Schmelztiegel

Bad Waldseer in Katar: „So einen extremen Schmelztiegel der Kulturen gab es noch nie“

Bad Waldsee / Lesedauer: 3 min

Bad Waldseer Fußballfan Hajo Leuter berichtet von besonderer Stimmung in Katar
Veröffentlicht:01.12.2022, 18:00
Aktualisiert:02.12.2022, 07:08

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Hajo Leuter aus Bad Waldsee ist als Fan der deutschen Nationalmannschaft mehrere Wochen in Katar unterwegs. Es gebe zwar kaum Alkohol, berichtet er aus dem Wüstenstaat. Die Stimmung bei der umstrittenen WM sei dennoch sehr speziell.

Viel Sightseeing habe er noch nicht gemacht, sagt Hajo Leuter. Er sei zwar schon die Promenade entlang gelaufen, und habe sich das Vorzeige-Stadtbauprojekt Lusail angeschaut, der Fokus der letzten Tage lag jedoch eindeutig auf dem Fußball. „Es ist Vorrunde, da schauen wir uns jeden Tag Spiele an. Egal ob im Stadion, im Fan-Camp oder auf der Fan-Meile.“

Hajo Leuter aus Bad Waldsee ist seit 45 Jahren als Fan des VfB Stuttgart in deutschen und europäischen Stadien unterwegs. Sein erstes Länderspiel besuchte er 1982 bei der Weltmeisterschaft in Spanien – seither hat er laut eigener Aussage nur eine WM verpasst. Bei seinen Stadionbesuchen fällt Leuter immer wieder mit seiner Bad Waldsee-Zaunfahne auf.

Auch für dieses Turnier habe er keine Mühen gescheut und unter anderem den Deutschen Fußballbund angerufen, um der Zaunfahne einen guten Platz zu erkämpfen. Und so hängt die Zaunfahne, gut sichtbar für die Fernseherzuschauer nun auch in Katar .

Hier spielt sich alles im Umkreis von 30 bis 40 Kilometern ab.

Hajo Leuter

„Katar ist kein Fußballland, das merkt man sofort“, berichtet Leuter aus dem Wüstenstaat. Im Vergleich zu seinen anderen Reisen nach Brasilien oder England sei dies nun eine komplett neue Erfahrung. Eine besondere Auffälligkeit: Man bekomme kaum Alkohol, wenn überhaupt in noblen Hotels. Lauter hat tatsächlich noch keinen betrunkenen Fan gesehen.

Trotz der Kritik habe die Weltmeisterschaft aber auch viele positive Seiten. Die Fans, die in den Wüstenstaat gereist sind, seien keine Fans, sondern Fußballverrückte, sagt Leuter und lacht. „Es ist ein riesiger Schmelztiegel der Nationen. Das war nirgends so extrem wie hier.“

Die Erklärung dafür ist simpel: „In Russland musste man beispielsweise tausende Kilometer von einem Stadion zum anderen fahren. Hier spielt sich alles im Umkreis von 30 bis 40 Kilometern ab.“

Die Kataris selbst seien herzlich und freundlich, versichert Leuter. Viele seien sich bewusst, welche Chance die WM ihrem Land bietet. Von der Ungleichheit im Land würden die Fans derweil wenig mitbekommen. Womit man bei der Kritik am Gastgeberland und der WM-Vergabe des Fußballverbandes FIFA wäre.

„Politisch sehe ich das alles auch nicht positiv“, sagt Hajo Leuter. Für ihn stehen jedoch andere Dinge im Vordergrund. Er sei Fan, Mitglied des offiziellen Fanclubs der Nationalmannschaft – die Unterstützung des Teams während der Spiele sei ihm einfach ein wichtiges Anliegen. Außerdem habe ihn die Liebe zum Fußball wieder zur WM und diesmal eben nach Katar getrieben.

Der Waldseer erzählt zudem, dass er sich den WM-Besuch nicht erst in den vergangenen Wochen überlegt habe. „Das ist ein Jahr Planung“, sagt Leuter. Einer seiner Begleiter habe fünf Jahre auf diese Reise gespart. Die Frage Boykott oder nicht habe er also schon vor langer Zeit beantworten müssen.

Am Abend geht es für Hajo Leuter und die anderen Deutschlandfans ins Al Bayt Stadium zum entscheidenden Spiel gegen Costa Rica. Egal ob die Nationalmannschaft aus dem Turnier fliegt oder nicht, Hajo Leuter bleibt auf jeden Fall noch mindestens eineinhalb Wochen in Katar.

Er hat Tickets für die kommenden Spiele der Schweiz und der Niederlande. Und vielleicht geht es ja auch mit der deutschen Mannschaft bis ins Finalspiel, so Leuter. Eines steht für ihn aber schon fest: Während der K.-o.-Phase werde er mehr Zeit für Sightseeing haben.