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Neues Leben

Raus aus dem Hamsterrad und ab aufs Surfbrett

Aulendorf / Lesedauer: 4 min

Wie es Christine Sing gelang, aus dem Hamsterrad auszusteigen. Und: wie sie als selbstständige Beraterin Impulse geben möchte.
Veröffentlicht:26.06.2023, 17:00

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„Ich habe hautnah erlebt, welche Herausforderungen eine Karriere als Frau mit sich bringt und wie zehrend diese sein können“, so Christine Sing. Die 36–Jährige hatte in jungen Jahren beruflich bereits alles erreicht, was sie sich erträumt hatte. Eine Bilderbuchkarriere bei Volkswagen (VW). Im Gespräch mit der „Schwäbische.de“ erzählt sie, wie sie an den Punkt gelangte, nicht mehr nur zu funktionieren, sondern auch leben zu wollen. Sie berichtet, wie sie sich nun als selbstständige Beraterin für mehr Frauen in Führungspositionen und neues Arbeiten einsetzt.

Christine Sing wuchs in Aulendorf auf und studierte Kulturwissenschaften in Lüneburg. Anschließend arbeitete die 36–Jährige in unterschiedlichen Stationen des VW Konzerns. Ihre Karriere führte sie nach China und auch drei Jahre nach Tschechien, wo sie in Prag für Skoda tätig war. Mit 28 Jahren wurde sie Pressesprecherin einer Tochterfirma von VW und zog nach Wolfsburg zurück. „Mit nur 30 Jahren wurde ich dann zur Pressesprecherin für neue Mobilität bei Volkswagen.“ Sie sei stolz gewesen, als so junge Frau bei VW auf der Karriereleiter so weit nach oben gestiegen zu sein.

Wenn es ums Ego und nicht um Lösungen geht

Ihr wurde bewusst, wie wenig Frauen in Führungspositionen vertreten sind. Unter dem damaligen Konzernchef Matthias Müller habe sie eine sehr angenehme Arbeitsatmosphäre erfahren. Man habe ihr Vertrauen entgegengebracht, der Umgang sei menschlich gewesen. „Ich konnte selbstbestimmt arbeiten und es wurde nie an mir gezweifelt“, erinnert sie sich.

Mit dem Führungswechsel beim Konzern habe sich das jedoch schlagartig geändert. Dem neuen CEO sei es vielmehr ums Ego, als um gute Lösungen gegangen, so Sing. Es wurde nun eine sehr klassische, hierarchische Führung gelebt. Es musste das getan werden, was der Chef wollte, und nicht das, was das Team für richtig hielt, berichtet die gebürtige Aulendorferin.

Trotz ihres Traumjobs habe Sing relativ schnell gemerkt, dass sie so nicht mehr arbeiten möchte. Die nun herrschende Unternehmenskultur und Arbeitsatmosphäre passte nicht zur ihren Wert– und Arbeitsvorstellungen. Sie kündigte und setzte sich intensiv mit dem Thema Frauen im Berufsalltag auseinander. Mit einem Coach erarbeitete sie sich ihre Visionen für eine besser gestaltete Arbeitswelt. Die 36–Jährige hält wenig vom hierarchischen Arbeiten und Stereotypen. Sie wünsche sich neue Führungsformen und selbstbestimmte, diverse Teams, in denen Verantwortlichkeiten und Kompetenzen zählen.

Wie Sing zum Surfbrett kam

„Im Dezember 2019 bin ich das erste Mal nach Teneriffa geflogen. Ich begann in dieser Zeit mit dem Surfen und bin absolut begeistert davon“, erzählt die Beraterin. Beim Surfen gebe es viel Parallelen mit dem Berufsalltag. Wiederkehrende Wellen, wie Herausforderungen, die man meistern müsse. Surfen löse ein großartiges Freiheitsgefühl aus, fordere komplette Präsenz im Hier und Jetzt. Ein Lebendigkeitsgefühl, was im Hamsterrad leider größtenteils verloren gehe. Es gehe nicht mehr nur ums Funktionieren, sondern ums Leben.

Wie gelingt es, diese Lebendigkeit in den Alltag zu integrieren? „Indem man Momente schafft und Dinge tut, die Surfgefühle hervorrufen“, lacht Christine Sing. „Viele Frauen erzählen mir, dass sie alles tun, was gefordert wird, bringen überdurchschnittliches Engagement ein und werden trotzdem nicht gesehen und befördert. Oder sie sind erfolgreich, fühlen sich dennoch nicht richtig erfüllt und zufrieden.“ Sie wolle diesen Frauen Impulse geben, eigene Surfmomente, wie Sing es gerne nennt, zu schaffen. Frauen sollen den Mut haben dürfen, zu führen, fühlen und Frau zu sein.

Mehr Leichtigkeit im Arbeitsalltag

Seit fünf Jahren ist sie nun als Beraterin tätig und gibt ihr Wissen und ihre Erfahrung in Vorträgen und Workshops für und mit Unternehmen sowie 1:1 Beratungen weiter.

Ich berate vorwiegend Frauen, aber auch Männer, wie der Weg aus dem persönlichen Hamsterrad gelingen kann — für mehr Leichtigkeit und innere Ruhe im Arbeitsalltag.

Christine Sing

Aktuell schreibt sie an einem eigenen Buch. „Ich liebe das, was ich tue und gehe einfach voll darin auf“, schwärmt Sing.


Am Donnerstag, 29. Juni, um 18 Uhr hält Christine Sing exklusiv für Frauen eine kostenfreie Lesung „Raus aus dem Hamsterrad und ab aufs Surfbrett“ im kup Ravensburg ab. Anmeldung sowie weitere Infos unter www.frauundberuf–rv.de/Veranstaltungen.