Spendenlauf

Philipp Zitterbart erreicht nach 640 Kilometern Bad Waldsee

Bad Waldsee / Lesedauer: 4 min

Bei seinem Spendenlauf von Berlin nach Bad Waldsee sammelt er mehr als 1000 Euro
Veröffentlicht:31.08.2014, 20:07
Aktualisiert:24.10.2019, 10:00

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Am Samstag um 13 Uhr ist es endlich soweit gewesen. Philipp Zitterbart hat sein Ziel erreicht. In 14 Tagen legte er eine Strecke von 640 Kilometer zurück, sprich er lief von Berlin nach Bad Waldsee . „Es war einfach nur cool, heute in die Heimat einzulaufen und die eigene Begeisterung zu fühlen. Und ganz besonders war der große Empfang meiner Familie und Freunde vor dem Czardas. Als ich hier vorbei kam, erntete ich einen großen Applaus“, sagt Zitterbart, lächelt dabei und betont, dass sein Gefühl bei der Ankunft kaum in Worte zu fassen sei.

Der Startschuss war am 18. August am Brandenburger Tor in Berlin gefallen. In den ersten fünf Tagen lief der Bad Waldseer täglich 50 bis 55 Kilometer. „Am Anfang wollte ich längere Distanzen laufen, damit ich am Ende bei Kräftemangel einen Puffer habe“, erklärt Zitterbart. Er erinnert sich zurück, dass es täglich ab Kilometer 35 eine Qual wurde, weiter zu laufen. „In den letzten Tagen schmerzten die Knie und Schienbeine. Es kostete mich morgens zum Teil große Überwindung weiter zu laufen. Aber ich hab mich durchgebissen“, freut er sich. Vor allem in den letzten beiden Tagen kämpfte Zitterbart mit einer zusätzlichen Herausforderung: „Ich war erkältet und der Körper wollte einfach nicht mehr. Nur der Kopf sagte, du bist so nah an deinem Ziel, jetzt kannst du nicht mehr aufgeben“.

Die ersten zehn Tage absolvierte Zitterbart die täglichen Etappen alleine: „Man beschäftigt sich so mit dem Willen sein Ziel zu erreichen und den Körper zu zwingen, es durchzuziehen, dass man alles andere ausblendet. Manchmal konnte ich mich am Abend gar nicht mehr an die Tagesetappe erinnern.“

Freunde laufen mit

Erste Heimatgefühle gab es für den Schwaben in Gingen an der Brenz. „Hier saß ich beim Abendessen und am Nebentisch wurde Schwäbisch gesprochen. Das war Heimat“. Um den Spendenläufern auf den letzten Kilometern noch zu unterstützen, entschlossen sich Alessandro De Luca, Michaela Madlener, Patrick Friedrich und Matthias Baur, ihn vier Tage lang zu begleiten und beim Laufen zu unterhalten. Am Samstag schloss sich zusätzlich der 15-jährige Julian Maucher an. Für die letzte Laufstrecke brach die kleine Läufergruppe am Samstag in Ummendorf auf. Ein kurzer Zwischenstopp wurde dann im Gasthof Kreuz in Mattenhaus eingelegt. Hier gab es zur Stärkung einen Zwiebelrostbraten. Überglücklich wurden dann Bilder am Ortsschild „Bad Waldsee“ geschossen und mit einem Lachen auf den Lippen ging es durch die Innenstadt. Ziel erreicht – trotz einigen Hürden auf der Strecke.

Die Tagesetappen gestalteten sich nicht immer ganz einfach. „Es gab einige Regentage. Da kam ich abends klatschnass in meiner Unterkunft an und wollte nur noch meine Kleider trocknen. Trotzdem waren die Schuhe am nächsten Morgen noch feucht. Das kostete viel Überwindung, in diesen Schuhen weiter zu laufen“, erklärt Zitterbart. Egal ob Muskelkater, nasse Schuhe oder die eine oder andere Blase, er hat es durchgezogen und ist jeden Morgen zu seinen Etappen aufgebrochen.

Zitterbart weiß, dass seine Freunde und die vielen Fans die mit Nachrichten, Glückwünschen und gedrückten Daumen hinter ihm standen, eine große Motivation waren. „Durch diese Unterstützung merkt man erst, wie wichtig der soziale Hintergrund ist.“ Auch der Zweck, der hinter dem Lauf steckte, war für ihn motivierend. Der Spendenlauf brachte über 1000 Euro auf das Spendenkonto für die „Radio 7 Drachenkinder“ und „Viva con Agua de Sankt Pauli“. Darüber ist der 25-Jährige mehr als glücklich.

Nächstes Mal: Vorbereiten

Fragt sich, ob er einen solchen Spendenlauf künftig nochmal antreten wird. „Diese Strecke werde ich nicht mehr laufen, aber vielleicht eine andere. Sicher ist, dass ich die Institutionen weiter unterstützen werde. Und in einem Punkt bin ich mir auch sicher: Das nächste Mal werde ich mich besser vorbereiten, denn 50 Kilometer am Tag ist weiter als man glaubt.“

Zitterbart hat durch den Spendenlauf auch gemerkt, wie weit der Mensch gehen kann, wenn ein Wille da ist und der Körper eigentlich nicht mehr will. Vorerst, verrät er, möchte er jetzt aber erst einmal so wenig gehen wie möglich.