Lauffieber

Warum das Waldseer Lauffieber am Samstag zum letzten Mal stattfinden könnte

Bad Waldsee / Lesedauer: 5 min

Die vier Hauptorganisatoren hören nach der großen Laufveranstaltung am 21. Mai auf
Veröffentlicht:19.05.2022, 09:00

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Das Bad Waldseer Lauffieber feiert 20-jähriges Jubiläum und wird in dieser Art wohl zum letzten Mal ausgetragen. Der Grund: Die vier Organisatoren beenden nach der großen Laufveranstaltung am 21. Mai ihr ehrenamtliches Engagement. Noch ist unklar, wie es danach mit dem beliebten Sportformat weitergeht.

Wenn Bernhard Schultes an das erste Lauffieber im Jahr 2003 zurück denkt und mit Freude in der Stimme von den damaligen Erlebnissen berichtet, ist ihm die Leidenschaft zu dieser besonderen Veranstaltung deutlich anzumerken.

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Das Organisations-Team (von links): Markus Brauchle, Bernhard Schultes, Franz Lorinser und Eckart Knof. (Foto: Wolfgang Heyer/Schwäbische.de)

„Damals hatten wir noch einen Triathlon im Programm. Da hat das Wasser im Stadtsee nur so geschäumt“, berichtet der 60-Jährige und lächelt. Die Langstrecke führte noch nach Michelwinnaden und nicht wie heute über Reute . Und auch an Pannen erinnert sich Schultes noch gut, beispielsweise an eine lange Warteschlange für Spontananmeldungen, die vom Spital-Stüble bis hinauf zur Polizei reichte.

Eine Art Mini-Berlin-Marathon

Die Idee zu dieser Großveranstaltung kam den Sportbegeisterten nach einem Berlin-Marathon . Die Stimmung und die Emotionen wollten Schultes, Markus Brauchle, Franz Lorinser und Eckart Knof auch in der Heimat erlebbar machen – und zwar direkt in der Waldseer Altstadt. Wer schon einmal am Lauffieber teilgenommen hat, schwärmt von der Sport-Atmosphäre inmitten der charmanten Altstadt und ihren kleinen Gassen. Die Liebe zum Detail rundet den positiven Gesamteindruck ab.

Dazu zählt die passende Musikauswahl beim Start auf dem Rathausplatz, die routinierte Moderation von Achim Linder sowie Motivationsschilder auf der langen Strecke. Unter anderem ist darauf zu lesen: „Es ist wie Urlaub, nur mit Schmerzen.“

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Beim ersten Lauffieber im Jahr 2003 schwammen Triathleten durch den Stadtsee und schäumten das Wasser regelrecht auf. (Foto: Markus Leser/Schwäbische.de)
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Beim Lauffieber wurde auch schon eine Hochzeit gefeiert. (Foto: Wolfgang Heyer/Schwäbische.de)

Jahr für Jahr organisierten die vier Veranstalter Sponsoren, Helfer und Material und genossen die Momente. Wenn das Lied „An Tagen wie diesen“ aus den Lautsprecherboxen schallt, Luftballone gen Himmel steigen und die Läufer gespannt auf den Massenstart warten – Gänsehaut. „Oder wenn sich die Stadt am Lauftag so langsam mit den vielen, bunten Menschen füllt. Jeder hat seine Geschichte und sein Erlebnis dabei und behält sich die Bilder im Kopf, wie uns die Rückmeldungen zeigen. Das ist schon toll“, sagt Schultes und nickt gedankenverloren mit dem Kopf.

Das Ende ist nahe

Doch mit der Organisation soll nach so vielen Jahren einfach Schluss sein. Das nächste Lauffieber im Jahr 2023 wird nicht mehr unter Federführung der vier Freunde stattfinden. Ist das also das Aus für die Laufveranstaltung? „Wenn sich jemand findet, der einen Teil übernehmen will, dann gerne. Das ist keine Raketenwissenschaft, gerade beim Altstadt-Teamlauf und den Kinderläufen nicht“, so Schultes und weiter: „Und wer sich das Gesamtpaket zutraut, bekommt im ersten Jahr auch Hilfestellung von uns.“ Das heißt aber auch: Finden sich keine Nachfolger, gehört das Lauffieber ab dem nächsten Jahr der Geschichte an.

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Der am Streckenrand brütende Schwan wurde künstlerisch verewigt. (Foto: Wolfgang Heyer/Schwäbische.de)

Zunächst liegt der Fokus der Organisatoren aber auf der diesjährigen Veranstaltung. Während Corona haben sich Ansprechpartner und Abläufe etwas verändert. „Die Aussage, wir machen das einfach so wie im letzten Jahr, gilt dieses Jahr nicht mehr“, zeigt Schultes eine aus den ersten Jahren altbekannte, nun wieder neu entfachte Herausforderung auf. Die arbeitsreichen Tage vor den Läufen werden den Initiatoren wohl nicht fehlen, die Erfahrungen, die Momente, die Begegnungen hingegen schon. „Es wird ein Verlust sein, wenn wir das nicht mehr machen, klar. Aber den Wehmutsteil heben wir uns für nach der Party am Abend auf“, so Schultes.

Dann werden sich die Vier sicherlich an die prägendsten Momente zurückerinnern. Sei es an eine Lauffieber-Hochzeit, an den brütenden Schwan am Streckenwegesrand, der eigens in einem Porträt von Künstler René Auer verewigt wurde oder an die insgesamt zig tausend Läufer, die in der Altstadt herum wuselten. „Es gab viele schöne Geschichten – und zum Glück nie ernsthafte Verletzungen.“

Daten und Fakten zum Lauffieber am 21. Mai

Rund 1700 Läufer haben sich bereits für das Bad Waldseer Lauffieber am 21. Mai angemeldet. Die Organisatoren gehen davon aus, dass am Lauftag rund 2000 Läufer in der Altstadt an den Start gehen werden. Um 11 Uhr und 11.10 Uhr starten die Bambini-Läufe, ehe um 11.20 und 11.35 Uhr die Kinder-Läufe beginnen.

Um 12 Uhr ertönt der Startschuss für den Halbmarathon, um 12.15 Uhr geht es mit dem Altstadt-Teamlauf weiter und um 15 Uhr geht es auf die 10-000-Meter-Strecke. Nachmeldungen sind am Veranstaltungstag möglich.

Die Siegerehrungen finden zeitnah nach den Läufen auf der Bühne auf der Hochstatt statt. Goldmünzen im Wert von rund 180 Euro gibt es für Streckenrekorde im Halbmarathon sowie im 10-000-Meter-Lauf.

Den ganzen Tag über findet ein Rahmenprogramm in der Innenstadt statt. Auch am Wendepunkt in Reute ist ein kleines Dorffest geplant. Die Lauffieberparty startet ab 18.30 Uhr mit Musik der Band „Cross-Beats“ auf der Hochstatt. Auch in diesem Jahr gibt es wieder ein Spendenprojekt. Die Spenden fließen an „Ärzte ohne Grenzen“. Rund 400 ehrenamtliche Helfer sind während des Lauffiebers im Einsatz. (hey)