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Kommunalwahl

Darum wollen Waldsees und Aulendorfs Bürgermeister in den Kreistag

Bad Waldsee / Lesedauer: 5 min

Während andere Rathauschefs schon lange über OSK & Co. mitentscheiden, kandidieren Matthias Henne, Monika Ludy und Matthias Burth nun erstmals - für verschiedene Parteien.
Veröffentlicht:10.12.2023, 18:00

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Im Juni stehen die nächsten Kommunalwahlen an. Dann werden nicht nur die Gemeinderäte gewählt, sondern auch die künftigen Kreisräte. Für Waldsees Oberbürgermeister Matthias Henne war seit seinem Amtsantritt noch keine Gelegenheit, für einen Platz im Kreistag zu kandidieren. Das will er nun tun.

Und nicht nur er: Auch Waldsees Bürgermeisterin Monika Ludy und Aulendorfs Bürgermeister Matthias Burth wollen erstmals einen Platz im Kreistag ergattern.

Klinik-Schließung von der Zuschauerbank aus erlebt

Besonders die Sitzungen zur Schließung der Waldseer Klinik waren ein frustrierendes Erlebnis für Henne und Ludy, denn sie konnten die Debatten des Kreistags sowie die entscheidende Runde lediglich vom Zuschauerplatz aus mitverfolgen. „Das waren belastende Zeiten“, blickt Bürgermeisterin Ludy auf die Sitzungen zurück. Und auch Henne räumt ein, dass das Thema Krankenhaus ganz speziell aufgezeigt habe, wie erstrebenswert ein Platz am Ratstisch des Kreisgremiums ist.

Hintergrund

Kommunalwahl 2023

Die Kommunalwahl findet am 9. Juni statt. Dann werden neben Gemeinderäten auch Ortschaftsräte und der Kreistag gewählt.

Aulendorf gehört wie beispielsweise Altshausen, Ebersbach-Musbach, Horgenzell, Ebenweiler und Wilhelmsdorf bei der Kreistagswahl zum Wahlkreis V, aus diesem Wahlkreis können sieben Räte gewählt werden (erlaubte Kandidaten auf der Liste: 10).

Bad Waldsee und Bergatreute bilden zusammen Wahlkreis VI – es können fünf Räte gewählt werden (erlaubte Kandidaten auf der Liste: sieben).

Zum Vergleich: Aus dem Wahlkreis I Ravensburg können elf Räte gewählt werden.

Beide betonen aber auch, dass sich ihre Kreistags-Absichten bei Weitem nicht nur auf die Schließung der Waldseer Klinik begrenzen. Die Arbeit als Kreisrat sei ein wichtiger Einsatz für die Belange der Stadt und der Region, hebt Henne im SZ-Gespräch hervor.

So gebe es vielfältige Aufgaben, die akut für den ganzen Landkreis Herausforderungen darstellen. Als Beispiele nannte er die medizinische Versorgung, infrastrukturelle und finanzielle Themen oder die Flüchtlingsunterbringung, die alle Kommunen stark fordere und an die Belastungsgrenze bringe.

Henne will auf die CDU-Liste

Sollte er gewählt werden, werde er der CDU-Fraktion angehören. Das kommt insofern nicht überraschend, da Henne auch Mitglied in der Partei ist. Bereits 2019, damals noch Bürgermeister in Zwiefalten, hatte er sich um ein CDU-Kreistagsmandat in Reutlingen beworben. Sollte er in den Ravensburger Kreistag kommen, wäre es das erste Mal für Henne, dass er Mitglied in einem solchen Gremium ist. Doch: „Zuerst stehen die Nominierungsveranstaltungen der CDU an und ich hoffe sehr, dass ich einen Platz auf der Liste erhalte“, so Henne.

