Binse

Blumenteppich-Team verabschiedet sich

Ravensburg / Lesedauer: 3 min

20 Jahre lang waren immer dieselben sechs Frauen kreativ in Sachen Fronleichnams-Schmuck in der Ravensburger Kirchengemeinde Liebfrauen
Veröffentlicht:30.05.2016, 15:58
Aktualisiert:23.10.2019, 15:00

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Man nehme ein paar Bündel Binsen, Schnittlauch, Moos, Blumenblüten und verblühte Akeleien sowie Lupinen. Und fertig ist der zwei Mal drei Meter Fronleichnams-Blumenteppich. So simpel das Rezept klingt, so viel Arbeit und Kreativität dahinter: Nach 20 Jahren hat sich nun das sechsköpfige Team von Frauen aus dem Ravensburger Osten mit einem „Best of“-Exemplar verabschiedet.

Zur zentralen Fronleichnamsfeier der vier Ravensburger Kernstadt-Pfarreien legten sie in der Liebfrauenkirche einen Teppich mit 20 Elementen aus den Jahren 1996 bis 2015. Herta Herz-Brunner blickt mit den fünf Partnerinnen begeistert auf die vergangenen zwei Jahrzehnte zurück. Als 1996 nach einem Team gesucht wurde, das einen Blumenteppich in St. Christina gestaltet, waren die Freundinnen gleich bereit. Herz-Brunner war die Tradition der Fronleichnams-Teppiche aus ihrer Heimat Tettnang-Krumbach vertraut.

„Für uns gehören Spaß und Kreativität zusammen. Mit den Kindern werden tagelang die Zutaten gesammelt und vorbehandelt“, erinnert sich die Mutter von zwei Kindern. Der Nachwuchs war so eifrig bei der Sache, dass die Kinder auch ihre eigenen Teppiche gestalteten. Von Beruf Hauswirtschaftsleiterin hat Herz-Brunner – wie auch die anderen Frauen – 20 Jahre lang die Fronleichnams-Woche extra freigehalten.

Was mit Symbolen der Erstkommunion begann, entwickelte sich über die Jahre zu filigranen, figürlichen Darstellungen und großformatigen Werken. Von der kleinen St. Christina-Gemeinde rückte die talentierte Gruppe mit Herta Herz-Brunner, Anita Kotalla, Rosa Pellhammer, Diana Röss, Evelyn Rückstieß-Mayer und Marlene Stüble im Jahr 2000 erstmals ins Zentrum der Stadt. Während das Legen der Blumenbilder vor dem Lederhaus oder in der Kirche meist nachts um 2, 3 Uhr begann, verlegten die Frauen die heiße Phase zuletzt vor: Heuer waren sie von Mittwoch 21 Uhr, bis Donnerstag, 2.30 Uhr, zugange. Mit dabei war immer Karl Wiggenhauser, der für die Ausleuchtung des Kunstateliers sorgte.

Woher die bunten Zutaten der Werke kommen? Herta Herz-Brunner schmunzelt: Aus Feld und Flur, dem eigenen Garten und von hilfsbereiten Nachbarn – „eben was Gottes Schöpfung gerade bereithält“. Im Team werden Wochen vorher die Ideen entwickelt. Die Teamleiterin malt dann im Originalformat einen Entwurf auf Papier. Grundmaterial für die Konturen sind kleine Erlenzäpfchen, die auf den Papierbogen geklebt und dann mit Blüten und Blättern ausgelegt werden.

Neuen das Feld überlassen

Gefragt nach Höhepunkten aus 20 Jahren, berichtet Herz-Brunner von dem Bild aus dem Jahr 2003 mit religiösen Symbolen und Ravensburger Motiven wie Mehlsack, Wappen oder „Fang den Hut“, einem begehbaren Labyrinth 2006 auf dem Marienplatz oder der Darstellung eines Bildes von Sieger Köder 2015.

Nun wollen die Frauen neuen, kreativen Gemeindemitgliedern und kirchlichen Gruppen das Feld überlassen. Im Rückblick sind sie dankbar für das Miteinander und die vielen positiven Rückmeldungen von Besuchern und Passanten. Zwei Stellwände mit Fotos der 20 Teppiche dokumentieren die zwei Jahrzehnte kreativen Schaffens, denn die Kunstwerke selber sind vergänglich – spätestens fünf Tage nach dem Fest werden sie wieder abgeräumt.