Urlaubsland

Italiener in Bad Waldsee und Aulendorf hoffen auf Stabilität in der Heimat

Bad Waldsee / Lesedauer: 3 min

Italiener in Bad Waldsee und Aulendorf hoffen auf Stabilität in der Heimat
Veröffentlicht:28.02.2013, 12:05
Aktualisiert:25.10.2019, 02:00

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Deutschland blickt sorgenvoll nach Italien, weil sich dort die Regierungsbildung nach den Parlamentswahlen äußerst schwierig gestaltet. Dabei benötigt das beliebte Urlaubsland aufgrund seiner wirtschaftlichen Probleme dringend eine stabile Regierung. Was sagen italienische Staatsbürger, die seit Jahren in Bad Waldsee und Aulendorf leben, zum aktuellen Polit-Desaster in ihrem Heimatland? Die Schwäbische Zeitung hörte sich um.

„Das ist doch eine alberne Wahl-Show gewesen. Meine Landsleute in Italien sind zu ignorant um zu verstehen, welches Spiel Leute wie Berlusconi mit ihnen treiben.“ Der Sizilianer , Inhaber der Pizzeria Da Capo in der Wurzacher Straße, lebt zwar seit 16 Jahren in Deutschland, ist im Moment aber dennoch sehr aufgewühlt ob der Geschehnisse in seiner Heimat. „Es ist unglaublich, dass jemand wie Berlusconi trotz aller Korruptions- und ‚Bunga-Bunga‛-Vorwürfe so viele Stimmen bekommen hat. Dabei war einzig Mario Monti auf dem richtigen Weg mit seinem harten Sparkurs. Der war zwar bitter für die Leute, aber notwendig, um die Finanzen zu konsolidieren“, weiß Battiato. Er sorgt sich um „dieses schöne Land, das so reich ist an Kultur, aber Gefahr läuft, von den falschen Leuten regiert zu werden“. Nun ist der gelernte Koch gespannt darauf, wie Italien zu einer stabilen Regierung findet angesichts solcher Voraussetzungen.

Paolo Coatti lebt seit 25 Jahren in Bad Waldsee und auch er hatte eine „sehr, sehr schlechte Nacht am Montag“, nachdem sich bereits kurz nach Schließung der Wahllokale in Italien abzeichnete, wie schwierig die Regierungsbildung werden würde. „Berlusconi hat die Leute erneut mit rechtspopulistischen Sprüchen und leeren Versprechen verführt, das ist bitter.“ Seine Fernsehsender bestimmten in Italien das öffentliche Meinungsbild und nachdem viele Menschen aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Prognosen ohne Perspektive seien, „haben sie auf den Falschen gesetzt und hoffen auf Wunder, die es nicht geben wird“, weiß der politisch interessierte Coatti, der aus dem Trentino kommt. Er hofft nun auf ein Bündnis der Mitte links-Regierung Bersanis und der Bewegung Fünf Sterne von Beppo Grillo . „Er ist nicht der Polit-Clown, wie es im Ausland über ihn heißt, denn die Bewegung hat gute demokratische Ansätze und benennt die Probleme beim Namen.“ Paolo Coatti hat aber auch Vertrauen in die Mentalität der Italiener. „Sie sind Künstler und Meister im Improvisieren und das ist jetzt wieder einmal notwendig nach diesen Wahlen.“

Die Wahl in Italien ist auch Thema im Eiscafé Schloss in Aulendorf. „Beppo Grillo ist für mich ein Schreihals – mehr ist er nicht wert. So lange Italien Grillo wählt, ist das sehr traurig“, sagt Inhaber Pepe . Die Italiener wüssten genau, dass dieser nicht in der Lage sei, das Land zu regieren. „Wir brauchen jemanden wir Angela Merkel“, sagt Pepe. Dann hätte Italien eine Chance in Europa. „Mario Monti wäre der richtige Mann gewesen, der uns in Europa präsentieren kann. Weder Berlusconi noch Grillo können das“, sagt Pepe. Er rechnet damit, dass es entweder eine Koalition zwischen Berlusconi und Bersani gibt oder Neuwahlen. „Aber Neuwahlen kosten Italien Geld, richtig viel Geld“, sagt er. Für Äußerungen des SPD-Kanzlerkandidats Peer Steinbrück, der Berlusconi und Grillo als Clowns verspottete hatte, hat Pepe kein Verständnis. „Das war von Steinbrück in die Luft geschossen. Egal, wie die Wahl gelaufen ist, da muss man Respekt haben“, sagt er.