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Nach Bohrungen

Erdölfelder im Kreis Ravensburg werden renaturiert

Fronreute / Lesedauer: 3 min

Bis 1997 wurde im Landkreis Ravensburg Erdöl gefördert und auch Erdgas gelagert. Das ist jetzt vorbei und aufwendige Bauarbeiten stehen an.
Veröffentlicht:13.02.2024, 07:00

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Die Geschichte des schwarzen Goldes in Oberschwaben ist jetzt endgültig vorbei. Bis 1997 sprudelte hier noch Öl aus der Erde. In dieser Woche beginnt das letzte Kapitel der Erdölförderung im Landkreis Ravensburg.

Das Unternehmen Neptune Energy startet mit den Arbeiten für den Rückbau sowie mit der Renaturierung von insgesamt 14 ehemaligen Erdöl- und Erdgasbohrungen. Das schreibt das Unternehmen in einer Pressemitteilung. Bald wird man dies auch in der Landschaft beobachten können.

Die Bohrungen liegen verteilt auf einer Fläche von knapp fünfmal 15 Kilometern und in sieben verschiedenen Gemeinden. Diese sind Wilhelmsdorf, Fronreute, Fleischwangen, Guggenhausen, Ebenweiler, Altshausen und Wolpertswende. Neptune Energy plant für das Gesamtprojekt eine Dauer von rund zwei Jahren. Ende 2025 soll das Projekt abgeschlossen sein.

Bauarbeiten werden vorbereitet

Das Projektteam beginnt nun mit den ersten vorbereitenden Arbeiten für den Rückbau der ehemaligen Erdöl- und Erdgasbohrungen sowie deren Plätzen. Unter anderem müssen die alten Förderplätze hergerichtet werden, um die Bohrungen verfüllen zu können.

Teilweise müssen sie auch für die anstehenden Arbeiten temporär erweitert werden. Ebenfalls betroffen sind die jeweiligen Wege zu den Bohrstellen. Diese bessert Neptune Energy eigenen Angaben zufolge für den Baustellenverkehr in Teilen aus und wird sie nach Beendigung des Projektes wieder herstellen oder zurückbauen.

Im Sommer wird verfüllt

Das Team beginnt in einem ersten Schritt mit dem Freischnitt der Plätze, wozu auch vereinzelt Bäume gefällt werden müssen. Im Anschluss erfolgt der temporäre Ausbau der Plätze. Erst im Sommer wird schließlich mit einer speziellen Winde verfüllt, dann werden die bergbaulich genutzten Flächen rekultiviert.

Bei den Arbeiten handelt es sich um routinemäßige Rückbauarbeiten, die unter behördlicher Aufsicht durch das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau in Freiburg als zuständige Aufsichts- und Genehmigungsbehörde stehen, wie die Firma mitteilt.

Erdgasspeicher nicht betroffen

Mit dem Erdgasspeicher Fronhofen hat der jetzt anstehende Rückbau allerdings nichts zu tun. Bei den geplanten Arbeiten geht es lediglich um die ehemaligen Förderflächen, die von Neptune Energy betrieben wurden. Der Ergasspeicher ist separat zu betrachten und gehört zum Unternehmen Storengy. Ende vergangenen Jahres wurde bekannt, dass der Erdgasspeicher in Fronhofen im Oktober dieses Jahres vom Netz gehen soll.

Dies bestätigte Storengy auf Nachfrage am Montag. Allerdings fehlt noch die Zustimmung der Bundesnetzagentur. Das Verfahren läfut.

„Der Rückbau der Speicheranlage wird voraussichtlich mehrere Jahre in Anspruch nehmen“,

so Storengy.

 Einen genauen Zeithorizont ist noch nicht bekannt.

280.000 Kubikmeter Öl

Seit mehr als 130 Jahren fördert Neptune Energy Erdöl und Erdgas in Deutschland. So auch von 1965 bis 1997 im Raum Fronhofen-Illmensee. Nachdem das Feld bis zu seiner Schließung rund 280.000 Kubikmeter Erdöl und 920 Millionen Kubikmeter Erdgas produziert hatte, galt es Ende der 90er-Jahre als erschöpft. „Der letzte Abschnitt im Lebenszyklus der Erdöl- und Erdgasförderung steht jetzt an: Der Weg zurück zur Natur - der Rückbau“, schreibt das Unternehmen in der Pressemitteilung.

Geplant und umgesetzt wird das Großprojekt bei Neptune Energy von Projektleiterin Mariana Kohn. „Ein Projekt dieser Größe und Historie bringt einiges an Herausforderungen mit sich. Mir ist besonders die Kommunikation mit den Anwohnenden vor Ort wichtig“, wird Kohn in der Pressemitteilung zitiert.

Zweistelliger Millionenbetrag wird investiert

„Unser Ziel ist es, innerhalb der nächsten zwei Jahre die Bohrungen sicher zu verfüllen und die beanspruchten Flächen zu rekultivieren“, so Kohn. Zu diesem Zweck wird Neptune Energy gemeinsam mit seinen Partnern einen zweistelligen Millionenbetrag investieren. Die gesamten Arbeiten folgen dabei in den nächsten zwei Jahren dem Prinzip einer Wanderbaustelle. Am Ende des Projekts wird das Team fast 45 Kilometer Rohrleitungen entfernt haben und 13 Förderplätze an die Eigentümer zurückgeben.

Das Unternehmen Neptune Energy fördert eigenen Angaben nach Erdgas und Erdöl aus 31 Feldern in Deutschland. Im Jahr 2022 waren es insgesamt 5,9 Terawattstunden Erdgas und 280.000 Tonnen Erdöl. Der Umsatzerlös lag bei 658 Millionen Euro. Seinen Schwerpunkt hat das Unternehmen im westlichen Niedersachsen, im Rheintal und in der Altmark in Sachsen-Anhalt.