Impffolge

Covid-Impfung als Todesursache? Dieser Pathologe findet es heraus

Ravensburg / Lesedauer: 6 min

Der Heidelberger Pathologe Peter Schirmacher leitet ein Projekt zu Menschen, die unerwartet nach einer Covid-Impfung gestorben sind
Veröffentlicht:22.12.2022, 05:00
Aktualisiert:22.12.2022, 09:27

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Der Heidelberger Pathologe Peter Schirmacher forscht seit Beginn der Covid-Impfkampagne intensiv zu unentdeckten und auch tödlichen Impffolgen. In einer einzigartigen Studie hat der Wissenschaftler Menschen obduziert, die im Zeitraum von bis zu 20 Tagen nach einer Impfung unerwartet verstorben waren.

In seiner Studie hat Schirmacher nun fünf Fälle publiziert, bei denen die Impfung ursächlich für den Tod war, das entspricht 20 Prozent der untersuchten Todesfälle.

Schon im Sommer 2021 hatte er davor gewarnt, dass es womöglich eine hohe Dunkelziffer an Impfschäden und Impftoten geben könnte. In diesem Punkt widersprachen ihm jedoch mehrere andere Wissenschaftler sowie die Ständige Impfkommission (Stiko) und auch das Paul-Ehrlich-Institut.

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Schirmacher forderte damals mehr Forschung und insbesondere mehr Obduktionen, die das Land Baden-Württemberg dann auch finanzierte.

Schirmacher – seit 18 Jahren Geschäftsführender Direktor des Pathologischen Instituts des Uniklinikums Heidelberg und bis 2019 Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pathologie – hat der „ Schwäbischen Zeitung “ zu diesem Autopsie-Projekt einige Fragen schriftlich beantwortet.

Herr Schirmacher, Sie forschen schon seit vielen Monaten zu möglichen Folgen der Covid-Schutzimpfung. Ende November haben Sie dazu im Magazin „Clinical Research in Cardiology“ eine Studie veröffentlicht. Zusammengefasst: Was sind die wichtigsten Ergebnisse ihrer Forschung?

Wir können belegen, dass Herzmuskelentzündungen mit Todesfolge nach Impfung auftreten können und dass diese Entzündungen ein typisches, einheitliches histologisches und immunologisches Bild zeigen, was bei ihrer Diagnose, auch beim lebenden Patienten und in der Behandlung hilft und eine Basis für weitere Forschung ist. Unsere Aussagen werden durch weitere nationale und internationale Publikationen gestützt.

In wie vielen Fällen kam es vor, dass die Covid-Schutzimpfung ursächlich für den Tod eines Menschen war?

Wir haben in unserer Studie fünf Fälle publiziert – im Rahmen unseres Netzwerkes haben wir weitere Fälle, zum Beispiel auch letale Hirnvenenthrombosen nach Vektorimpfstoffen, nachgewiesen.

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In den vergangenen zwei Jahren wurde der Bevölkerung stets vermittelt, dass mRNA-Impfstoffe – wie der von BionTech beispielsweise – in der Regel milde Nebenwirkungen haben. Ist diese These nach ihren Erkenntnissen noch vertretbar?

Zunächst wäre zu klären, was man unter mild versteht: ist ein Krankenhausaufenthalt mit Genesung mild? Sicherlich verlaufen die ganz überwiegende Zahl der Herzmuskelentzündungen und anderer unerwünschter Wirkungen glimpflich, aber eben nicht alle und es gibt zahlreiche Publikationen (über 50) über schwere bis lebensbedrohliche Verläufe der Herzmuskelentzündung, das heißt, unsere Untersuchungsergebnisse stehen auch in einen gesicherten Zusammenhang.

In den vergangenen zwei Jahren lief eine große Impfschutz-Kampagne – auch mit der Begründung, dass schon Jahrzehnte an sicheren mRNA-Impfstoffen geforscht wurde. Ist ihrer Meinung nach in Deutschland auch genug im Blick auf mögliche Nebenwirkungen der mRNA-Impfungen geforscht worden?

Sicher nicht. Es bestehen wichtige offene Fragen, die durch breite Erfassung aller unerwünschten Wirkungen oder weiterführende Forschung im Sinne der Impfverbesserung, der Impfindikation und des Bevölkerungsschutzes geklärt werden sollten. Beispielsweise: gibt es genetische Faktoren oder bestimmte Vorerkrankungen – zum Beispiel Autoimmunerkrankungen – die für schwere Impffolgen prädisponieren?

Impffolgen sind Impfstoff-abhängig – aber welche Merkmale und Bestandteile der Vakzine sind dafür verantwortlich? Spielen bestimmte Applikationsarten eine Rolle?

Es gibt zum Beispiel Überlegungen, dass unbeabsichtigte Gefäßinjektion für schwere Impfnebenwirkungen wie eine Herzmuskelentzündung eine Rolle spielen könnten. Untersuchungen wie unsere sind ein Anfang. Weitere Untersuchungen sind notwendig, um Impfungen und Impfindikationen, auch über SARS-CoV-2 hinaus, zu verbessern und die Bevölkerung möglichst gut zu schützen. Man sollte auch nicht vergessen, dass schwere Impfschäden nach dem Infektionsschutzgesetz auf Antrag entschädigungsfähig sind.

