inzwischen 15–köpfige Team von „Frisch auf den Tisch“ verlässt den Standort in der Zwergerstraße. Schwerpunkt liegt künftig bei Catering–Aufträgen und den Events im „Haus am See“.

Weitere Investition in früheres Kühlhaus hinter dem Bahnhof

Eine weitere Location für große Feiern kommt in Ravensburg hinzu: „Speicher 9“ heißt das Projekt von Ulf Braig und seiner Partnerin Cindy Süßmilch in der Escher–Wyss–Straße 9 hinter dem Bahnhof. Das Paar aus Markdorf betreibt im selben Gebäude schon das Burgerrestaurant „Gleis 9“ und die Musikkneipe Friedas Kneipenclub. Außerdem bauen sie jetzt auch noch im Untergeschoss, wo sich einst die Disco Hugos befand, einen neuen Club ein. Denn das Nachtleben in Ravensburg müsse dringend wieder vielfältiger werden, findet Braig. Wenn alles fertig ist, hätten sie zusammen mit den Eigentümern zwei Millionen Euro investiert, so Braig.

Das Gebäude war einst das größte Obstkühlhaus in der ganzen Bundesrepublik, wie 1952 die „Schwäbische Zeitung“ berichtete.

Außerhalb der Hochzeitssaison auch Partys geplant

Der Saal mit dem Namen „Speicher 9“ hatte schon mehrere Funktionen. Zuletzt war er ein Lager. Nach dem Umbau ist er jetzt lichtdurchflutet. 80 bis 120 Personen finden dort Platz. Die Ausstattung mit dunklen Holzverkleidungen, 400 geflochtenen Korbleuchten an der Decke und dunkelgrünem Dekor habe bei ersten Betrachtern Assoziationen an tropisches Flair geweckt, berichten die beiden.

Wer dort feiert, bezieht die Getränke von Braig und Süßmilch, das Essen aber muss von einem Caterer kommen. Die Küche im „Gleis 9“ sei nicht für die Bewirtung so vieler Gäste ausgelegt. Wenn der Saal außerhalb der Hochzeitssaison nicht so häufig gebucht ist, wollen die beiden unter anderem Gastspiele von Comedians und Partys organisieren. Die erste findet am 2. September ab 21 Uhr für Publikum über 40 Jahre statt.

Café Glücklich in der Altstadt ist verschwunden

Die Altstadt hat indes einen Gastro–Verlust zu verkraften: Das Café Glücklich in der Grüner–Turm–Straße 25 ist Knall auf Fall verschwunden. Die Räume sind schon leer. Das Café Glücklich lief einst prächtig und hatte es zu einer Erwähnung im Reiseführer „Lonely Planet Deutschland“ gebracht.

Dem Vernehmen nach war der letzte Betreiber aber in finanzielle Schieflage geraten und war schließlich gezwungen, das Lokal zu räumen. Für die „Schwäbische Zeitung“ ist er nicht mehr zu erreichen. Aktuell werden nach Information der „Schwäbischen Zeitung“ schon Nachmieter gesucht.

Am Spielplatz gibt es bald wieder Kaffee

Neuigkeiten gibt es aus der Herrenstraße: Dort übernimmt Kamala Mauerer das Café im Mehrgenerationenhaus direkt am Spielplatz. Verpachtet wird es von der Stiftung Liebenau. Unter dem Namen „Café Kamala“ will sie nicht nur Essen und Trinken verkaufen, sondern auch Menschen zusammenbringen, und kleinere Veranstaltungen wie Lesungen oder Vorträge organisieren. Mauerer beschreibt ihr Konzept selbst als Sozial–Kultur–Café. Los geht’s voraussichtlich im Oktober.

Der Stiftung Liebenau ist nach eigenen Angaben daran gelegen, dass das Café wieder ein lebendiger Treffpunkt für die im Quartier wohnenden Menschen wird. Schließlich sei es so gedacht, dass das Mehrgenerationenhaus mit dem Café einen Quartierstreff beinhaltet. 

„Was wir bisher gehört haben, stimmt uns positiv“, 

teilt die Stiftung zu Mauerers Konzept mit.

Kleinere Umbauarbeiten im Colours dauern an

Mit neuem Leben wird auch das „Colours“ in der Bachstraße gefüllt. Nachdem der bisherige Betreiber Insolvenz angemeldet hat, übernimmt Amir Pucurica, der schon den Bärengarten betreibt, die zentrale Location zusätzlich. Doch die kleineren Umbauarbeiten, von denen Pucurica schon vor einigen Wochen sprach, haben sich hingezogen, sodass erst in den nächsten Wochen mit der Wiedereröffnung zu rechnen ist.