Triathlonjahr

Ein Triathlonjahr voller Höhen und Tiefen

Ravensburg / Lesedauer: 4 min

Auch von mehreren schweren Verletzungen lässt sich Reischmann nicht unterkriegen
Veröffentlicht:13.01.2023, 18:24

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Hinter der Profitriathletin Anne Reischmann liegt ein bewegtes Sportjahr 2022. Die 30-Jährige aus Ravensburg musste unter anderem wegen eines gebrochenen Ellenbogens länger pausieren. Doch gegen Ende des Jahres zeigte Reischmann, was in ihr steckt – unter anderem mit einem starken Resultat in Mexiko.

Nach ihrem starken Rennen und dem zehnten Platz bei der Ironman-70.3-Weltmeisterschaft 2021 im US-Bundesstaat Utah bewies die Profisportlerin aus Ravensburger auch im vergangenen Jahr, dass sie zu den weltbesten Triathletinnen gehört. Für Triathlonprofis gibt es drei Hauptorganisationen, die Wettkämpfe ausrichten: Ironman , Challenge und PTOundefined(Professional Triathletes Organisation).undefinedReischmanns Fokus lag in der Vergangenheit vor allem auf der Mitteldistanz. Bei der Organisation Ironman wird diese Distanz 70.3 IM genannt, weil die Distanz 70,3 Meilen beträgt – darunter sind 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und 21 Kilometer Laufen. Doch auch auf die Langdistanz mit 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und 42 Kilometern Laufen wagte sich die Ravensburgerin zuletzt mit Erfolg.

Seit drei Jahren startet Reischmann – studierte Gymnasiallehrerin – im Profilager und kämpft sich seither immer weiter an die Weltspitze. Auf ihrem Plan für 2022 stand neben der WM eigentlich ihr erstes Rennen der PTO-Serie, für das sie sich qualifiziert hatte. Dort stehen die weltbesten Triathletinnen am Start. Doch es kam anders.

Nach einem intensiven Trainingslager und Platz fünf beim Ironman-70.3 im Frühjahr auf Mallorca wurde Reischmann im französischen Aix en Provence ebenfalls über die Mitteldistanz Dritte. An der Mittelmeerküste hatte die Ravensburgerin 2019 ihr Profidebüt gefeiert – der Start drei Jahre später war allerdings nicht wie erhofft: „Leider bin ich sehr schlecht geschwommen und war als eine der Favoritinnen nach der ersten Disziplin schon knapp vier Minuten hinter der Spitze“, teilte Reischmann in ihrem Blog mit. Trotz einer guten Leistung auf dem Rad lag die Ravensburgerin „in der zweiten Wechselzone immer noch erheblich zurück“. Die Taktik auf der 21 Kilometer langen Laufstrecke war daher klar: „Schnell laufen!“ Das schaffte Reischmann. Mehr noch: 1:21 Stunden waren für sie eine Halbmarathonbestzeit – der Lohn war Platz drei. „Es beflügelt natürlich, wenn man weiß, dass man aufholt“, meinte Reischmann.

Ein Sturz mit Folgen

So erfolgreich sollte es für die Ravensburgerin auch bei der Europameisterschaft im dänischen Elsinore weitergehen. Dort spekulierte sie auf einen Podestplatz. Doch nach einer guten Schwimmleistung übersah die 30-Jährige auf dem Rennrad eine Pfütze, rutschte mit dem Hinterrad weg und stürzte. Mit gebrochenem Ellenbogen und unter großen Schmerzen beendete sie das Radfahren noch, schied dann aber verletzungsbedingt aus. Der Traum vom PTO-Debüt im kanadischen Edmonton war geplatzt.

Reischmann ließ sich laut Mitteilung aber nicht unterkriegen, doch sie hatte weiter Pech. Nur fünf Wochen nach ihrem Sturz bei der EM stürzte Reischmann auch beim Ravensburger Triathlon – eine Woche später passierte ihr das Gleiche noch einmal beim Trainingslager in Frankreich. Dieses Mal brach sich Reischmann den Mittelhandknochen. Wieder musste sie eine unfreiwillige Pause einlegen, wieder ließ sie sich aber nicht entmutigen. Reischmann blieb positiv, blieb beharrlich und kämpfte sich aus ihrem Tief heraus. Auch wenn es anfangs schwer war. „Kein Ironman-70.3 Les Sables d’Olonne, bei dem ich Startnummer eins gehabt hätte, und höchstwahrscheinlich keine PTO-Tour. Ihr könnt euch wahrscheinlich vorstellen, wie es mir ging“, schrieb Reischmann in ihrem Blog.

Im September startete sie schließlich beim Ironman-70.3 im polnischen Poznan. „Ein wenig aus Trotz“, sagte sie über die Gründe für die Anmeldung. Aus Trotz wurde Erfolg – Reischmann landete in Polen auf Rang zwei. Passend zum Jahr 2022 aus Sicht von Reischmann folgte auf das kurze Hoch aber wieder ein Tief. Beim Mitteldistanzrennen in Dresden sorgte ein platter Hinterreifen für ein unfreiwillig frühes Ende. Dazu kam wenig später auch noch eine Corona-Infektion.

Das Ende der Pechsträhne

Damit war die Pechsträhne allerdings beendet. Mit Platz zwei bei der Challenge Paguera auf Mallorca und abermals Platz zehn bei der WM in St. George („Dieses Jahr war die WM nicht das i-Tüpfelchen, sondern das Rennen.“) inklusive Bestzeit im Halbmarathon zeigte sich Reischmann wieder in starker Form. Schließlich gab es noch eine letzte große Herausforderung im Jahr 2022: Reischmanns Debüt bei einem Ironman, also einem Langstreckenrennen. Im mexikanischen Cozumel wurde die Ravensburgerin Profitriathletin in 8:56 Minuten starke Vierte – und bewies auch sich selbst zum Jahresende, dass sie trotz aller Rückschläge und Verletzungen zur Weltspitze gehört.