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Der Weg an die Spitze im Leistungssport ist beschwerlich

Ravensburg / Lesedauer: 3 min

Beim Ravensburger Forum 65 ging es um das Thema Spitzensport und Sportförderung in der Region. Auf dem Podium saß unter anderem die Judo–Weltmeisterin.
Veröffentlicht:06.07.2023, 17:00

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Anna–Maria Wagner hat im Judo den Weg an die Weltspitze geschafft. Dass es aus Sicht der Judoka des KJC Ravensburg in der deutschen Nachwuchsförderung aber Probleme gibt, machte Wagner beim Forum 65 der Unternehmerin Anne Schmieder deutlich. Neben Wagner gaben auch Barbara Felder vom 1. SC Ravensburg, Tanja Vidakovic vom TV Weingarten und Franz Steinle, Präsident des Deutschen Skiverbands, Einblicke in die Sportförderung in ihren jeweiligen Sportarten.

Junge Talente müssen in die eigene Tasche greifen

Einhelliger Tenor auf dem Podium war: Die Sportförderung in Deutschland ist ausbaufähig. Wagner wurde ehrlich: „Ich weiß nicht, ob ich derzeit guten Gewissens Werbung für Leistungssport in Randsportarten machen könnte“, sagte die Weltklasse–Judoka. „Denn junge Kaderathleten müssen teilweise selber für Lehrgänge bezahlen.“ Das bestätigte auch Felder, die in der Jugendleitung des Ravensburger Schwimmclubs ist. Es gebe beim 1. SCR zwar Sponsoren und auch Unterstützung des Vereins für Kaderathleten. „Für ein Trainingslager, das wir nicht in Ravensburg machen können, müssen sie trotzdem jeweils 600 Euro selber bezahlen.“ Das sei eine traurige Entwicklung.

Vidakovic berichtete den rund 25 Teilnehmern des Forum 65 von Spitzenathleten bei ihr in der TVW–Trampolinabteilung, die trotz großer Erfolge bei deutschen Meisterschaften oder sogar Weltmeisterschaften ihre Karrieren frühzeitig beenden mussten. „Inzwischen kaufen sich Vereine für die Bundesliga ausländische Turner, das können wir als kleiner Verein nicht“, sagte die Trainerin, die mit dem TVW bislang schon dreimal deutscher Meister wurde. „In Weingarten sind uns da klare Grenzen gesetzt.“

Das Thema Hallenkapazität trifft fast alle

Rolf Engler, Ehrenpräsident des Sportverbands Ravensburg, nahm auch Städte und Kommunen in die Pflicht. „Sie müssen sich Spitzensport leisten wollen“, meinte Engler beim Abend zum Thema „Spitzensport in unserer Region — angemessene Förderung, Anerkennung und Wertschätzung“. Für Ravensburg sei laut Engler eine neue dreiteilige Sporthalle mit Tribünen elementar für die weitere Entwicklung. Auch bei den Aussagen von Felder und Vidakovic ging es immer wieder um fehlende Hallen– und Trainingskapazitäten. „Wenn das Hallenbad saniert wird, fehlt uns ein Jahr lang eine Trainingsmöglichkeit“, gab Felder zu bedenken.

Ohne ehrenamtliche Trainer und ohne engagierte Eltern, die bereit sind, die sportlichen Karrieren ihrer Kinder finanziell zu unterstützen, geht es nicht. „Jede Medaille, auch bei Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften, fängt irgendwann mal in einem kleinen Verein an“, sagte Wagner. „Ich bin an der Spitze, ich kann davon leben. Aber für viele im Nachwuchs kommt irgendwann der Scheideweg: Investiere ich alles oder setze ich auf etwas anderes“, meinte die Weltmeisterin von 2021. Mit vielen Gesprächen über das laut Schmieder „unheimlich spannende Thema“ ging der Abend beim Forum 65 zu Ende.