Lieferengpass

Lieferengpässe: Der Druck auf Apotheken in der Region wird immer größer

Ravensburg / Lesedauer: 4 min

Lieferengpässe, Rabattverträge und unzufriedene Kunden
Veröffentlicht:30.08.2019, 14:58
Aktualisiert:31.08.2019, 11:03

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In Apotheken kommt es immer wieder zu Lieferengpässen - davon berichten auch Apotheken in Ravensburg und Weingarten . Derzeit sind rund 200 Arzneimittel nicht lieferbar. Der Grund dafür ist meist die Herstellung der Medikamente.

Aus finanziellen Gründen werden Wirkstoffe primär im Ausland hergestellt, wie zum Beispiel in Indien oder China.

Diese Länder haben eine begrenzte Menge an Rohstoffen zu Verfügung. Wenn bei der Produktion etwas Fehlerhaftes passiert, kommt es in Europa zu Lieferengpässen., so der Pressesprecher des Landesapothekerverbands, Franz Eickmann.

Die Inhaberin der Marien-Apotheke in Ravensburg, Carmen Masur , kennt diese Engpässe. Sie und ihr Team arbeiten tagtäglich daran, dass die benötigten Medikamente zur Verfügung stehen. Sie bezieht die Arzneimittel entweder direkt vom Produzenten oder über Großhändler.

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Kommt es bei einem Hersteller zum Engpass, muss auf einen anderen ausgewichen werden. „Wir sind immer aufmerksam, denn wer zuerst bestellt, der malt zuerst“, erklärt die Inhaberin.

Ob es einen Engpass gibt oder nicht, erfahren die Apotheken erst auf eigene Nachfrage. „Nur manchmal wird uns Bescheid gegeben, dass es eventuell zu einem Lieferengpass kommen könnte“, sagt Carmen Masur.

Trotz aller Bemühungen ist die Apotheke immer wieder davon betroffen, dass das ein oder andere Medikament nicht herzukriegen ist - zum Ärger der Kunden.

Die Kundenreklamationen häufen sich, aufgrund nicht verfügbarer Medikamente.

Carmen Masur

„Die Kundenreklamationen häufen sich, aufgrund nicht verfügbarer Medikamente“, sagt Masur. Dabei werden die Apotheken bis zu drei Mal am Tag beliefert. „In der Regel muss niemand länger als einen Tag warten, sofern die Medikamente lieferbar sind“, erklärt sie.

Auch für die Filialleiterin der Rosen-Apotheke in Weingarten, Bärbel Prasse-Erasmus , sind Engpässe ein großes Thema. „Bei uns fehlen derzeit zirka 200 Medikamente“, erklärt sie. An den Ausfall der Produktionsstätte des Chemiekonzerns in China 2018, erinnert sich die Filialleiterin genau. „Monatelang wurde kein Ibuprofen mehr geliefert“, sagt sie.

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Nicht nur Engpässe, sondern auch Rabattverträge stellen oftmals eine Bürde für Apotheken dar. Diese lassen sich wie folgt erklären: Ein Hersteller von Medikamenten vereinbart mit einer gesetzlichen Krankenkasse einen Rabatt für ein oder mehrere Arzneimittel. In der Regel sollen alle Versicherten dieser Krankenkasse nur die Präparate dieses Herstellers erhalten.

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Apotheken müssen auf immer strenger werdende Vorgaben achten. Wenn Patienten ihre Rezepte bringen, muss der Apotheker schauen, ob der Hersteller, der im Rabattvertrag steht, liefern kann oder das Arzneimittel im Lager ist. Ist beides nicht der Fall, wird nach den vier günstigsten Herstellern gesucht. Von einem wird dann das Medikament bestellt.

Kann nur eine teurere Alternative gefunden werden, muss der Apotheker erst mit dem zuständigen Arzt des Patienten Rücksprache halten. Erst dann darf er das Medikament aushändigen, selbst wenn es sich um 20 Cent handelt. Wie Filialleiterin der Rosen-Apotheke, Bärbel Prasse-Erasmus erklärt.

Wenn sie immer eine kleine weiße Tablette bekommen und dann auf einmal eine längliche gelbe Kapsel, sind sie oft verwirrt.

Bärbel Prasse-Erasmus

Ältere Herrschaften haben oft Schwierigkeiten damit, andere Medikamente zu bekommen, als sie gewohnt sind. „Wenn sie immer eine kleine weiße Tablette bekommen und dann auf einmal eine längliche gelbe Kapsel, sind sie oft verwirrt. Dann wollen sie die Tablette nicht nehmen oder verwechseln sie möglicherweise“, erklärt Bärbel Prasse-Erasmus.

Allgemein trifft es bei der Bevölkerung auf Unverständnis, wenn Patienten nicht ihre gewohnte Medikation bekommen. „Oft rufen Kunden eine Stunde nachdem sie hier waren an und sagen uns, sie wollen die Tabletten nicht nehmen, weil es nicht die gleichen sind wie sonst“, sagt sie.

Natürlich gibt es auch gewisse Ausnahmen, zum Beispiel wenn ein Antibiotikum für einen Patienten bestellt werden muss, dem es sehr schlecht geht. „Dann geben wir meistens das Antibiotikum mit, das wir dahaben, damit der Patient nicht nochmal kommen muss“, erzählt Bärbel Prasse-Erasmus. Dabei gehen die Apotheker ein gewisses Risiko ein, oftmals gibt es deswegen Abzüge von den Krankenkassen. „Die Toleranzgrenze ist nicht besonders hoch“, sagt sie.