Gemeinderatsbeschluss

Hotelier zu Rasthof-Plänen: „Innenstadt wird ausbluten“

Bad Waldsee / Lesedauer: 3 min

Ein Mattenhauser Hotelier und Dehoga-Ortsstellensprecher sieht das Konzept und die Entscheidung kritisch. Er hätte sich gewünscht, dass die Gemeinderäte die Meinung der Gastronomen im Vorfeld einho...
Veröffentlicht:27.02.2019, 17:03
Aktualisiert:22.10.2019, 12:00

Von:
Artikel teilen:

Über den positiven Gemeinderatsbeschluss zu den Rasthof-Plänen an der „Abfahrt B 30 Nord“ wird in Bad Waldsee derzeit viel diskutiert. Die Dehoga-Ortsstelle hat sich bereits vor der Sitzung klar gegen das Konzept ausgesprochen. Wie die Gastronomen die Entscheidung aufgenommen haben, hat Wolfgang Heyer bei Horst Schmidt, stellvertretender Vorsitzender der Dehoga-Ortsstelle und Inhaber des „Hotel-Landgasthof Kreuz“ in Mattenhaus, erfragt.

Herr Schmidt, was sagen Sie dazu, dass der Gemeinderat den Rasthof-Plänen grünes Licht gegeben hat?

Mir ist aufgefallen, dass im Vorhinein nur der Investor zu einem Gespräch mit den Gemeinderäten eingeladen wurde, nicht aber die Gastronomen. Es ist schade, dass wir im Vorfeld nicht gehört wurden und unsere Stellungnahme aus Eigeninitiative heraus abgeben mussten.

Was stört Sie an den Rasthofen-Plänen besonders? Gibt es ein Detail oder ist es der Plan im Gesamten?

Als Argumentation wird immer gesagt, dass Konkurrenz das Geschäft belebt. Aber bei der Größenordnung des Hotels, mit rund 160 Betten, ist das schon deutlich mehr als nur Konkurrenz – das ist eine richtige Hausnummer. Und auch das Argument, dass dort dann vor allem „Durchreisende“ übernachten würden, ist für mich nicht nachvollziehbar. Bei uns im Hotel kommen maximal ein, zwei „Durchreisende“ pro Woche als „Walk-In-Gäste“, die mal nach einem freien Zimmer fragen. Auch sollte man die durchschnittliche Bettenauslastung der Hotels,Gasthöfe und Pensionen von knapp 33 Prozent berücksichtigen. Die B 30 ist eben keine Autobahn, sondern eine Bundesstraße. Hier sind vor allem Ortskundige unterwegs. Der überschaubare Anteil der durchreisenden Gäste wird bereits von der bestehenden Hotellerie abgedeckt.

Was halten Sie vom Standort an der „Abfahrt B 30 Nord“?

Ich würde mich freuen, wenn dort ein zukunftsgerichtetes Projekt verwirklicht werden würde – beispielsweise etwas mit Handwerk oder ein Start-Up-Unternehmen.

Sie waren bei der Sitzung anwesend. Wie haben Sie die Diskussion dazu wahrgenommen?

Schade finde ich, dass die Variante „Rasthof ohne Hotel“ gar nicht erst zur Abstimmung gekommen ist. Ich hatte das Gefühl, dass für die Gemeinderäte schon vor der Abstimmung klar war, wie sie sich entscheiden werden.

Im Zuge der öffentlichen Auslegung des Aufstellungsbeschlusses können Stellungnahmen abgegeben werden. Ist davon auszugehen, dass darunter auch ein Schriftstück der Dehoga-Ortsstelle zu finden sein wird?

Ja, natürlich. Wir sind nach wie vor der Meinung, dass der Rasthof der Stadt Bad Waldsee schadet und extrem viel Druck auf die Hotelerie/Pensionen ausgeübt wird. Der Rasthof ist kein Zukunftsprojekt, sondern ein Verdrängungsprojekt für das bestehende Gewerbe. Das Konzept trägt eher dazu bei, dass die Innenstadt ausblutet. Und die Gewerbesteuereinnahmen werden durch das Projekt auch nicht sprudeln, da eine Umverteilung erfolgen wird.

Der Großteil der SZ-Umfrageteilnehmer befürwortet den Rasthof? 500 von 700 Teilnehmern sind dafür. Was sagen Sie dazu?

Ich denke, alle Teilnehmer haben in erster Linie für den Rasthof und den McDonald’s abgestimmt und nicht für das große Hotelprojekt. Ähnlich war die Stimmungslage im Gemeinderat, dort war ein erheblicher Anteil für Tankstelle und McDonald’s, jedoch gegen das Hotel.