StartseiteRegionalOberschwabenBad WaldseeDieses rote Band sorgt in der Waldseer Altstadt für riesigen Ärger

Manche sehen Rot

Dieses rote Band sorgt in der Waldseer Altstadt für riesigen Ärger

Bad Waldsee / Lesedauer: 3 min

Das Mobilitätsband für Menschen mit Behinderung wurde eigentlich vorbildlich umgesetzt. Doch es wird nun vor allem von einer Personengruppe genutzt, die darauf nicht verloren hat.
Veröffentlicht:07.12.2023, 05:00

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Dabei war die Stadt bei der Entwicklung des Konzepts „Altstadt für Alle“ und insbesondere des barrierefreien Asphaltstreifens, gründlich vorgegangen. Kein theoretischer Entwurf auf dem Papier, nein, alle Gruppen, für die der Streifen gedacht war, holte sie mit ins Boot.

Helmut Brecht als Vorsitzender des Stadtseniorenrats lief mit Senioren die leicht buckeligen Pflasterstraßen hoch und runter, Beauftrage für Menschen mit Behinderung prüften die Oberflächenstruktur, die Höhe und Farbe.

Rehapatienten testeten den Belag mit gummibenoppten Krücken auf Rutschfestigkeit. Es gab sogar zwei Teststrecken mit unterschiedlichen Belägen, über die jede Person laufen oder rollen durfte und ihren Eindruck mitteilen. So weit, so gut.

Es gab viel Ärger wegen des Mobilitätsbands

Verwirrung und auch Ärger gab es trotzdem. Vor allem die helle rötliche Farbe scheint bei vielen Radfahrern zu signalisieren: Das ist ein Radweg. Gemächlich vor sich hinschiebende Menschen mit Rollatoren wirken auf sie fast wie ein Ärgernis, das es wegzuklingeln gilt.

So sah die Wurzacher Straße vor der Umgestaltung aus. Die Vorderräder der Rollatoren verkanteten sich häufig im Pflaster.
So sah die Wurzacher Straße vor der Umgestaltung aus. Die Vorderräder der Rollatoren verkanteten sich häufig im Pflaster. (Foto: Wolfgang Heyer)

Brecht ist darüber erbost. Wenn ein Fußgänger sich anhören müsse „Aus dem Weg, wir rollen dich um“, dann müsse etwas unternommen werden. Dabei sei es häufig aus völliger Unkenntnis heraus passiert, versucht er Verständnis für die Radfahrer aufzubringen.

Allen wird man nie gerecht werden können. Das wird beim Austausch dreier Menschen auf dem Platz vor dem Rathaus deutlich. Andreas Brade steht mit seiner Frau Birgit und seiner Schwester Angelika Drescher-Fuchs am Brunnen. Drei Interessensgruppen auf einem Fleck. Birgit Brade sitzt im Rollstuhl, ihr Mann schiebt sie.

Drescher-Fuchs ist mit dem Rad unterwegs. Andreas Brade ist von dem Streifen begeistert, aber auch er hat festgestellt, dass Radfahrer jetzt der Meinung wären, es sei ihr Weg. Drescher-Fuchs wirft energisch ein: „Das wurde schon berichtet, dass es kein Radweg ist.“ Was für viele Waldseer inzwischen bekannt ist, ist für Menschen von außerhalb nicht intuitiv zu erkennen.

Symbole versus Schilder

Symbole seien grundsätzlich gut, finden die Brades, doch welches Piktogramm solle man wählen? Drescher-Fuchs hält gar nichts von Symbolen auf dem Rot. Birgit Brade schlägt sowohl einen Rollstuhl als auch ein Fahrrad vor. Ihr Mann ist davon aber nicht so überzeugt. „Ich weiß nicht, am Ende heißt es, nur Rollstühle dürften darauf fahren“, gibt er zu bedenken. Schilder lehnen alle drei ab.

Schlechte Erfahrungen mit Schildern hat auch der Stadtseniorenrat in der Vergangenheit gemacht. Am Uferweg des Stadtsees hatte man nach längerem Ringen Schilder aufstellen lassen, die zeigen sollten, dass der Weg nur für Fußgänger gedacht sei, Kinder bis 12 Jahren ausgenommen. Erfolg? Fehlanzeige.

Stadt plant Piktogramme

Die Verwirrung um den rötlichen Streifen möchte die Stadt nun korrigieren. Geplant sind Flyer, sowohl digital als auch analog, die klar machen, für wen das rote Band gilt - nämlich für alle. Zusätzlich sollen an den Startpunkten an den Rändern der Altstadt Piktogramme aufgemalt werden. Was dort zu sehen sein wird, ging aus der Information der Stadt nicht hervor. So viel ließ die Pressestelle wissen: „Die Piktogramme sollen sowohl Radfahrern als auch Fußgängern verdeutlichen, dass das Mobilitätsband für alle Verkehrsteilnehmer nutzbar ist.“

Ob die neuen Piktogramme für ein reibungsloseres Miteinander sorgen, wird sich zeigen. Insgesamt ist der Streifen eine gute Sache. Brade fasst es so zusammen: „Das ist nicht gut, das ist super.“