Funkmast

DSL: Bürger stören sich am geplanten Funkmast

Deggenhausertal / Lesedauer: 3 min

NeckarCom plant Breitbandversorgung in Homberg – Hundert Bürger diskutieren bei Infoveranstaltung kritisch
Veröffentlicht:20.01.2011, 18:50
Aktualisiert:25.10.2019, 21:00

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Schnelle Internetverbindung wollen fast alle, aber viele stören sich an den geplanten Funkmaststandorten. Das hat sich bei der Bürgerversammlung in Oberhomberg am vergangenen Mittwoch gezeigt. Rund hundert Einwohner der Altgemeinde Homberg haben Jürgen Herrmann, Geschäftsführer der Firma NeckarCom aus Stuttgart, viele kritische Fragen gestellt. Die Firma will mit einem 50 Meter hohen Mast am Waldrand neben der K7753 westlich von Oberhomberg ein Richtfunksignal aus Grünkraut auffangen und nach Wahlweiler weiterleiten. Dort soll eine Parabol-Antenne auf einem Zwölf-Meter-Mast das Signal einfangen und in das Kabelnetz der Telekom einspeisen.

Ein Knackpunkt der Diskussion war der geplante, zwölf Meter hohe Stahlmast auf der Verkehrsinsel mitten in Wahlweiler. „Kann man den Mast nicht um 200 oder 300 Meter versetzen?“, will ein Anwohner wissen. Er sorgt sich um die Gesundheit der Einwohner von Wahlweiler und um das Dorfbild. Aus Sicht der Firma NeckarCom hat der Standort mitten im Ort einen entscheidenden Vorteil: Er liegt direkt am Knotenpunkt der Telekom . Wenn der Mast versetzt würde, müsste die Firma ein zusätzliches Kabel zum Knotenpunkt verlegen. Geschäftsführer Herrmann scheut die Kosten für die Tiefbauarbeiten. Außerdem würde das Kabel Signalqualität schlucken, versichert er.

Ortstermin in Wahlweiler geplant

Die Alternative des NeckarCom-Geschäftsführers: Wenn ein Anwohner die Parabol-Antenne an seinem Haus befestigen ließe, wäre der Mast nicht notwendig. Immerhin habe die Antenne nur 30 Zentimeter Durchmesser. „Aber wir wollen das draußen haben“, lautet die Antwort aus Wahlweiler. Im Gegenzug bieten die Anwohner an: „Wir werden ein Gelände bereitstellen.“ Bürgermeister Knut Simon verspricht, wegen der Standortfrage zu einem Ortstermin nach Wahlweiler zu kommen.

Auch der künftige, 50 Meter hohe Stahlgittermast bei Oberhomberg macht einigen Diskussionsteilnehmern Sorgen. „Bis jetzt war alles so schön ländlich hier – und nun wird alles verschandelt.“ Bürgermeister Knut Simon gibt zu bedenken, dass der Mast am Waldrand stehen soll und die Bäume daneben rund 40 Meter hoch sind. „So weit schaut der nicht drüber.“ Der Mast auf dem Höchsten sei mit 184 Metern sehr viel höher. Die Firma NeckarCom könnte doch den Höchstenmast mitnutzen, schlägt einer vor. Dafür sei die Miete „schweineteuer“, erklärt der NeckarCom-Geschäftsführer Herrmann. Diese liege im fünfstelligen Bereich. Außerdem könne der Richtfunk vom Höchsten Wahlweiler nicht direkt erreichen – dann wäre ein dritter Mast zum Überbrücken nötig.

Einige Anwohner verlangen, daß der neue Mast bei Oberhomberg ausschließlich für den Richtfunk genutzt und nicht weitervermietet wird. Der NeckarCom-Mann erklärt sich bereit, einen entsprechenden Vertrag zu unterschreiben.

Für Bürgermeister Simon steht fest: „Breitband hat Zukunft – und ohne Breitband hat hier vieles keine Zukunft.“ Aber er sagt auch: „Ich will‘s niemand aufzwingen!“ Das ist offenbar auch nicht nötig: „Wir sind nicht gegen das Projekt“, versichern die Gegner des Maststandorts in Wahlweiler. Für Internetnutzer biete die verbesserte Breitbandversorgung einen „Riesenvorteil“, betont ein Diskussionsteilnehmer. „Ich wär froh, wenn das zustande kommt.“ Auch für die Vermieter von Ferienwohnungen werde das Internet immer wichtiger. Bürgermeister Simon hofft, dass die neue Breitbandlösung irgendwann bis Limpach fortgeführt wird.

Im Mai oder Juni kann es in Homberg losgehen mit der schnellen Internetverbindung, schätzt NeckarCom-Geschäftsführer Herrmann. In Wahlweiler soll die Übertragungsgeschwindigkeit 35 Megabit pro Sekunde betragen, zwei Kilometer entfernt noch 16 Megabit pro Sekunde. Nutzer dürfen bis zu drei Telefonnummern kostenfrei mitnehmen.