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Wasserstoffbranche: Aus Baienfurter Start–up soll großer Player werden

Baienfurt/Markdorf / Lesedauer: 4 min

Das Start–up Cellform aus Baienfurt hat einen Investor gefunden. Das Unternehmen Albert Weber aus Markdorf soll Mehrheitseigner werden. Das hat Auswirkungen auf Baienfurt.
Veröffentlicht:07.07.2023, 07:00

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Das kleine Start–up Cellform Hydrogen GmbH aus Baienfurt kann jetzt in der Wasserstoffbranche so richtig durchstarten. Das junge Unternehmen hat sich auf die Produktion von sogenannten Bipolarplatten spezialisiert, die das Herzstück einer Brennstoffzelle bilden, die wiederum das Herzstück von mit Wasserstoff betriebenen Fahrzeugen ist. Jetzt haben die Baienfurter einen Investor gefunden, der Cellform nach vorne bringen will: Albert Weber aus Markdorf. Das bedeutet aber auch, dass Cellform nicht länger in Baienfurt sitzen wird.

Als die Entscheidung feststand, dass Albert Weber investieren wird, war das ein Grund zum Jubeln in Baienfurt. „Für uns ist das der absolut entscheidende Schritt, denn es war schon immer klar, dass wir einen Investor brauchen“, sagt Cellform–Geschäftsführer Simon Brugger. Zwar haben die Vertragsparteien Stillschweigen über die Investitionssumme vereinbart, aber sie sprechen von einem zweistelligen Millionenbetrag, der über die kommenden Jahre schrittweise in den Aufbau einer Großserienproduktion fließen soll.

Ziel: Umsatz in dreistelliger Millionenhöhe

Das Ziel ist ehrgeizig: Bis zum Jahr 2030 soll sich Cellform von momentan acht Beschäftigen auf etwa 30 bis 40 vergrößern und der Umsatz soll von derzeit noch unter einer Million Euro in den dreistelligen Millionenbereich steigen.

Die Investition sei dringend notwendig, um auf dem Markt wettbewerbsfähig zu bleiben. Simon Brugger: „Sowohl in Nordamerika als auch in Asien sind die Brennstoffzellenhersteller näher dran als die in Europa. Und unsere Kunden sitzen hauptsächlich in Nordamerika. Das ist der Markt, mit dem wir uns messen müssen.“ In den nächsten vier Jahren will man es bei Cellform über die Vorserienanlage zur Großserienanlage schaffen, damit die Produktion von 20 Millionen Bipolarplatten erreicht werden kann. Das sei nötig, um künftig weiterhin Aufträge zu bekommen, da die Nachfrage auf dem Markt stetig wachse.

Cellform hat eigenes Verfahren entwickelt

In einem Brennstoffzellenauto sind etwa 400 bis 500 solcher Bipolarplatten verbaut. Diese Bipolarplatten ermöglichen erst die elektrochemische Reaktion zwischen Wasserstoff und Sauerstoff, so dass Energie für den Elektromotor des Wagens entsteht. Allerdings hat die Wasserstofftechnologie den großen Nachteil, dass die Herstellung dieser Platten teuer ist.

Cellform hat ein Verfahren entwickelt, das die Herstellung der Platten bedeutend kostengünstiger macht und zudem deren technische Gestaltungsmöglichkeiten erweitert. Einerseits sinken somit die Herstellungskosten und andererseits steigt die Gesamtenergieeffizienz.

Umzug nach Markdorf steht fest

Doch in Baienfurt ist die geplante Erweiterung nicht möglich. Deswegen wird Cellform zum Jahreswechsel 2023/2024 von Baienfurt nach Markdorf umziehen. Das ist gesetzt. Ob neu gebaut wird oder ob bestehende Gebäude von Albert Weber genutzt werden, sei noch in der Diskussion. „Wir sind jedenfalls froh, dass wir einen Investor aus der Region gefunden haben und hier bleiben können. So bleiben die Wege kurz“, sagt Brugger.

Cellform ist eine Ausgründung des Baienfurter Werkzeugherstellers Gebhardt. Zudem sind der Laserschweiß-Spezialist Askea aus Amtzell und der Pressen– und Anlagenbauer Hagel aus Grünkraut im Boot. Alle drei Muttergesellschaften bleiben an Cellform beteiligt, wobei Albert Weber perspektivisch zum Mehrheitseigner wird.

Albert Weber international etabliert

Das Unternehmen Albert Weber fertigt seit über 50 Jahren komplexe Antriebskomponenten für die Automobilindustrie und ist laut eigenen Angaben mit verschiedensten Unternehmen und Technologien als Zulieferer der Fahrzeugbranche am internationalen Markt etabliert. Die traditionelle Metallverarbeitung in Guss, Bearbeitung und Montage wird nun in Richtung neuer Mobilität und Energie transformiert. Das Markdorfer Unternehmen produziert in mehreren Werken in Deutschland sowie einem in Ungarn. Hinter dem Unternehmen stehen Gründer Albert Weber und seine Familie aus Markdorf.

Unter der Vision „Emission Zero“ habe sich Albert Weber zum Ziel gesetzt, bis 2040 ausschließlich Produkte für emissionsfreie Anwendungen in einer emissionsfreien Umgebung herzustellen, heißt es in einer Pressemitteilung. Dazu passt auch Cellform.

Cellform schon zweimal ausgezeichnet

Der Kontakt zwischen Cellform und Albert Weber sei über die Volksbank Altshausen zustande gekommen. Ende Juni sind die Baienfurter erst im Rahmen des VR–Innnovationspreises Mittelstand der Volks– und Raiffeisenbanken mit dem Förderpreis ausgezeichnet worden. In einer Pressemitteilung des baden–württembergischen Genossenschaftsverbandes heißt es, die Produkte der Baienfurter könnten „Wegbereiter für den Durchbruch der Wasserstofftechnologie“ sein.

2022 wurde dem Unternehmen bereits der „Energy Globe Award Germany“ im Bereich der Produktion von Bipolarplatten verliehen.