Tierwohl

Hier ist Tierwohl Familiensache

Berg / Lesedauer: 3 min

Familie Scheuing aus Ehingen-Berg zieht alle eigenen männlichen Kälber groß
Veröffentlicht:09.10.2020, 09:30
Aktualisiert:09.10.2020, 09:31

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Regio ist das neue Bio: Fleisch aus Baden-Württemberg ist bei den Verbrauchern immer mehr gefragt. Das bekommt auch die Familie Scheuing aus Berg zu spüren. Markus und Evelyn Scheuing wollen dabei besonders auf Tierwohl und Gentechnik-freie Fütterung vom eigenen Hof achten.

Rund 160 Kühe haben Scheuings in ihrer Fleckviehzucht-Herde. Der Hof wirtschaftet konventionell, aber der gesamte Betrieb ist Gentechnik-frei und liefert auch Milch an namhafte Firmen.

Zweinutzung-Rasse

Da Kühe, um Milch zu geben, immer wieder kalben müssen, stellt sich bei reinen Milchrassen die Frage, was mit den männlichen Kälbern geschieht. Hier liege der Vorteil in der Zweinutzungs-Rasse Fleckvieh: Familie Scheuing zieht den gesamten Nachwuchs ihrer Herde groß, ob männlich oder weiblich. In heutiger Zeit, wo männliche Kälber oft für ein paar Euro verkauft werden, sei das durchaus ein Thema, wenn es um Tierwohl geht.

Die Kälber wachsen der Familie zufolge in offenen, luftigen Ställen auf, liegen auf Stroh, haben Licht und Platz. „Das ist unser Jugend-Leistungszentrum“, sagt Markus Scheuing stolz und erklärt die Philosophie seiner Familie im Umgang mit den Tieren: „Wir haben viel in die Aufzucht und die Haltungsbedingungen investiert. Es soll den Tieren gut gehen. Sie kennen und vertrauen uns. Sie werden dadurch auch leistungsbereiter in der Milchproduktion und sie danken es uns, indem sie im Fleisch zulegen.“

Futter wird selbst angebaut

Das liegt auch am Futter. „Wir bauen alles selber an, in fünfgliedriger Fruchtfolge“, erklärt Markus Scheuing. Bis auf die Braugerste für die örtliche Brauerei wird alles an die Tiere verfüttert. Die Jungbullen für die Fleischproduktion werden Silage-frei gefüttert - mit Stroh, Heu, Getreidemischung und Körnermais. Dazu Leinsamen und Raps-Schrot als Eiweiß-Ergänzung. „Das erhöht den Anteil an Omega-3-Fettsäuren“, erklärt Evelyn Scheuing fachmännisch.

Letztendlich schließt sogar der Energiebedarf den Kreis: Was der Schieber aus dem Stall befördert, geht in die Biogasanlage, die nur mit Gülle und Mist arbeitet, ohne Zusatz von Getreide oder Mais. Mit 14 bis 15 Monaten sind die Tiere schlachtreif. Markus Scheuing bringt sie dann selber in einen Schlachthof nach Ulm. Dass der Hof als „Fleckviehzucht Familie Scheuing“ auftritt, sei bewusst gewählt: „Alle helfen mit: Das ist die Grundlage für unseren Erfolg, dass alle zusammenhelfen und zusammen schaffen. Es braucht die Leidenschaft der ganzen Familie, um in der Fleckviehzucht erfolgreich zu sein.“

So helfen die drei Töchter Maria (15 Jahre alt), Anna (13 Jahre) und Lena (zehn Jahre) neben der Schule täglich im Betrieb mit. Sie versorgen mit der Mutter die Kälbchen und bereiten die besten Kühe für die Zuchttier-Schauen vor, scheren und putzen sie.

Kann man bei so viel Tierliebe dann noch Rindfleisch essen? Ja, sagt Evelyn Scheuing: Vor allem Rindsrouladen seien in der Familie ausgesprochen beliebt. „Und Rostbraten“, ergänzt ihr Mann Markus: „Da könnte ich mich reinlegen.“