Funkmast

Umstrittene Funkmasten in Baindt sind abgebaut

Baindt / Lesedauer: 3 min

Streit um die Handymasten in der Gemeinde landete im Jahr 2003 sogar vor Gericht
Veröffentlicht:05.09.2016, 17:48
Aktualisiert:23.10.2019, 12:00

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Die umstrittenen zwei Funkmasten in Baindt sind abgebaut worden. Diese hatten in Baindt vor Jahren für heftigen Wirbel gesorgt. Der Eigentümer des Gebäudes aus der Thumbstraße 62 hat die Gemeindeverwaltung im Frühjahr über das Auslaufen des Vertragsverhältnisses mit Zeitpunkt Herbst 2016 informiert. Es handelt sich dabei um Handymasten der E-Plus-Gruppe, die 2014 in die O Telefónica übergegangen ist. Das heißt, seit 2014 ist O für die Masten zuständig.

Der Streit um die Handymasten hat Hunderte von Menschen auch im Landkreis Ravensburg bewegt. 2003 wollte ein Rentner aus Baindt vor der 2. Zivilkammer durchsetzen, dass die Masten auf einem Schreinereidach in der Nachbarschaft abmontiert werden, weil er befürchtete, dass die elektromagnetischen Strahlen der Handymasten negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Allerdings scheiterte der Rentner damals vor Gericht mit seinem Ansinnen, die Masten blieben.

Beklagt wurden damals nicht die Netzbetreiber, sondern der Schreiner, der sein Dach vermietet hatte. Der Schreiner wäre nach dem Ärger im Dorf mit der Bürgerinitiative zwar am liebsten von den Mietverträgen zurückgetreten, doch er konnte nicht raus aus dem Vertrag. Und die Netzbetreiber hatten natürlich keinerlei Interesse an der Auflösung ihrer Verträge. Mit mehreren Anwälten waren damals die Mobilfunkanbieter als Streithelfer vertreten.

Seit 1999 beziehungsweise 2001 sind die Anlagen auf dem Schreinereidach in Baindt in Betrieb, zwei weitere Antennen für UMTS sollten noch folgen. Der klagende Nachbar spürte damals nach seinen eigenen Aussagen gesundheitliche Beeinträchtigungen, die er auf elektromagnetische Strahlen zurückführt. Er sprach damals von nächtlichen „Hitzegefühlen, Kratzgefühlen und Ohrensausen wie bei einem Tinnitus“. Zudem litt der Mann unter Bluthochdruck, und zwar immer nur dann, wenn er zu Hause ist. Nach Auffassung des damals vorsitzenden Richters Wolfgang Tauch sei das allerdings nicht mess- und daher nicht beweisbar. Und die deutschen Grenzwerte für Mobilfunkstrahlung wurden in Baindt unterschritten.

„Die Gemeindeverwaltung Baindt plädierte stets dafür, den bisherigen Mobilfunkstandort Thumbstraße 62 auf die Sende- und Empfangsstation auf Flurstück 452 der DFMG GmbH in der Marsweiler Straße 122 zu verlagern“, antwortet Baindts Kämmerer Wolfgang Abele auf Nachfrage der „Schwäbischen Zeitung“. Laut Unterlagen der Verwaltung sind jetzt in der Gemarkung Baindt nur noch die Standorte Marsweiler Straße 89 und 122 vertreten.

Der Standort in der Marsweiler Straße 122 beziehungsweise der Sendemast wurde von der Deutsche Funkturm GmbH (DFMG) errichtet, eine Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom. Der Standort Marsweiler Straße 89 wurde bisher von Vodafone betrieben. Wie der Kämmerer mitteilt, war die E-Plus-Gruppe wohl auch am Standort Marsweiler Straße 89 mit GSM-Technik vertreten und der Standort Marsweiler Straße 122 war geplant.

Mitspracherecht und Grenzwerte

Seit 2013 müssen Funknetzbetreiber die Gemeinden aufgrund einer gesetzlichen Verpflichtung an der Standortentscheidung beteiligen. Dazu kann ein externer Gutachter hinzugezogen werden. Wichtig ist, dass der Gutachter Aussagen der Betreiberseite zu eventuell auftretenden Versorgungsnachteilen auf Plausibilität überprüft. Häufig können Reduktionen von 30 bis 70 Prozent der Strahlung erreicht werden. Lassen die Mobilfunkbetreiber Kompromissbereitschaft vermissen, können Kommunen über die Bauleitplanung Einfluss nehmen. Dies betrifft auch Anlagen unter zehn Meter Höhe. Für die Mobilfunkantennen gelten spezielle Grenzwerte, die in der elektrischen Feldstärke (Volt pro Meter) ausgedrückt werden. In Deutschland und anderen EU-Ländern beträgt diese 41 V/m, in Australien 27,5 V/m, in Russland 10 V/m und in Luxemburg sowie im belgischen Wallonien drei V/m. Das Umweltinstitut München sagt: Eine verlässliche Aussage zum Zusammenhang von Mobilfunk und Krebserkrankungen lässt sich nicht treffen. Die Weltgesundheitsorganisation stufte 2011 Mobilfunk-Strahlung als „möglicherweise krebserregend“ ein.

Quelle: Umweltinstitut München