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Protest in Ravensburg

Organisatoren sind überwältigt von enormer Teilnehmerzahl bei Demo

Ravensburg / Lesedauer: 3 min

Am Samstag demonstrierten in Ravensburg mehr als 8400 Menschen gegen rechts. Die Veranstaltung überschnitt sich mit der Bauerndemo aus Weingarten. Das blieb nicht ganz problemlos.
Veröffentlicht:29.01.2024, 19:00

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Unter dem Motto „Anti Rechts: gegen den Rechtsruck in Politik und Gesellschaft“ haben sich am Samstag rund 8400 Menschen in Ravensburg versammelt. Unterstützt wurde die Demonstration von mehr als 50 Vereinen und Organisationen. Auf Anfrage von Schwäbische.de teilte die Stadt Ravensburg mit, man sei über die Teilnehmerzahlen erfreut. Die Aktion zeige, dass viele Menschen für die Demokratie einstehen, so Timo Hartmann von der Pressestelle Ravensburg. Die zeitliche Überschneidung mit der Bauerndemo aus Weingarten führte jedoch zu Komplikationen.

Organisator und Klimaaktivist Samuel Bosch, auch bekannt durch Baumbesetzungen im Altdorfer Wald, bezeichnet die Demonstration insgesamt als enormen Erfolg.

Wir sind überglücklich, dass sich so viele daran beteiligt haben.

Samuel Bosch

Unterstützt wurde die Veranstaltung von mehr als 50 Organisationen, darunter „Omas gegen Rechts“, „Psychologists for Future“ oder auch dem Theater Ravensburg. Doch im Vergleich zu vielen anderen Kundgebungen in ganz Deutschland waren weder Politiker als Redner noch Parteien als Bündnispartner mit dabei. Man kritisiere nicht nur die „menschenverachtende Programmatik der AfD und deren Remigrationsphantasien“, so die Organisatoren, sondern auch „Abschottungspolitik und rechte Tendenzen anderer Parteien in Regierung und Opposition“, so Samuel Bosch

Kollision mit Bauerndemo

Laut Angaben der Polizeipressestelle Ravensburg verlief die Veranstaltung „friedlich und ohne besondere Zwischenfälle“. Einzig einige Traktoren, die Teil der Bauerndemo aus Weingarten waren und in einer Sternfahrt auch durch Ravensburg fuhren, führten zu einem verzögerten Start des Demonstrationszuges. Laut Angaben des Landwirtes und Organisators der Bauerndemo Stefan, der seinen Nachnamen nicht öffentlich bekanntgeben will, war die Sternfahrt jedoch nicht dazu beabsichtigt, andere zu behindern oder gar die Demonstration zu stören. „Wir kämpfen schließlich für identische Themen und möchten uns auch ganz klar gegen rechts stellen“, sagte er gegenüber Schwäbische.de. Das sich einzelne Fahrzeuge von der offiziellen Sternfahrt gelöst hätten, konnte er nicht bestätigen.

Anders schildern es die Organisatoren der Demo gegen rechts. So berichtet Sina Wagner aus dem Organisationsteam von einem Traktor, der sich scheinbar aggressiv auf die Polizei zubewegte. Bestätigen konnte die Polizei das aber nicht.

Luftaufnahme zu Beginn der Kundgebung auf dem Ravensburger Bahnhofsvorplatz.
Luftaufnahme zu Beginn der Kundgebung auf dem Ravensburger Bahnhofsvorplatz. (Foto: Samuel Bosch)

Erinnerung an Gedenktag

Den Abschluss fand der Demonstrationszug auf dem Marienplatz. In der dortigen Kundgebung betonten zahlreiche Redner den Zusammenhalt und die Wichtigkeit einer funktionierenden Demokratie. In den Beiträgen erinnerten mehrere Redner auch an den Gedenktag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 79 Jahren. So stellte Buchautor Wolfram Frommlet die aktuelle Debatte in einen geschichtlichen Kontext: „Wir müssen historisch zurückblicken und nicht ständig nur von der AfD reden. Wir werden entdecken, dass wir eine Jahrhunderte lange Phase der Immigration haben, die für uns neue Freiheiten und Heimaten geschaffen, aber Kulturen und indigene Völker vernichtet haben“, so Frommlet. Und weiter:

Die Gemeinsamkeit ist, heute kommen Immigranten zu uns aus denselben Gründen, aus denen vor Jahrhunderten aus Deutschland Menschen emigriert sind; aus Hunger, aus politischer Unterdrückung und aus Elend.

Wolfram Frommlet

Organisator Samuel Bosch hofft, dass sich durch die Demonstrationen auch eine Veränderung in den Köpfen der Menschen einstellt. „Das wird sich aber erst in der Zukunft zeigen, welchen nachhaltigen Erfolg wir durch die Aktionen erzielen konnten“, so Bosch. Ihm sei wichtig zu betonen, dass man nicht aufhören dürfte, Zeichen zu setzen, sondern weiter gegen den Rechtsruck aufmerksam machen müsse. Gerade am Samstag habe er gespürt, dass die bisher schweigende Mehrheit da sei und sich ebenfalls traue, Gesicht zu zeigen.

Der nächste Aktionstag der Stadt Ravensburg gegen rechts und für Toleranz findet am Donnerstag, 1. Februar von 12 bis 19 Uhr, unter dem Motto „Oberschwaben ist bunt“ auf dem Gespinstmarkt statt.