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Wie schwierig war es für Sie als Pathologe, diese Studie durchzuführen? Wie haben Sie es geschafft, die nach einer Impfung verstorbenen Personen zu untersuchen?

Wir haben uns bei Beginn der SARS-CoV-2 Pandemie bezüglich der Einrichtung und Finanzierung eines Autopsienetzwerkes einschließlich Register, Biobank und Forschungsförderung an allen Uniklinika an das Land gewandt. Man hat ausgehend vom Wissenschaftsministerium bis zum Kabinett und über die Parteien hinweg die Notwendigkeit und Bedeutung erkannt und uns seit 2020 gefördert und dann in der Fortsetzungsförderung auch neue Gesichtspunkte, wie Durchbruchsinfektionen nach Impfung, Impf-assoziierte Fälle und auch Spätfolgen beziehungsweise deren Rückbildung mit aufgenommen.

Unser Projekt ist ein international führendes Leuchtturmprojekt, für das man dem Land außerordentlich dankbar sein muss. Aus dem Netzwerk haben wir umfangreich und führend sowohl zu Covid als auch zu Impffolgen veröffentlicht.

Es ist uns bewusst, dass wir von Anfang an in einem hochemotional belegten, politisierten Kontext forschen, aber gerade deshalb sehen wir unsere Aufgabe darin, Fakten zu erarbeiten und zu präsentieren, Grundlagen für eine bessere Diagnose und Behandlung der Betroffenen und die Basis für weitere Forschung zu schaffen.

Das ist in diesem Umfeld nicht immer einfach und sicher besteht immer auch die Möglichkeit, unsere Ergebnisse zu missdeuten oder zu missbrauchen, aber wir sehen im Interesse des Erkenntnisgewinns, der Betroffenen und auch der Bevölkerung keine Alternative. Deshalb Ergebnisse zurückzuhalten ist sicher nicht der richtige Weg und deshalb müssen wir und alle Beteiligten da durch.

Die Stiko empfiehlt gerade Menschen über 60 eine vierte Booster-Impfung. Mit Blick auf den bevorstehenden dritten Winter mit dem Corona-Virus und Ihren Studienergebnissen: Wem würden Sie eine Auffrischimpfung empfehlen?

Die derzeitigen Daten zeigen klar, dass nicht Corona, sondern die vielen anderen infektiösen Atemwegserkrankungen, die durch die Coronamaßnahmen der letzten drei Jahre mit ausgebremst wurden, jetzt unser Problem sind. Hier werden wir derzeit bei Kindern und Erwachsenen durch den zu erwartenden „Nachholeffekt“ überrollt. Eine Impfempfehlung gebe ich nicht, das ist weder meine Aufgabe noch Kompetenz hier parallel zur Stiko etwas zu empfehlen.

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War die Impfkampagne aus Ihrer Sicht sinnvoll?

Das ist eine wichtige Frage, die weit über die Medizin hinausgreift und zu der Wissenschaftler aus vielen Bereichen beitragen sollten. Impfungen sind völlig unabhängig von Corona betrachtet ohne jede Frage eine der großen medizinischen Errungenschaften und unser Ziel muss es sein, möglichst optimale Impfungen für die entsprechend geeigneten Bevölkerungsgruppen bereitzustellen.

Wir können zu dieser Diskussion mit unseren Ergebnissen beitragen. Eine umfassende Bewertung sollte interdisziplinär erarbeitet werden und liegt jenseits meiner Kompetenz.

Sie haben schon im vergangenen Jahr darauf aufmerksam gemacht, dass es vereinzelt nach manchen Impfungen zu schweren Herzmuskelentzündungen als mögliche Folge kommen kann. Trotzdem wurde kaum über Ihre Erkenntnisse berichtet. Haben Sie in dieser Zeit das Gefühl gehabt, Sie würden als Wissenschaftler nicht ernst genug genommen?

Es ist richtig, dass wir bereits im letzten Jahr darauf hingewiesen haben, um keine Zeit zu verpassen. Die Informationen wurden schon auch wahrgenommen und viele Kolleginnen und Kollegen haben reagiert, so dass weitere Fälle registriert wurden.

Wir haben in der Zwischenzeit daran gearbeitet, unsere damals noch vorläufigen Ergebnisse in jeder Hinsicht wissenschaftlich abzusichern und zu publizieren. So arbeiten wir jetzt auch intensiv daran, die Coronainfektion und ihren Verlauf auch in Abhängigkeit von den Virusvarianten über die drei Jahre zu vergleichen. Es ist nicht so wichtig, wie man sich dabei fühlt, es ist wichtig, die richtigen Fragen zu stellen und zu untersuchen und ich bin überzeugt, dass sich das durchsetzt.