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Bürger für Ravensburg: Geriatrische Reha soll im Heilig-Geist-Spital bleiben

Ravensburg / Lesedauer: 5 min

Krauss: Geriatrische Reha ist in der Ravensburger Innenstadt besser aufgehoben als am EK
Veröffentlicht:04.10.2022, 12:00

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Gibt es nach dem erneuten Wechsel in der Geschäftsführung der Oberschwabenklinik (OSK) die Chance, die Geriatrische Reha doch am Heilig-Geist-Spital (HGS) in Ravensburg zu erhalten? Die „Bürger für Ravensburg“ ( BfR ) wollen jetzt beantragen, die im Rahmen der Strukturreform getroffene Entscheidung rückgängig zu machen. Doch die Aussichten sind schlecht.

Wenn es nach BfR-Fraktionschef Wilfried Krauss ginge, sollen Oberbürgermeister Daniel Rapp und Erster Bürgermeister Simon Blümcke, der als Vertreter der Stadt zugleich stellvertretender OSK-Aufsichtsratsvorsitzender ist, gemeinsam für den Erhalt der medizinischen Fachabteilung kämpfen, in der gebrechliche alte Menschen nach Unfällen, Knochenbrüchen oder schweren Krankheiten wieder fit für den Alltag in den eigenen vier Wänden gemacht werden. Zudem gehöre das Thema in den Gemeinderat – diesmal öffentlich. Die Situation an der OSK habe sich durch die vom Aufsichtsrat beschlossene Trennung von Geschäftsführer Oliver Adolph verändert, glaubt Krauss: „Es hat sich ein Chancenfenster aufgetan.“

Umzug zum Jahreswechsel geplant

Der Umzug der zur OSK gehörenden medizinischen Abteilung vom Heilig-Geist-Spital ans Sankt-Elisabethen-Krankenhaus (EK) zum Jahreswechsel dürfe nicht mit der Brechstange durchgesetzt werden, meint der BfR-Chef. „Es darf nicht dazu kommen, dass die Geriatrie zuerst aus dem Spital rauskommt, an das EK wandert und dann an private Investoren durchgereicht wird.“ Der Plan, der im Rahmen der Strukturreform verfolgt wird, sieht bislang vor, dass am EK zunächst die Akutgeriatrie ausgebaut wird. Die aktuell 42 Betten der Geriatrischen Reha sollen zunächst hinzukommen und später an einen Drittanbieter übertragen werden.

Naheliegend wären die Waldburg-Zeil-Kliniken (WZK), die in ihren bestehenden Reha-Einrichtungen Synergieeffekte nutzen könnten. Dann würde die Reha aber vermutlich nach Bad Wurzach verlegt. WZK-Geschäftsführer Ellio Schneider ist dem Ansinnen nicht völlig abgeneigt. Man könnte nach und nach Patientenkontingente an der einen Stelle ab- und der anderen Stelle aufbauen, sagte er der „ Schwäbischen Zeitung “ noch im Juni. Insider glauben jedoch, dass der Kreis den WZK für die Übernahme der defizitären Abteilung eine Kompensation zahlen müsste. Warum sonst sollte der private Klinikbetreiber in die Bresche springen? Vor der Corona-Pandemie hat das HGS häufig einen jährlichen Verlust von bis zu einer halben Million Euro gemacht.

Zwischenlösung EK verfrüht?

Den Umzug ans EK hält Krauss zumindest für verfrüht. Die Lage inmitten der Ravensburger Innenstadt würde den Heilungserfolg der älteren Menschen beschleunigen, hätten ihm auch Ärzte bestätigt. „Im EK ist man von der Außenwelt total abgeschnitten, da dringt nicht mal Lärm durch.“ Zumindest könnte man den Standort HGS beibehalten, bis klar sei, ob die WZK die geriatrische Reha tatsächlich übernehmen können und wollen.

Schließlich habe die Stadt Ravensburg über die Stiftung Anfang der 2000er-Jahre viele Millionen Euro für die Sanierung in die Hand genommen. Diese Investition sei futsch, wenn das HGS künftig ausschließlich die Sportklinik oder ein Ärztehaus beherbergen würde.

Standort wäre geeignet für Altersheim

Das 1287 errichtete Gebäude diente immer sozialen Zwecken, war beispielsweise auch mal ein Armen- und Waisenhaus. Seit Ende des 19. Jahrhunderts war es jedoch ausschließlich ein Krankenhaus. „Vom Zuschnitt der Räume mit Nasszellen ist dort auch nur schwer etwas anderes denkbar, eine Umnutzung braucht zumindest Zeit, aber auch Fantasie und Geld“, meinte der Ravensburger Oberbürgermeister Daniel Rapp im Dezember 2021. Die naheliegende Idee von Stiftungs-Geschäftsführer Ralph Zodel, dort ein schönes, zentrales Altenheim vielleicht als weitere Dependance der Bruderhaus-Stiftung einzurichten, scheitert dem Vernehmen nach am Fachkräftemangel.

Allzu groß dürften die Chancen, das HGS in jetziger Form zu erhalten, hingegen nicht sein, denn der Aufsichtsrat hat klargemacht, an der Umstrukturierung auch mit einer anderen Geschäftsführung festzuhalten. Zumindest sei dies die geltende Beschlusslage, sagte OSK-Pressesprecher Winfried Leiprecht auf Anfrage der „Schwäbischen Zeitung“. „Es gilt das Gleiche wie in Bad Waldsee. Wir setzen um, was der Kreistag beschlossen hat.“ Auch in Bad Waldsee hatte es Hoffnungen gegeben, die Schließung des dortigen Akutkrankenhauses nach der Trennung von OSK-Geschäftsführer Oliver Adolph rückgängig zu machen. Allerdings vergebens.

Gutachten hat Idee der OSK-Geschäftsführung untermauert

Und auch die Ravensburger Stadtspitze scheint kein gesteigertes Interesse daran zu haben, das Fass noch einmal aufzumachen. Das Gutachten zur Strukturreform habe ergeben, „dass die Geriatrische Rehabilitation sinnvoller durch einen Rehaträger und nicht durch die OSK als Krankenhausträger erfüllt werden kann“, antwortet der städtische Pressesprecher Timo Hartmann auf eine Anfrage der „Schwäbischen Zeitung“. Am 23. Mai habe der Gemeinderat dann den Oberbürgermeister in öffentlicher Sitzung beauftragt, in der Gesellschafterversammlung den Plänen der Kreisverwaltung zuzustimmen.

Immerhin habe die Stadt aber darauf hinwirken können, dass die vorhandene Bettenzahl der bisherigen Reha übernommen wird. Das soll auch im Fall der Übernahme durch einen privaten Anbieter gewährleistet werden. „Für Ravensburg war und ist klar, dass ein Umzug der Geriatrischen Rehabilitation mit einer Qualitätsverbesserung einhergehen muss. Passiert das nicht, kann die Geriatrische Rehabilitation genauso gut am HGS bleiben“, räumt er jedoch ein.

Über eine eventuelle Nachfolgenutzung und damit die Zukunft des Kulturdenkmals sei noch nicht entschieden.