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Trend bei Ravensburger Baumesse geht weg vom Neubau hin zum Sanieren

Ravensburg / Lesedauer: 5 min

Die Krise beim Wohnungsbau zeigt sich auch auf der diesjährigen Messe Hausplus in Ravensburg. So zufrieden sind die Aussteller.
Veröffentlicht:29.01.2024, 12:00

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Der öffentlich geförderte Wohnungsbau steckt auch in der Region Bodensee-Oberschwaben in einer tiefen Krise. Gleiches gilt für den klassischen Eigenheimbau. Aber auch viele Betriebe haben bauliche Erweiterungen oder gar Neuansiedlungen erst einmal zurückgestellt. Und dennoch zeigte sich Stephan Drescher, Geschäftsführer der Ravensburger Veranstaltungsgesellschaft (RVG), mit dem Verlauf der diesjährigen Messe Hausplus in Ravensburg zufrieden.


„Mit 125 Ausstellern haben wir in etwa den gleichen Messeumfang wie in den vergangenen Jahren. Allerdings hat sich der Schwerpunkt der Anbieter deutlich verlagert in den Bereich Sanieren und Ausbau“, sagt Drescher. Dieser Eindruck bestätigte sich auch bei einem Rundgang durch die Oberschwabenhalle.

Man fand dort zwar auch Stände von Fertighaus-Herstellern und Firmen, die Eigenheime entweder schlüsselfertig oder zum Selbstausbau anbieten.

Aber der Neubausektor ist bei der diesjährigen Messe komplett geschrumpft,

sagt Drescher.

 Der Schwerpunkt liege bei energetischer Sanierung, Heizung und Photovoltaikanlagen.

Nachfrage nach Baufinanzierungen hoch

Der Finanzdienstleister Alexander Fox aus Überlingen, der Kredite an Bauwillige vermittelt, stellt fest, dass die Nachfrage nach Baufinanzierungen nach wie vor erstaunlich hoch sei: „Wir haben viele Erben, die Omas Häuschen umbauen und energetisch sanieren wollen und dafür auch das entsprechende Eigenkapital aufbringen können. Viele von ihnen wenden sich an uns, damit sie nicht mehrere Banken abklappern müssen, um das für sie passende Finanzierungsangebot zu bekommen. In der Regel vermitteln wir sie dann an eine regionale Bank. Die dortigen Berater kennen die örtlichen Verhältnisse und können im Notfall auch schnell helfen.“

Ausgesprochen kritisch äußerte sich hingegen Alexander Ilg, Inhaber der Firma Sägezahn. Er hat sich vom Neubaugeschäft inzwischen verabschiedet und arbeitet ausschließlich projektbezogen für Großbetriebe, die Neu- oder Umbauvorhaben bei ihren Betriebsgebäuden realisieren. Ein Grund sei die immer schwieriger werdende Gewinnung von Fachpersonal.

Aber auch die Rahmenbedingungen für das Bauen hätten sich radikal verschlechtert, klagt Ilg: „Hat man vor Jahren noch eine Baugenehmigung innerhalb weniger Monate bekommen, so dauert das heute in der Regel Jahre. Die Vorschriften und Auflagen sind dermaßen umfangreich und kompliziert geworden, dass ein Hausbesitzer ein unkalkulierbares Risiko eingeht, wenn er einen Alt- durch einen Neubau ersetzen will.“ Ilg war auch der einzige Gesprächspartner, der sich von der Messe Hausplus zurückziehen will: „Schon letztes Jahr war die Messe für mich unterirdisch. Und in diesem Jahr ist auch nicht viel los.“

Gut ausgelastet dank alter Aufträge

Dies war zwar die einzige negative Stimme zum Messeverlauf, aber dass die Bauwirtschaft auch in unserer Region gerade schwere Zeiten durchmacht, bestätigte auch Franz Dörflinger, bei der Firma Lehner Haus mit Niederlassungen in Bad Waldsee und Heidenheim. Sie bieten Holzhäuser an, die zum Teil vorgefertigt werden. „Wir hatten vier bis fünf goldene Jahre. Aber innerhalb von zwei Jahren sind die Auftragseingänge um 50 Prozent zurückgegangen“, berichtet Dörflinger. Im Moment sei der Betrieb noch gut ausgelastet, weil alte Aufträge abgearbeitet werden.

Bauen und Dämmen mit Holz scheint derzeit eine gute Konjunktur zu haben. Aber auch im Innenausbau ist dieser nachwachsende Rohstoff stark gefragt. So zeigte sich Michael Schmid an seinen Einrichtungsstand mit dem Messeverlauf sehr zufrieden: „Die Besucher kommen ganz gezielt mit konkreten Vorhaben und Fragen. In aller Regel geht es um Sanierung oder Umbau.“

Steigende Nachfrage nach Wärmepumpen

Am dichtesten umlagert waren die Stände von Heizungsbauern und Anbietern von Photovoltaikanlagen. Das Hickhack um das Gebäudeenergie-Gesetz hat auch in Oberschwaben die Nachfrage nach Wärmepumpen in die Höhe schnellen lassen. Und wer die Möglichkeit hat, Solarstrom vom eigenen Hausdach oder Balkon zu gewinnen, will unbedingt die derzeit laufende staatliche Förderung nutzen. Auch das war ein Grund, warum mehr Besucher als erwartet bei schönstem Ausflugswetter in die Oberschwabenhalle gekommen sind. Stephan Drescher hat jedenfalls bereits am Samstag eine positive Zwischenbilanz gezogen und von mehreren Ausstellern spontanes Lob geerntet.