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Bürgerveranstaltung

„Haben nichts zu verlieren“: Neue Demonstration für das Waldseer Krankenhaus

Bad Waldsee / Lesedauer: 3 min

Stadt und Bürgerinitiative rufen zu Versammlung am Sonntag, 2. Oktober, um 15 Uhr auf dem Gut-Betha-Platz auf
Veröffentlicht:27.09.2022, 12:00

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Mit einem deutlichen Zeichen möchte sich die Waldseer Stadtverwaltung sowie die Bürgerinitiative Krankenhaus Bad Waldsee nochmals für den Erhalt der örtlichen Klinik starkmachen und veranstaltet daher am Sonntag, 2. Oktober, um 15 Uhr eine Bürgerveranstaltung. Unter dem Titel „Operation Krankenhaus“ findet eine „Notfallsprechstunde“ auf dem Gut-Betha-Platz statt.

Das Waldseer Krankenhaus doch noch retten

Wie Oberbürgermeister Matthias Henne in der Gemeinderatssitzung am Montagabend neuerlich betonte, seien die aktuellen Entwicklungen innerhalb der Oberschwabenklinik (OSK) besorgniserregend. In Bad Waldsee werden nach der Schließung der Klinik Versorgungslücken befürchtet. Daher möchten sich die Stadtspitze und die Bürgerinitiative weiterhin für eine gute Gesundheitsversorgung einsetzen und rufen alle Waldseer und Interessierten zur Teilnahme an der „Notfallsprechstunde“ auf.

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„Durch die neuesten Entwicklungen sehen wir alle, dass die Grund- und Notfallversorgung so nicht funktionieren kann. Deshalb sind wir der Meinung, dass das Bad Waldsee Krankenhaus erhalten werden muss“, heißt es aus dem Rathaus. Die Verantwortlichen erhoffen sich, die Kreisräte zu einem Umdenken zu bewegen und eine Anpassung des medizinischen OSK-Konzeptes herbeizuführen.

„Wir können nur etwas gewinnen“

Thomas Bertele , Sprecher der Bürgerinitiative, hebt Bad Waldsees neuen Status als Große Kreisstadt hervor und da wolle man „sich nicht durch die Aussagen aus Ravensburg einschüchtern oder ausbremsen lassen“. Zuletzt hatten OSK, Landrat und mehrere Fraktionsvorsitzende des Kreistags sich dafür ausgesprochen, am Schließungsbeschluss des Waldseer Krankenhauses festzuhalten. Und dennoch lassen sich die Waldseer davon nicht entmutigen. „Wir haben nichts zu verlieren und können nur etwas gewinnen. Bad Waldsee und die umliegende Region ist ein gewichtiger Teil des Landkreises Ravensburg und sollte auch so agieren“, erklärt Bertele.

Unterstützung erhält Bertele von FW-Stadtrat und Mitglied der Bürgerinitiative, Franz Daiber . Während der Gemeinderatssitzung entkräftete er die Argumente, die für eine Schließung der örtlichen Klinik in Anbetracht der deutschlandweit angespannten Krankenhauslage sprechen würden. Zum Thema Fachkräftemangel ließ Daiber wissen, dass „im Krankenhaus Bad Waldsee kein akuter Personalmangel bestand“.

Auch das Thema Kosten wiegelte er ab und rief in Erinnerung, dass die Klinik „in den letzten Jahren kostenneutral oder mit Gewinn abgeschlossen hat“. Seine Frage lautete: „Wenn ich eine Firma mit drei Abteilungen habe, mach ich dann zuerst diese zu?“ Außerdem stellte er infrage, ob die Waldseer Patienten wirklich alle im Elisabethen-Krankenhaus in Ravensburg aufgenommen werden können, wenn dort nicht alle Betten zur Verfügung stehen. Auch Daiber rief zur Teilnahme an der Bürgerveranstaltung am Sonntag auf.

Die Sichtweise eines Krankenhaus-Mitarbeiters

Karl Schmidberger, SPD-Stadtrat und Mitarbeiter im Waldseer Krankenhaus, dankte für den erneuten Versuch, die Schließung doch zu verhindern. Er mahnte jedoch an, dass es sehr schnell einen Beschluss dazu geben müsse. „Denn irgendwann sind wir am Kipppunkt, wo nicht mehr der Kreistag entscheidet, sondern die Füße der Mitarbeiter“, so Schmidberger und meinte damit weitere drohende Kündigungen.

Es gibt dann auch ein Motivationsproblem, den Karren, der im Dreck hängt, weiter anzuziehen,

zeigt Schmidberger die Arbeitssituation in der Klinik auf.

Bekanntlich wird das Haus im Herbst 2023 komplett schließen. Es machen aber bereits Gerüchte und vor allem Sorgen die Runde, wonach das örtliche Krankenhaus früher geschlossen werden könnte.