Schulungsraum

Erste-Hilfe-Kurs für arabisch sprechende Flüchtlinge

Aulendorf / Lesedauer: 3 min

Deutsches Rotes Kreuz hatte dazu eingeladen – Eine weiterer Schritt Richtung Integration
Veröffentlicht:30.10.2016, 16:20
Aktualisiert:23.10.2019, 11:00

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Musik dringt aus dem Schulungsraum des Deutschen Roten Kreuz (DRK) im Vereinsheim der Ortsgruppe Aulendorf . Wer nun an einen Tanztee für Senioren denkt, liegt völlig falsch. Der 100er-Takt aus dem CD-Player gehört zum Ausbildungsteil Reanimation des Erste-Hilfe-Kurses für arabisch sprechende Flüchtlinge. Dieser fand am Samstag auf Anregung der Integrationsbeauftragten Sonja Hummel erstmals statt.

In neun Unterrichtseinheiten mit jeweils 45 Minuten vermitteln der erfahrene Ausbilder Franz Blaser und seine junge Kollegin Sandrina Stehle zwölf Flüchtlingen Erste-Hilfe-Kenntnisse, vom Gebrauch der Notrufnummern bis hin zur Reanimation. 30 Mal drücken, zweimal beatmen – jeweils im Wechsel: An einer Puppe üben Abdul Manan und Feraz Hassan unter den wachen Augen der beiden Ausbilder die Reanimation. Zuvor hat Ausbilder Blaser diese oft lebensrettende Maßnahme erklärt, auf Druckstärke, Frequenz und Handhaltung hingewiesen und natürlich ausgiebig vorgeführt.

Franz Blaser, der seit 40 Jahren Erste-Hilfe-Kurse gibt, erzählt im Gespräch mit der SZ, dass dies sein erster Kurs mit Flüchtlingen und Dolmetscher ist. Dafür hat er extra eine Broschüre mit dem Titel „Helfen ist Pflicht! Sei ein Held!“ besorgt, die er an die Anwesenden austeilt. Darin stehen in Kurzform und bebildert Erste-Hilfe-Regeln auf Arabisch und Deutsch. Zudem stellt er die Praxis in den Vordergrund. Schautafeln und Beamerprojektion kommen mit wenig Worten aus. Dennoch hat Mulham Khasham, der die Worte des Ausbilders ins Arabische übersetzt, viel zu tun, etwa wenn Blaser am Schaumodell eines Kopfes die Überstreckung erklärt. Natürlich formuliert er auch die Fragen seiner Landsleute auf Deutsch. Davon gibt es viele: Wie lange eine Kompresse auf der Wunde bleiben darf oder was speziell bei Verletzungen der Wirbelsäule zu beachten ist.

„I be an Aulendorfer“, erklärt der Übersetzer auf die Frage nach seinen guten Deutschkenntnissen, fügt dann aber augenzwinkernd hinzu, dass er in Syrien Lehrer war und seit einem Jahr in Aulendorf am Deutschunterricht teil nimmt. Die Motivation seiner Landsleute, den Erste-Hilfe-Kurs zu besuchen, begründet er damit, dass dies ja beim Erwerb oder dem Umschreiben des Führerscheins notwendig sei. Zudem würde auch die Möglichkeit der Selbsthilfe bei Verletzungen eine Rolle spielen, was bei manchen sicherlich auch mit den Erlebnissen auf der Flucht zu tun habe.

So sind alle hochkonzentriert bei der Sache, ab und zu gibt es zustimmendes Kopfnicken oder leises Gemurmel mit dem Nebensitzer. Der jüngste Anwesende, der elfjährige Husam, ist seit einem Jahr Mitglied in der Jugendrotkreuzgruppe und begleitet heute seinen Vater, um für ihn zu dolmetschen. „Meine Freunde sind auch beim Jugendrotkreuz, da ist es klasse“, erzählt der Fünftklässler und strahlt über das ganze Gesicht. Die letzte Übung des Tages findet auf dem Parkplatz vor dem DRK-Heim statt. Hier lernen die Teilnehmer noch, wie sie eine Person aus einem Auto „befreien“, bevor sie stolz die Teilnahmebestätigung in Empfang nehmen dürfen.