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Schwarzer Humor beim Aulendorfer Pfarrgemeindeball

Aulendorf / Lesedauer: 4 min

Gehen Glaube und schwarzer Humor zusammen? Die Bühnenshow beim Pfarrgemeindeball in Aulendorf hat es bewiesen.
Veröffentlicht:13.02.2024, 15:00

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Am Ende brach Moderatorin Konny Keckeis vor Rührung die Stimme. Die Frau, die in den drei Stunden des Aulendorfer Pfarrballs stimmgewaltig durchs Programm geführt hatte, hemdsärmelig in gemusterten roten Gummistiefeln - war überwältigt. Pfarrer Antony und Konnys Nachfolger Daniel Kühny überhäuften die zierliche Frau mit Dank und Lob - nach vielen Jahren hört sie im Festausschuss der katholischen Pfarrgemeinde St. Martin auf und wirkt ab jetzt in Südtirol. Es war halt doch nicht irgendein Job. In so einem Ehrenamt steckt immer auch ein Teil von einem selbst.

Video: Dorothee Kammel

Wir spulen drei Stunden zurück. Der Himmel der Aulendorfer Stadthalle hängt nicht voller Geigen, sondern bunter Stofftücher und warm erleuchteter Lampions. Die Fanfarengruppe F.G. Tannhausen scharrt bereits mit den Füßen und läuft Punkt acht Uhr ein. Es gibt erstmal ordentlich Rhythmus auf die Ohren, die langen Tische sind voll besetzt, der Auftakt ist gelungen. Doch dann scheint es ein Problem zu geben - Konny sei nicht da, monieren die beiden Moderatoren Daniel Kühny und Stefanie Ambacher. Geübt im Improvisieren, singen alle erst einmal das Pfarrballlied zum Warmwerden. Und natürlich kommt Konny herbeigeeilt.

Sprunghexen akrobatisch auf der Bühne

In die gestreiften bunten Aulendorfer Schals gehüllt, sitzt die Pfarrgemeindeprominenz ganz vorne und wird persönlich von den Dreien begrüßt. Godo Fredo Abaya von den Philippinen, der neue Vikar, erhält einen extra Handschüttler.

Ein kleiner gemischter Trupp aus Aulendorf, Haslach und Tannhausen singt, die Pagentruppe, die allesamt Paginnen sind, tanzen locker. Die kleinen Sprunghexen, die ihnen folgen, machen dem Namen alle Ehre. Perfekte Räder werden auf der Bühne geschlagen, gefolgt von Handstandüberschlag über hockende Hexen. Und eine Zugabe darf es auch noch geben. Sie sind nach der sportlichen Leistung geschafft aber glücklich.

Ein kurzes „Umhäsen“ erfolgt, was Moderator Kühny nutzt, um selbst ein Glitterteil mal anzuhalten. „Viel zu groß für mich“, behauptet er. Das steht den die kleinen Bauchtänzerinnen, die anmutig auftreten, deutlich besser.

Anmutiger Bauchtanz und pikante Witze

Und dann kommt er: Flo Angele, Zunftmeister. Er nimmt den Raum sofort ein. Mit seinem kräftigen „Was saisch au“ flutet er den Saal mit positiver Energie. Alle sind dabei und erwidern laut. Und als Bierbrauer kündigt er auch gleich süffisant an, auf die von Konny gespendeten 40 Liter Bier fürs 40-Jährige der Fanfarengruppe werde Pfarrer Antony nochmal 40 Liter drauflegen. Anekdoten und Witze von Ordensschwestern und Pfarrern in Berghütten begeistern die Matrosen und Seefrauen an den Tischen. Kräftige Lacher, dann ein Tusch und es geht weiter.

Aulendorfs katholische Gemeinde lebt. Die tanzenden weiblichen Teenager, die sonst sonntags in braven Ministrantinnenröcken die Glöckchen am Altar läuten, rocken jetzt die Bühne. Es ist keine reine Bühnenschau. Auch die Zuschauerinnen und Zuschauer werden immer wieder mit Schunklern und einem Prosit eingebunden. Die Hymne „I bin a Aulendorfer“ ist ein Selbstläufer.

Dann wird es für eine längere Zeit ruhiger, als Hans Jörg Straub als „Obermessdiener“ zu sakralen Tönen ansetzt und Anekdoten poetisch in Reimform verpackt. Anders als im Gottesdienst wird die Menge nach einer Zeit - vor allem die Jüngeren - auf der Empore unruhig. Die Konzentrationsfähigkeit beider Seiten scheint auseinander zu klaffen. Straub lässt sich nicht beirren. Sein Abgang mit „Hahaha, wa saisch au, hu und in Ewigkeit Amen“ zeugt von Selbstironie.

Maritime Kostüme auf der Bühne

Es wird wieder musikalisch. Der Schalom-Chor im maritimen Ringellook tritt auf. Die Lieder sind auf den Pfarrer gemünzt. Den könne das doch alles nicht erschüttern, singen die ringeligen Matrosen. Pfarrer Antony lacht gutmütig und entspannt.

Und natürlich darf ein zeterndes Pärchen, Mariechen und Waltraut, wunderbar verkörpert von Peter Gaiser und Klaus Hübner, nicht fehlen. Männer in engen Nylons, unbeholfen auf Stöckelschuhen und quietischen Stimmen, ziehen immer. Zwei Damen, die anscheinend wissen, wie und wo der Hase läuft und sich gegenseitig beharken. Ihr Zeitliches planen die beiden ganz unverholen. „Ich bin mit meinem Bestatter per du“, betont die eine. Aus der jetzigen Küchenarbeitsplatte werde der spätere Grabstein. Auch die Inschrift stehe schon fest. „Wer erben will, kann auch gießen.“ Der Saal tobt.

Ein entspannter Umgang mit dem Thema Kirche und Glaube zog sich durchs Programm. In Aulendorf scheint deftiger Humor und Glaube also gut vereinbar zu sein.

Und dann gibt´s noch eine Runde Geschenke und warme Worte. Geschenke von und für Konny Keckeis. Und kein guter Fasnetsball ohne Polonaise, getoppt vom Ententanz. Alle stehen auf, die Tanzfläche füllt sich und bei schweißtreibenden Hüpfern wird weitergefeiert.