Wespe

Wespen lassen sich kaum blicken

Bad Waldsee / Lesedauer: 3 min

Schädlingsbekämpfer entsorgt in diesem Sommer nur 100 Wespennester statt 700
Veröffentlicht:04.09.2012, 10:00
Aktualisiert:25.10.2019, 06:00

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Das Eis in der Hand, den Kuchen auf dem Teller. Wunderbar. Aber irgendetwas hat in diesem Sommer doch gefehlt. Den SZ-Lesern ist es aufgefallen: „Wo bleiben in diesem Jahr die Wespen“, wurde in E-Mails an die Redaktion gefragt. Gab es in diesem Sommer wirklich weniger Wespen als sonst?

Die SZ ist dieser Frage nachgegangen. Und das am passendsten Ort, den es in Bad Waldsee gibt: im Wespenmoos. Hier hat die Firma Fleschhut , Schädlingsbekämpfung ihren Sitz. „Wir hatten in diesem Sommer wirklich weniger Wespen als sonst“, bestätigt Geschäftsführer Thilo Fleschhut sofort. „In den letzten Jahren waren die Wespen eine regelrechte Plage. Dieses Jahr war das anders.“

Die Firma Fleschhut entfernt Wespennest in ganz Oberschwaben und auch im Bodenseekreis. Im vergangenen Jahr haben die Mitarbeiter zwischen 600 und 700 Wespennester entfernt. „Es ist sogar gut möglich, dass es noch mehr waren“, sagt Fleschhut. In diesem Jahr haben die Mitarbeiter der Firma noch keine 100 Wespennester entsorgt. „Vielleicht liegt das an diesen extrem kalten Wochen im Februar“, sagt Fleschhut.

Diplombiologin Margit Ackermann, stellvertretende Vorsitzende beim BUND in Bad Waldsee , kann diese Theorie bestätigen. „Wir hatten im Februar ja teilweise bis zu minus 20 Grad. Bei den Wespen überwintern ja nur die Königinnen. Es kann gut sein, dass sie das kalte Wetter nicht überlebt haben.“

Während das Wetter offensichtlich schlecht für die Wespen war, war es hingegen gut für andere Tiere: „Wir haben in diesem Jahr extrem viele Nager. Mäuse und Ratten“, sagt Thilo Fleschhut. „Das liegt wahrscheinlich an den fehlenden Naturfeinden.“ Völlig untypisch sei auch, dass viele der Nager bereits so früh im Jahr in die Häuser drängen. Zehn bis 15 Einsätze haben die fünf Mitarbeiter des Betriebs wegen der Nager täglich. „Das Problem ist auch, dass die Leute heute sehr viel kompostieren oder Müll über die Toilette entsorgen“, sagt Fleschhut. Das locke die Tiere natürlich an. „Wir hatten einige Fälle, bei denen Ratten über die Toilette ins Haus gelangten. So etwas gab es früher nicht.“

Aber zurück zu den Wespen. „Es gibt auch harmlose Wespen, die man nicht bekämpfen muss“, sagt Fleschhut. Dazu gehöre beispielsweise die Feldwespe. „Das sind die, die ihre Nester oft unter Dachplatten haben. Sie gehen nicht auf Fleisch und freuen sich einfach an der Sonne. Diese Art von Wespen stirbt Ende August.“ Man könne die Feldwespe daran erkennen, dass sie während des Flugs lässig die Hinterbeine hängen lässt.

Aggressiv sind dagegen die Gemeine und die Deutsche Wespe. Die Aufmerksamkeit dieser Arten sollte man nicht unbedingt auf sich ziehen. Darum rät Fleschhut: nicht in der Einflugrichtung zum Nest stehen, keine grellen Farben tragen und auf starke Parfüms verzichten.

Davon, ein Nest dieser Arten selbst zu entfernen, rät er ab. „Wir hatten schon oft Leute, die bei uns einen Spray gekauft haben, um selbst ein Wespennest zu entfernen, und die dann am nächsten Tag total verstochen wiederkamen und doch Hilfe brauchten.“

Im Falle eines Wespennests solle man sich an einen Fachmann wenden. Auch die Feuerwehr kann in diesem Fall helfen. Gemeine und Deutsche Wespen dürfen laut Fleschhut abgetötet werden. Anders ist das bei Hornissen. Deren Nester müssen umgesiedelt werden, weil die Tiere geschützt sind. „Das machen wir aber nicht selbst“, sagt Fleschhut. Dafür gebe es noch mal extra Experten.