Durchgangsstraße

Wer trampen will, setzt sich in Bodnegg aufs Bänkle

Bodnegg / Lesedauer: 3 min

Drei aufgestellte Mitfahrbänke sollen in Bodnegg Mobilität unterstützen – Corona bremst die Umsetzung noch
Veröffentlicht:30.06.2020, 16:04
Aktualisiert:01.07.2020, 17:03

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Seit Kurzem stehen an den stark frequentierten Durchgangsstraßen in Bodnegg drei Sitzbänke. Wer darauf Platz nimmt, signalisiert, dass er mitgenommen werden will. Aus bürgerschaftlichem Engagement ist eine Idee umgesetzt worden, die eine verbesserte Mobilität auf dem Land erreichen will.

Wer auf dem Land wohnt und kein eigenes Fahrzeug besitzt, weiß, dass es oft schwierig ist, zum Einkaufen, zum Arzt oder zu sonst einem wichtigen Termin zeitgerecht zu kommen. Auch in Bodnegg ist dieses Problem bekannt. Im Frühjahr 2018 hat sich deshalb der Verein „Bodnegg mobil“ gegründet, um Abhilfe zu schaffen. Entstanden aus den ehemaligen Bürgerwerkstätten, der AG Verkehr, hat der Verein inzwischen Vieles auf den Weg gebracht, um die Mobilität vor allem der älteren Mitbürger zu verbessern. Das neueste Projekt sind drei aufgestellte sogenannte „Mitfahrbänkle“. Eines steht am Ortsausgang Richtung Grünkraut, ein weiteres in der Nähe des Infopunktes an der Abbiegung zur Dorfstraße und eines in Rotheidlen.

Schild weist auf Möglichkeit hin

Gut sichtbar an den stark frequentierten Durchgangsstraßen weist auch ein rundes Schild mit der Aufschrift „Bomo Mitfahrbänkle“ auf die Möglichkeit hin. „Wer kein eigenes Auto besitzt, nicht mehr selbst fahren möchte oder kann, beziehungsweise sein Auto aus Gründen des Klimaschutzes stehen lassen möchte, dem bietet sich nun die Möglichkeit, bei netter Unterhaltung zum Einkauf, zum Arzt oder in einen Teilort zu gelangen“, sagt Wolfgang Legner , der Vorsitzende des Vereins „Bodnegg mobil“. Viel Engagement war dazu nötig.

Möglich wurde das Ganze durch das Förderprojekt „Beteiligungstaler“ des Landes Baden-Württemberg, das bis 2000 Euro eine 100-prozentige Förderung vorsieht. Bedingung ist, dass bürgerschaftliches Engagement vorhanden sein muss. Eine private Vorfinanzierung muss geleistet werden. Rudolf Stör, Gemeinderatskollege von Wolfgang Legner und engagierter Mitstreiter für die Mobilität, hat das übernommen. „Inzwischen sind auch die angefallenen 1600 Euro zurück überwiesen worden“, sagt Stör. Auch die Gemeinwesenarbeiterin von Bodnegg Christa Gnann war involviert. „Das ist ganz einfach zu beantragen“, sagt sie, als Anregung auch für andere Gemeinden gedacht, deren Bürger ebenfalls auf unkomplizierte Art und Weise ihre Mobilität verbessern wollen.

Bürgerbus für private Fahrten

Die Mitfahrbänkle sind aber nicht die einzige mobile Verbesserung. Wolfgang Legner kann auch beim geplanten neuen Bürgerrufauto Erfolg vermelden. Mit Genehmigung des Regierungspräsidiums, in Absprache mit Bodo und mit Einverständnis auch des örtlichen Busunternehmens Schuler kann zukünftig der Bürgerbus für private Fahrten innerhalb des Gemeindegebiets angefordert werden. Ein Telefonanruf bei einem Callcenter macht das möglich. Bis zu einer Stunde Vorlauf kann die Fahrt dort angemeldet werden. Wer also nach Bodnegg zum Arzt muss oder zum Einkaufen nach Rotheidlen möchte, kann sich telefonisch anmelden. Mit dem Fahrer wird dann die Rückfahrzeit abgesprochen.

Auch die Gemeinde Bodnegg fördert das Projekt, stellt sie doch den Bürgerbus zur Verfügung und hat eine Anschubfinanzierung übernommen, beispielsweise für die Fahrerschulungen oder auch die Kindersitze. Falls der Bürgerbus zur gleichen Zeit im Schulbusdienst eingesetzt werden muss, dürfen private Fahrer einspringen. „Auch dafür haben wir eine Versicherung“, erklärt Wolfgang Legner.

Alle Genehmigungen liegen vor, es könnte also alles starten, wenn die aktuelle Corona-Pandemie nicht wäre. „Da der Gesundheitsschutz für die Fahrgäste und ehrenamtlichen Fahrer oberste Priorität hat, starten wir erst bei entsprechender Sicherheitslage,“ informiert Legner und erklärt, dass bei der Projektförderung der Bänkle eine zeitnahe Umsetzung gefordert war und sie deshalb schon aufgestellt wurden. Die Bodnegger müssen sich also noch etwas gedulden, bis sie in den Genuss dieser erweiterten Mobilität kommen.