Darmbakterium

Ehec: Krise stärkt regionale Erzeuger

Bad Waldsee / Lesedauer: 3 min

Ehec: Krise stärkt regionale Erzeuger
Veröffentlicht:31.05.2011, 11:50
Aktualisiert:25.10.2019, 18:00

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Gurken-Gefahr und Tomaten-Terror? Im Norden der Republik vielleicht, nicht jedoch auf dem Waldseer Wochenmarkt. Die Kundschaft zeigte sich hier weitgehend unbeeindruckt vom Darmbakterium Ehec und der latenten Gefahr, die in Gurken spanischer Herkunft lauern könnte.

Ist der Verbraucher im Süden der Republik also gar nicht verunsichert? „Nein, ich vertraue auf die regionalen Anbieter, wenn ich hier einkaufe, dann weiß ich, dass ich sicher sein kann“, sagt Sabine Bucher, die am Gemüsestand Sigg für 26 Euro Obst, Salat und Gemüse einkauft für ihren abendlichen Kochkurs bei der AOK. Das Motto: „Flott geschnippelt!“ Also Obst und Gemüse trotz Ehec? „Na klar, ich kaufe schon immer bewusst hier ein und nicht bei Aldi , weil die Ware aus der Region kommt und ich die Wege zurückverfolgen kann“, betont die Diätassistentin.

Diese Einschätzung freut Sonja und Susanne Sigg, die aufgrund der Ehec -Diskussion aber ohnehin nicht weniger Gurken und Tomaten an die Kundschaft bringen als zuvor. „Auf dem Biberacher Markt haben die am Samstag sogar mehr Gurken gekauft als sonst, aber das können unsere Kunden auch bedenkenlos tun“, unterstreicht die Markthändlerin Sonja Sigg. „Jeden Morgen bekommen wir kilometerlange Faxe von der Reichenau, wo alles erläutert ist und ich weiß, hier besteht keine Gefahr“, so Sigg, während sie weiter bedient.

Auch Hildegard Fürst kauft bedenkenlos hier ein. „Ich gehe schon immer auf den Markt, auf den Schildern steht doch genau, woher die Ware kommt, und dann kann ich ja die Sachen aus der Gegend mitnehmen“, so die Seniorin, die gestern unter anderem Erdbeeren benötigte zum Einkochen. Und die bekommt sie pfundweise am Stand von Marlies Männer , die bei Meckenbeuren einen 15 Hektar großen Hof betreibt. „Die sind klar von hier und von mir und nicht verseucht durch irgendwas“, sagt die Obstbäuerin resolut, während sie Raul Vigne von der Eisdiele Italia ein ganzes Steigle mit den roten, süßen Früchten verkauft. „Ich nehme die immer hier oder verarbeite sie gefroren oder nehme im Frühjahr die aus Italien“, sagt Vigne, während Marlies Männer schon mitten in der Diskussion ist mit ihrer Kundschaft. „Ich weiß nur eines: Die kleinen Bauern trifft Ehec mal wieder am meisten, sollte an irgendeiner Beere doch etwas gefunden werden“, fürchtet die Obstbäuerin, die auf ihre Direktverkäufe angewiesen ist, „weil der Herr Aldi uns Kleine nämlich nicht mag“.

Sie selbst verspürt aufgrund der Ehec -Verunsicherung zwar (noch) keine Einbrüche, ihr Kollege Christoph Beck aus Ankenreute hingegen schon. „Am Samstag war klar zu sehen, dass so gut wie keine Gurken und nur wenig Salat verlangt wurden“, berichtet der Landwirt. Auch an seinem Stand stammen die meisten Produkte von seinem Hof und das Gemüse von der Reichenau. „Nur die Biokarotten kommen aus Italien.“ Beck wünscht sich, dass die Experten schnell den Herd ausfindig machen für das gefährliche Bakterium. „Egal, ob das in Spanien seinen Ursprung hat oder wo anders, am Ende sind die kleinen Erzeuger die Gelackmeierten wie bei jedem Lebensmittelskandal“, fürchtet der Familienvater.