Huberbuckel

„Aulendorfer Bächle“ sorgt für Diskussion

Aulendorf / Lesedauer: 4 min

Baubeginn im September geplant– Aussichtsplattform abgewählt – Indische Pflastersteine kommen vermutlich aus Kinderarbeit
Veröffentlicht:29.03.2016, 18:37
Aktualisiert:23.10.2019, 17:00

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Das „Aulendorfer Bächle“ in der Hauptstraße kommt. Die Aussichtsplattform über der Trafostation am Huberbuckel nicht. Das hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung entschieden und die Umgestaltung der nördlichen Hauptstraße zwischen Alter Apotheke und Schloßplatz festgezurrt. Die Abstimmung über versenkbare Absperrpoller endete indes in einer Pattsituation.

„Interfraktionelle Einigkeit“, bescheinigte CDU-Stadtrat Hartmut Holder dem Gemeinderat in der Diskussion über eine Aussichtsplattform über der Trafostation zwischen Schulhalde und Alter Apotheke. Planer Christoph Kapitel hatte den Räten noch eine Alternative zur der runden Plattform, gegen die ein Nachbar widersprochen hatte, vorgelegt: ein frei hängender und spitz zulaufender Steg. Von „kann ich mir nicht vorstellen“ (Bürgermeister Burth) über „rattenscharf“ (Pascal Friedrich) aber am falschen Ort bis „brauchen wir nicht“ (Franz Thurn) reichten die Kommentare zur Plattform. Entsprechend einstimmig entschied der Gemeinderat auf diese ganz zu verzichten und lediglich eine Absturzsicherung anzubringen.

450 000 Euro Gesamtkosten

Damit war einer der Punkte für die Umgestaltung der nördlichen Hauptstraße passé. Der etwa 50 Meter lange Bereich zwischen Alter Apotheke bis zum Schlossplatz wird als platzartiger und verkehrsberuhigter Bereich ausgebaut, wobei die Tempo-7-Zone ausgeweitet wird (SZ berichtete). Mit den Bauarbeiten soll im September begonnen werden. Der Ausbau schließt sich an den im Jahr 2001 umgestalteten Abschnitt der Hauptstraße an. Die Kostenschätzung beläuft sich auf insgesamt 450 000 Euro.

Ebenfalls Teil der Planung sind drei in der Hauptstraße versenkbare Poller auf Höhe des Übergangs zum Schloßplatz, etwa, um die Straße an Markttagen für den Verkehr zu sperren. 6000 Euro für drei Krämermärkte im Jahr, das sei „nice to have“, befand CDU-Stadtrat Hans-Peter Reck, übte generelle Kritik: „Es schwingt viel Luxus in der Planung mit“ und beantragte, auf die Poller zu verzichten. Da aber sowohl Recks Antrag als auch folgerichtig der Verwaltungsvorschlag, die Poller einzubauen, bei einer 7:7-Stimmengleichheit abgelehnt wurden, kommt dieser Punkt erneut zur Beratung in den Gemeinderat.

Auch der rund 35 Meter lange offene Bachlauf entlang des Fahrbahnrands auf der Schlossseite fand nicht die uneingeschränkte Zustimmung aller Räte. Stadtrat Holder stellte vorsichtig zur Diskussion, ob man den Bachlauf unbedingt jetzt gleich mit Wasser füllen müsse oder ob auf die dafür notwendige Pumpe verzichtet werden könne. Deutlicher wurde sein Fraktionskollege Reck; dass gerade Aulendorf einen künstlichen Bachlauf anlege, sei ihm unverständlich. Die Idee wurde beim integrierten Stadtentwicklungskonzept entwickelt. Bürgermeister Matthias Burth betonte, dass es um die Aufwertung des Straßenraums gehe, das koste eben auch etwas. Vorgesehen ist, den Bachlauf nach der Umgestaltung des Schlossplatzes später mit abgeleitetem Oberflächenwasser aus den Baugebieten Parkstraße und Safranmoos sowie aus einer gefundenen Quelle im oberen Schlossplatz zu speisen. Es sei auch unklar, wann der Schloßplatz ausgebaut werde, sagte SPD-Rat Pascal Friedrich und machte sich für eine sofortige Bewässerung des Bächles stark. Aufenthaltsqualität und Stadtgestaltung wögen die Kosten auf, befand Christof Baur (FWV). Bei Gegenstimmen von Reck und Holder stimmte der Rat mehrheitlich für die sofortige Bewässerung mittels Pumpe.

Für weit leisere Diskussion sorgten die Steine, die den Platz vor Gebäude 38 pflastern sollen. Der rote Granitstein namens „Manga“ soll dort in gesägter und nicht gebrochener Variante verlegt werden, um weniger Stolperfalle zu sein. Er habe sich am bestehenden Pflaster orientiert, so Planer Kapitel , der Stein stamme allerdings aus Indien und stellte das Thema Kinderarbeit in den Raum.

Zertifikat anfragen

Lediglich Christine Vogt (BUS) fragte vorsichtig nach, ob es denn sicher sei, dass der Stein aus Kinderarbeit stamme. „Vermutlich schon, es ist schwer nachzuweisen, dass nicht“, so Kapitel. Die Zertifikatsproblematik habe es, so erklärte Bürgermeister Matthias Burth, schon bei den Grabsteinen gegeben. Es sei ein „schwieriges Thema“, generell stünde der Wunsch die Hauptstraße einheitlich zu gestalten entgegen. Von einem „Fehler der Vergangenheit“, sprach dementsprechend auch Pascal Friedrich, der einen Materialwechsel ablehnte, weil es „lächerlich aussehe“, für die weitere Gestaltung der Innenstadt allerdings einen Wechsel auf andere Steine anregte. Die Frage von BUS-Rätin Karin Halder nach Alternativen blieb ziemlich ungehört. Letztlich einigte sich der Rat darauf, wenigstens prüfen zu lassen, ob es möglich sei, Zertifikate über die umwelt- und arbeitsrechtlichen Standards einzuholen.