Kunstobjekt

Neues Kunstobjekt lädt zum Verweilen ein

Aulendorf / Lesedauer: 4 min

Jugendliche sind auf ihre selbstgebaute Naturinstallation stolz
Veröffentlicht:31.03.2014, 14:50
Aktualisiert:24.10.2019, 15:00

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Unmittelbar zum Haupteingang der Schwaben-Therme Aulendorf ist ein neues Kunstobjekt entstanden: Ein begehbarer Kokon, der eine Sitzgelegenheit für insgesamt vier Personen bietet. Gebaut hat ihn eine Gruppe Achtklässler der Realschule am Schlosspark Aulendorf.

Die Jugendlichen trafen sich sechs Wochen jeden Mittwoch nach der Schule mit dem freiberuflichen Sozialarbeiter Marco Eckle , um das Kunstwerk in freier Natur zu gestalten. Die Schüler erhielten einen Einblick in die Objektkunst angelehnt an die Land-Art-Tradition. „Zuerst haben wir ein Modell eines Kokons gefertigt, dass wir dann in die Realität umgesetzt haben. Das hat mir sehr gut gefallen“, erklärt die 14-jährige Realschülerin Alina Potrubeiko.

Das Miniaturmodell wurden unter alten Bäumen zu einem drei Meter hohen Kokon realisiert. Das Objekt bauten die Schüler aus Weiden und Stahl, um es der natürlichen Umgebung anzupassen. Sie fädelten dabei mehrere 100 Weiden von Hand in das Grundgerüst. Die Projektleiter Marco Eckle und Guido Boerger wollten zeigen, dass die Entwicklung von naturalen Kunstwerken keine Freizeit ist, sondern mit Arbeit und Anstrengung verbunden ist und Durchhaltevermögen erfordert.

Die Miniaturmodellarbeit wurde überwiegend von den Mädchen übernommen, danach stürzten sich die vier Männer der Truppe Daniel Binder, Ajdin Rahic, Fabian Bittlingmaier und Benjamin Przykopp in die handwerkliche Umsetzung. In einem sind sich die vier einig: „Obwohl es ein großer Kraftakt und anspruchsvolle Arbeit war, hatten wir viel Spaß und die investierte Freizeit hat sich gelohnt. Wir sind stolz auf unser Projekt“.

Stolz zeigen zu können, das Selbstbewusstsein stärken und ein Projekt zu Ende zu führen, waren die Ziele des Kunstangebotes im Rahmen des Projektes „Meine Stärken – meine Zukunft“ des CJD Bodensee-Oberschwaben. Das Projekt soll Jugendlichen die Gelegenheit geben, Zugang zu ihren Stärken zu finden, sich neue Ziele zu setzen und den Antrieb zu gewinnen eingeschlagene Lebenswege zu Ende zu gehen. „Wir wünschen uns, dass die Jugendlichen aus diesem Projekt lernen, ihre Wege zu beenden und nicht vorschnell abzubrechen. Dabei ist es uns wichtig, dass dieser Gedanke auf die Schullaufbahn übertragen wird und sich die Schüler ins Bewusstsein rufen weiter zu machen, auch wenn etwas schwierig oder kompliziert erscheint“, erklärt Sozialarbeiter Eckle. Er selbst war über die rege Teilnahme der Schüler überrascht: „Es war ein freiwilliges Projekt und wir waren bei gutem Wetter immer vollzählig. An jedem Mittwoch werkelten mindestens drei bis vier Jugendliche. Das liegt wohl auch daran, dass die Kids das Interesse von Passanten und Außenstehenden spürten“.

Als Vorbild der Naturinstallation dienten die Rondelle im Hofgarten, die durch das Vater-Söhne Projekt im vergangenen Jahr entstanden sind. „Wir haben uns eine neue Form für eine Sitzgruppe überlegt, in der sich die Jugendlichen zurückziehen können“, beschreibt Eckle die Grundidee. Er fertigte bereits im Voraus ein Prototypen des Kokons an, um ihn auf Wetterfestigkeit, Stabilität und Sicherheit zu prüfen.

Dann waren die Schüler an der Reihe und investierten 20 Stunden ihrer Freizeit. Es scheint sich gelohnt zu haben, denn allesamt fühlen sich in ihrem Kokon wie zu Hause. „Mir gefällt Kunst und es hat sehr viel Spaß gemacht, unser gefertigtes Modell umzusetzen. Hier werde ich nun öfters meine Pause verbringen“, erzählt Leoni Schumacher. Auch Projektleiter Eckle ist begeistert vom entstandenen Kunstobjekt: „Ich bin sehr stolz auf meine Gruppe. Alle waren übermotiviert und Ehrgeizig bei der Arbeit und jeder wollte schneller als der andere sein“, sagt er. Ihn begeisterte der wachsende handwerkliche Tatendrang, der sowohl bei den Jungs als auch bei den Mädchen zu beobachten war. Allerdings würde er beim nächsten Mal zwei Kokons bauen – einen von den Mädchen und einen von den Jungen. So sollen alle die Möglichkeit haben an dem Kunstobjekt zu bauen.

Großes Interesse an dem Projekt zeigte Barbara Wilhelm aus dem Saarland, die momentan zu Gast in Aulendorf ist. „Bei einem Spaziergang fiel mir auf, dass hier junge Menschen ein Kunstobjekt entstehen lassen. Fortan bin ich jeden Mittwoch vorbei gekommen und habe den Bau des Objektes verfolgt. Ich finde das die jungen Menschen etwas gelungenes geschaffen haben. Es war toll, alles Schritt für Schritt zu beobachten“, erzählt Wilhelm begeistert.