Waldsees Oberbürgermeister Matthias Henne.
Waldsees Oberbürgermeister Matthias Henne. (Foto: Karin Kiesel )

Ähnliche Beweggründe und Schwerpunktthemen wie Henne nennt auch Ludy für ihre Entscheidung, für den Kreistag kandidieren zu wollen. Dort würden wichtige Entscheidungen zum Wohl aller Einwohner im Landkreis Ravensburg getroffen und es sei wichtig, dass alle Regionen des Kreises gut im Gremium vertreten sind.

Finanzen sind das Fachgebiet von Ludy

Sie hat sich für die Freien Wähler entschieden. Das erklärt sie damit, dass sie sich deren Inhalten „am nächsten“ gefühlt hat. Ludy gehört keiner Partei an und ist in keiner Vereinigung Mitglied. Für Ludy, die in Waldsee unter anderem die Aufgabe als Kämmerin hat, sind naturgemäß Finanzen ein wichtiges Thema. Diesen würde sie sich als Kreistagsmitglied besonders widmen und auf finanzielle Aspekte ein spezielles Augenmerk legen wollen.

Bad Waldsees Bürgermeisterin Monika Ludy.
Bad Waldsees Bürgermeisterin Monika Ludy. (Foto: Karin Kiesel )

Die größte Fraktion im Ravensburger Kreistag, so wird zumindest oft gespottet, sind die Bürgermeister. Ob sie bei den einzelnen Sachfragen stets objektiv mit Blick auf die gesamte Kreisebene - vom Allgäu ins Schussental und bis in den nordwestlichen Bereich hinein - entscheiden oder bisweilen eher auf ihre eigene Gemarkungsgrenzen und die eigenen Vorteile fokussiert sind, ist eine Frage, die kontrovers gesehen wird.

Sind die vielen Bürgermeister im Kreisrat ein Problem?

Für Ludy stellt die Tatsache, dass aktuell etwa ein gutes Viertel aller Kreisräte zugleich als Rathauschefs fungiert, kein Problem dar. Im Gegenteil, sie hält es sogar für wichtig, dass Bürgermeister im Gremium vertreten sind. Wie sie erklärt, gehe es um eine „gerechten Lastenverteilung“ zwischen den Kommunen und im Kreistag würden viele Dinge entschieden, die in den Städten und Gemeinden umgesetzt werden.

Neu in den Kreistag einziehen will auch Aulendorfs Bürgermeister Matthias Burth - und zwar ebenfalls für die Freien Wähler. „Ich bewerbe mich um einen Platz auf der Liste.“ Burth gehört keiner Partei an und fühlt sich thematisch bei den Freien Wähler richtig. Wichtig sei ihm bei den Freien Wähler auch das Wort „frei“, denn das bedeute, dass kein Fraktionszwang bestehe und andere Meinungsäußerungen willkommen sind, wie er erklärt.

Aulendorfs Bürgermeister Matthias Burth.
Aulendorfs Bürgermeister Matthias Burth. (Foto: Karin Kiesel)

Burth sieht die medizinische Versorgung als ein Hauptthema

Dass er in den vergangenen fast 15 Jahren als Bürgermeister Aulendorfs bisher nicht für den Kreistag kandidiert hatte, begründet Burth damit, dass er sich seit Amtsantritt 2009 in vollem Umfang der Stadt Aulendorf widmen wollte. Schließlich hatte die Stadt keine leichte Zeit hinter sich und es galt, aus dem tiefen Schuldensumpf heraus zu kommen. Mittlerweile sei diese Situation entspannter und außerdem seien die drei Kinder mittlerweile größer, so dass er sich auch zeitlich ein Kreistagsmandat parallel zum Bürgermeisterjob gut vorstellen könne.

Die vielzähligen Herausforderungen, die es aktuell im Landkreis zu meistern gelte, seien aber sein Hauptansporn. „Es stehen einige zukunftsweisende Entscheidungen im Landkreis Ravensburg an. Dazu gehören die medizinische Versorgung und ein sinnvolles ÖPNV-Konzept.“ Wie beides aussehen könnte, damit würde er sich neben anderen Themen speziell befassen wollen.