Fleisch

Die Szabos gehören zum Markt einfach dazu

Ravensburg / Lesedauer: 3 min

Die Szabos gehören zum Markt einfach dazu
Veröffentlicht:29.05.2016, 09:00
Aktualisiert:23.10.2019, 15:00

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Stolz zeigt Gerda Szabo ein 500 Gramm schweres T-Bone-Steak. Das Fleisch hat eine sehr dunkle Farbe, die fast schon ins Braune geht. Für den Kenner ist das ein Zeichen, dass das gute Stück eine besondere Lagerung erfahren hat. „Dry aged“ heißt diese Art der Lagerung, bei der das Fleisch mehrere Wochen bei 60 Prozent Luftfeuchtigkeit reifen kann.

Rind- und Schweinefleisch bieten Gerda und erst seit knapp fünf Jahren in ihrem Wochenstand in der Ravensburger Brotlaube an. Die Ursprünge der 40-jährigen Markt-Geschichte der Szabos liegen beim Verkauf von Eiern. Andreas Szabos Vater, ein Ungar, hatte einen Geflügelhof. Doch die Umstellung auf industrielle Hühnerhaltung haben die Szabos nicht mitgemacht und den Hof aufgeben müssen, weil sie mit den sinkenden Preisen nicht mithalten konnten. „Wir wollten auf den Markt“, sagt Gerda Szabo, deren Vater Metzger in Aulendorf war. Schon als junges Mädchen stand sie in der Metzgerei und sah den Verkäuferinnen bei der Arbeit zu. Eine Arbeit, die ihr gefiel, „weil sie nahe an den Menschen ist“, sagt die 63-Jährige.

Eierkrise zwingt, die Produktpalette zu erweitern

Doch zunächst hatte das Leben andere Pläne für sie. Sie schloss eine Ausbildung als Pharmawerkerin bei Böhringer-Ingelheim ab und arbeitete ein Jahr in der Abfüllung. „Das war nichts für mich“, erkannte sie schnell. „Die Arbeit war sehr gut bezahlt, aber ich fühlte mich wie eingesperrt.“ Dann lernte sie ihren Mann kennen und hängte ihren Job an Nagel. „Damit hatte ich die Freiheit für den Wochenmarkt.“

In den ersten 15 Jahren ihrer Selbstständigkeit war das Hauptgeschäft der Szabos der Verkauf von Eiern. Doch die Nachfrage stagnierte, als Eier in Verruf kamen und als Cholesterin-Bomben stigmatisiert wurden. Die „Eierkrise“ zwang sie, ihre Produktpalette zu erweitern. Zunächst boten sie Frischgeflügel aus der Region an, dann „veredelten“ sie das Angebot mit Maishähnchen und Bresshühnern aus Frankreich.

Etwas Besonderes bieten

Und dann, vor fünf Jahren, sah Andreas Szabos im Fernsehen eine Sendung über die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch-Hall. Dort züchten und mästen Hohenloher Bauern Schwäbisch-Hällische Landschweine, eine Rasse, die Anfang der 1980er-Jahre beinahe ausgestorben war, mit gentechfreiem Futter, in Ställen mit Stroheinstreu und möglichst viel Auslauf. Besonderes markant sind die Tiere wegen ihrer schwarzen Köpfe und ihres schwarzen Hinterteils.

Genau danach hatte Andreas Szabo immer gesucht und nimmt die Produkte in sein Angebot auf. „Auf dem Markt muss man etwas Besonderes bieten, eine Nische finden“, sagt seine Frau. Auch das Lamm- und Rindfleisch kommt aus der Erzeugergemeinschaft. Denn das Bewusstsein für den Fleischkauf hat sich in den letzten Jahren stetig gewandelt. „Die Leute wollen genau wissen, woher das Fleisch kommt“, sagt Gerda Szabo. „Das gab es früher nicht. Dafür sind sie bereit, auch einen höheren Preis zu bezahlen.“

Drei Söhne haben die Szabos. Doch ob einer die Markttradition fortführen wird, ist noch nicht in Sicht. „Der Älteste vielleicht“, sagt Gerda Szabo.