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„Alles Glück ist geistiger Natur“

Ravensburg / Lesedauer: 2 min

Im März feiert die Volkshochschule Ravensburg ihren 70. Geburtstag. Aus Anlass dieses Jubiläums stellt die „Schwäbische Zeitung“ in lockerer Folge Menschen vor, deren Herz in irgendeiner Weise für ...
Veröffentlicht:20.03.2018, 17:31
Aktualisiert:22.10.2019, 20:00

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Im März feiert die Volkshochschule Ravensburg ihren 70. Geburtstag. Aus Anlass dieses Jubiläums stellt die „Schwäbische Zeitung“ in lockerer Folge Menschen vor, deren Herz in irgendeiner Weise für die VHS schlägt.

„Das ganze Leben ist für mich die unendliche Gelegenheit, mich geistig zu verfeinern.“ Worte von Alfred Sattig, dem langjährigen ehemaligen Leiter der Ravensburger Volkshochschule. Auch im Ruhestand bleibt er hochmotiviert. Unermüdlich lehrt und lernt er gemäß seinem Lebensmotto: „Alles Glück im Leben ist geistiger Natur!“ Seine Begeisterung für Hebräisch, Altgriechisch und Dichterfürsten wie Hermann Hesse oder Thomas Mann springt mühelos auf die über, die noch heute seine VHS-Kurse und Vorträge besuchen.

Überhaupt: die Sprache! In der Schule entdeckte der 1951 in Freinsheim bei Bad Dürkheim geborene Sattig die Sprache als Waffe. Mit ihr konnte er ablenken, verdrängen, sich behaupten und seiner Phantasie freien Lauf lassen. Als sein Lateinlehrer ihm bescheinigte, seine Leistungen verdienten keine Sechs, sondern eine Acht, entgegnete er: Nein, eine Zehn! Aber irgendwann habe ich eine Eins!“ Sein Wunsch, besser zu werden als seine Lehrer, ging in Erfüllung. Nach wechselvoller Schullaufbahn und etlichen Jobs studierte er in Mannheim Philosophie, Germanistik und Romanistik und promovierte zum Dr. phil.

1980 übernahm Sattig die Leitung der Volkshochschule Ravensburg, die damals noch im Welfengymnasium untergebracht war. Dessen Leiter, Franz Christ, hatte wohl einen Narren gefressen an dem „schrägen Vogel“ mit Rauschebart und unkonventionellem Auftreten. Ein Glücksfall für beide Seiten, wie sich bald herausstellte.

„Der ideale Job für mich!“ betont Sattig, der als Ausgleich Kraft- und Ausdauersport betrieb. „Ich musste mich nicht verbiegen, nicht anpassen, hatte weder Konkurrenz noch Neider. Und ich konnte meine geistige Leidenschaft existenzsichernd leben.“ Seine Thomas-Mann-Vorträge, unentgeltlich jedem zugänglich, wird er noch endlos weiterführen. „Nichts geht zu Ende“, sagt er, „nur unser menschliches Leben. Schade!“