Blütenhonig

Blütenhonig-Ernte fällt in diesem Jahr geringer aus

Bad Waldsee / Lesedauer: 4 min

Ein Grund dafür ist der Frost im Frühjahr – Imker Vitus Fussenegger aus Bad Waldsee berichtet allerdings von mehr Ertrag beim Waldhonig
Veröffentlicht:29.08.2017, 19:12
Aktualisiert:23.10.2019, 02:00

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Der Frost im Frühjahr wirkt sich nicht nur negativ auf die Ernte von Obstbauern aus – auch die Imker in der Region spüren die Auswirkungen des Kälteeinbruchs, denn: Es gibt deutlich weniger von dem hellgelben Blütenhonig in diesem Jahr. Ertragreich hingegen war der dunkle Waldhonig, den es nur alle zwei bis drei Jahre gibt.

Für die Bienen war der Kälteeinbruch im Frühjahr, durch den viele Blüten an Bäumen und Blumen erfroren sind, schlecht für ihre Entwicklung. Denn der Nektar, den die Blüten absondern, dient ihnen als Nahrung. Ebenso die Blütenpollen, die wichtige Eiweiße enthalten. „Ohne Eiweiße können sie keine neue Brut aufziehen“, erklärt Vitus Fussenegger , Vorsitzender des Bezirks-Bienenzuchtvereins Bad Waldsee. Der Nektar, den die Bienen aus Blüten saugen, ist die Grundlage für den Honig, den die Arbeitsbienen im Bienenstock aus dem gesammelten Nektar der Flugbienen produzieren und dem Volk als Winternahrung (Kohlenhydrate) dient. Simple Gleichung: Wenig Blüten, wenig Nektar, weniger Honig.

„Für den Blütenhonig war es ein schlechtes Jahr“, sagt Imker Fussenegger, der bei sich zu Hause auch Anfängerkurse gibt. Allerdings hänge der Ertrag ganz von dem Standort ab. „Bei mir waren es pro Volk etwa 25 Kilo Honig, das ist ganz ordentlich. Andere Imker hatten jedoch deutlich weniger, das hängt ganz davon ab, ob die Bienen im Umkreis genügend Blüten gefunden haben.“ Auch vom etwas dunkleren „Sommertrachthonig“ gebe es in diesem Jahr weniger als sonst üblich. Dafür haben die Bienen viel vom dunklen Waldhonig produziert, den es nur alle zwei bis drei Jahre gibt. Geschmacklich seien aber alle Honigsorten sehr gut, dabei gelte: je dunkler der Honig, desto kräftiger schmeckt er.

Blumen blühen früher

Eine einfache Lösung, dem Rückgang des Blütenhonigs entgegenzuwirken, gibt es nicht. Denn abgesehen von dem Frost in diesem Frühjahr mache den Bienen der Klimawandel zu schaffen. „Als ich 1990 als Imker angefangen habe, hat es im Mai geblüht, jetzt blüht es schon im März oder April“, sagt Fussenegger. „Und Ende Mai gibt es dann nur noch grüne Landschaften und kaum noch Blüten.“ Für die Bienen sei das frühere Blühen ein Problem, weil sie im März und April noch nicht richtig entwickelt seien. Und um ausreichend Nektar zu sammeln, brauche es auch dementsprechend viele Flugbienen. „Bis die Bienen richtig entwickelt sind, ist die Blüte oft schon wieder vorbei oder wie in diesem Jahr durch Frost kaputt gegangen.“ Deswegen sei es wichtig, dass Bienen das ganze Jahr über blühende Pflanzen finden, auch in privaten Wildgärten. „Davon profitieren alle Insekten, nicht nur die Bienen“, weiß Fussenegger.

Bienen würden zwar Blüten in einem Radius von zwei bis drei Kilometer anfliegen, da sie ihre Fracht aber auch wieder in den Stock zurückfliegen müssen und unterwegs etwas von dem „Treibstoff“ verbrauchen, sollte die „Trachtquelle“ jedoch nicht allzu weit entfernt sein.

Berufsimker wandern daher oft mit ihren Bienenvölkern, das heißt, sie wechseln öfters den Standort. Schon kleine Entfernungen würden oft ausreichen, damit Bienen wieder schneller an Blüten gelangen. Für Hobbyimker sei das aber zu umständlich und zeitintensiv.

Den ersten Honig schleudern Imker in der Regel Anfang Juni, die sogenannte Frühtracht – also von Pflanzen, die im Mai geblüht haben. Ende Juli wird dann letztmalig geschleudert und im August „ist es Zeit für das Einfüttern“. Weil die Imker den Bienen ihren Wintervorrat (den Honig) wegnehmen, müssen sie gefüttert werden. Früher mit Zuckerwasser, heutzutage hauptsächlich mit Sirup oder Futterteigen. 24 Bienenvölker hat Fussenegger bei sich im Garten, insgesamt hat er 40 Völker (hauptsächlich an Waldrändern wie beispielsweise in Haisterkirch).

Als Kind hatte der 63-Jährige großen Respekt vor den fleißigen Insekten mit ihrem „spitziga Fidla“, womit er den Stachel meint. Aber ein Kurs in Aulendorf brachte ihn seinem Hobby näher, das er nun seit 27 Jahren betreibt. Dass er mehrmals im Jahr gestochen wird, stört ihn dabei nicht sonderlich. „Das gehört dazu“, sagt er schmunzelnd.

Der Bezirks-Bienenzuchtverein Bad Waldsee hat etwa 120 Mitglieder. Viele von ihnen kommen aus Bad Waldsee und dem Umland, aber auch aus Essendorf, Bad Schussenried und vor allem aus Wolfegg und Bergatreute.